Geht es auf Stadtratswahlen zu, gehen in Zürich die bürgerlichen Parteien normalerweise auf Distanz. Die SVP wirft der FDP gemeinhin vor, ihre Kandidaten seien zu sanft und zu links, während die FDP über die Polterer der SVP die Nase rümpft. Und die CVP pflegt ihr eigenes Gärtchen und hält sich aus Zankereien heraus. So sind Mitte-rechts-Allianzen wiederholt gescheitert – obwohl die bürgerlichen Kräfte im Stadtrat zunehmend von der rot-grünen Mehrheit marginalisiert werden.

Bei den Wahlen 2014 soll nun alles anders werden. Schon als Richard Wolff (AL) im April der FDP einen Sitz wegschnappte, kündigte SVP-Parteipräsident Roger Liebi die «bürgerliche Wende» an. Auch heute noch lautet sein Ziel: eine bürgerliche Mehrheit mit fünf von neun Stadträten. Aktuell stellen CVP und FDP je einen, die SVP keinen.

Tatsächlich sieht es so aus, als seien SVP, FDP und CVP angesichts der linken Übermacht zusammengerückt. «Alle haben eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann», sagt Liebi. Vorgesehen ist deshalb eine gemeinsame Kampagne für die Freisinnigen Andres Türler und Filippo Leutenegger, den CVP-Mann Gerold Lauber und zwei Kandidaten der SVP.

Aufgegleist wird die Kampagne vom Forum für Zürich, einem Zusammenschluss von Zürcher Wirtschaftsverbänden. Mehrfach haben sich die Parteipräsidenten bereits mit Verbandsvertretern getroffen, um die Kampagne auf den Weg zu bringen.

Die SVP und ihr Geheimnis

Als gemeinsames Ticket wollen die Parteipräsidenten die Kampagne jedoch nicht verstanden wissen. Jede Partei führe ihren eigenen Wahlkampf, sagen sie. Liebi spricht dennoch von einem Schulterschluss, den es so bisher nicht gab. Das Verhältnis mit der FDP habe sich verbessert, seit im Hintergrund deren «alte Garde» an Einfluss verloren habe. Insbesondere der Abgang von SVP-Kritiker Martin Vollenwyder aus dem Stadtrat könnte eine Entspannung gebracht haben, sagt Liebi.

Ganz reibungslos läuft das Zusammenspiel zwischen den bürgerlichen Kräften allerdings noch nicht. Grund ist die Geheimniskrämerei der SVP um ihre Stadtratskandidaten. Während alle anderen Parteien längst Kandidaten präsentiert haben, brütet die SVP-Spitze noch im stillen Kämmerlein. Sie lässt nur verlauten, an der morgigen Delegiertenversammlung würden «zwei bis drei» Kandidaten präsentiert.

Die neuen Partner FDP und CVP können damit nicht viel anfangen. «Mir ist nicht klar, was die Geheimhaltung bringen soll», sagt FDP-Präsident Michael Baumer. Und CVP-Chef Markus Hungerbühler sagt: «Wenn man schon von Vertrauen spricht, hätten wir von der SVP mehr Transparenz erwartet.»

Tuena, Liebi – oder eine Frau?

Trotz grossem Geheimnis gibt es Hinweise auf mögliche Kandidaten. So geht seit einiger Zeit das Gerücht um, die Partei wolle mit einer Frau angreifen. So könnte die SVP im männerlastigen Wahlkampf auch bei Wählerinnen jenseits der Parteigrenze punkten. Die Grünen haben bekanntlich für die Nachfolge von Ruth Genner ihren Fraktionschef Markus Knauss lanciert.

Feststeht: Die SVP-interne Findungskommission hat die ehemalige Kantonsrätin und frühere CVPlerin Susanne Brunner angefragt. Sie hat aber abgelehnt. Über weitere Frauen in den Startlöchern bei der SVP ist bislang nichts bekannt.

So oder so ist zu erwarten, dass die SVP mit zwei Personen ins Rennen steigt. Nicht zur Verfügung steht Nationalrat Alfred Heer. Auch ihn hat die Findungskommission angefragt, Heer will sich aber weiter auf sein Amt in Bern konzentrieren. Unwahrscheinlich ist auch eine Kandidatur von Kantonsrat Bruno Amacker, der diesen Herbst Vaterfreuden entgegenblickt.

Als möglicher Kandidat wurde bisher Kantonsrat Roland Scheck gehandelt. Er sagt, er stehe für ein Stadtratsamt grundsätzlich zur Verfügung. Allerdings hat ihn die Findungskommission bisher links liegen gelassen. Dafür hat sie offenbar Gemeinderat Sven Dogwiler kontaktiert, der im Sommer Interesse an einer Kandidatur signalisiert hatte. Ob er zugesagt hat, behält er für sich.

Angesichts dieser Ausgangslage rücken auch Roger Liebi und Gemeinderats-Fraktionschef Mauro Tuena wieder in den Fokus, die seit 2006 schon je zweimal für die SVP einen erfolglosen Stadtratswahlkampf bestritten haben. Sicher ist, dass eine Kandidatur Liebi und/oder Tuena die neue bürgerliche Einigkeit nicht gerade beflügeln würde. Beide gelten als Hardliner und liessen bisher ausserhalb der SVP nur wenige Herzen höher schlagen.