Stadtentwicklung
Die nächste Brache kommt bestimmt

Ob Hardturmareal, ehemaliger Güterbahnhof oder Fabrikruine: Es gibt sie immer wieder, die grossen Brachen in Zürich. Was wird aus ihnen? Und wann kommt die nächste? Eine Übersicht.

Matthias Scharrer
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Gleise, die ins Nichts führen, un ein Tümpel auf platt gemachten Bauland auf der PJZ-Brache.

Gleise, die ins Nichts führen, un ein Tümpel auf platt gemachten Bauland auf der PJZ-Brache.

Matthias Scharrer

Verdichtung ist der Megatrend der Stadtentwicklung. Und doch gibt es immer wieder grosse Leerstellen in der Stadt. Flächen, an denen der Passant vorbeikommt und denkt: Hier fehlt etwas. Hier war doch was. Kommt hier noch was? Drei grosse Brachen dieser Art gibt es derzeit in Zürich.

Eine davon erblickt man von der Hardbrücke aus in Richtung Stadtzentrum. Ein unwirkliches Bild: Gleise führen ins Nichts. Regenwasser bildet einen Tümpel auf plattgemachtem Bauland. Daneben stehen Reste von Backsteinbauten. Sie gehörten zum alten Güterbahnhof, der vor gut einem Jahr abgerissen wurde.

Das Beispiel PJZ

Der Kanton plant hier schon seit über zehn Jahren sein Polizei- und Justizzentrum (PJZ). Doch das Grossprojekt, das eigentlich längst gebaut sein sollte, geriet immer wieder ins Stocken. Zunächst sorgten die steigenden Kosten für Schwierigkeiten, weshalb eine zweite Volksabstimmung nötig wurde. Zuletzt überraschten die zuständigen Regierungsräte mit dem Bekenntnis, dass das PJZ zu klein sein würde, um die ihm zugedachten Funktionen zu erfüllen.

Der Bau wird nun fünf- statt vierstöckig, dafür aus Kostengründen leicht verkürzt. Am aktuellen Zeitplan ändert dies jedoch nichts, wie Baudirektionssprecher Markus Pfanner sagt: 2019 soll das PJZ bezugsbereit sein. Mal sehen. Kantonsräte stellen bereits zur Diskussion, ob eine dritte Abstimmung nötig sei, weil die Kantonspolizei nun trotz PJZ das Kasernenareal nicht gänzlich räumt.

Ankündigungen grosser Neubauten betrafen auch das Hardturmareal schon mehrfach: 1999 plante der Stadtrat ein polysportives Stadion, Anfang der Nullerjahre dann ein grosses Fussballstadion mit Einkaufszentrum, zuletzt ein kleines, reines Fussballstadion – alles Makulatur.

Auf der Stadionbrache pflanzen inzwischen urbane Gärtner Gemüse. Einmal pro Jahr schlägt der Cirque du Soleil hier seine Zelte auf. Und neuerdings nutzt ein Smartphone-Hersteller die vom alten Hardturmstadion übrig gebliebene Aussenwand als Werbefläche. So bringt das Areal, das die Stadt der Grossbank Credit Suisse abkaufte, wenigstens etwas Geld in die Stadtkasse.

Vorabklärungen für ein mögliches neues Stadionprojekt laufen derzeit wieder einmal: Fünf Projektteams haben Vorschläge eingereicht. Darunter sind Halter Immobilien; das Architekturbüro Burkard Meyer, das bereits die Pläne für das 2013 vom Volk als zu teuer befundene Projekt gezeichnet hatte; und eine Investorengruppe um den früheren GC-Präsidenten Fritz Peter.

Noch vor den Sommerferien werden die Vorschläge dem Stadtrat präsentiert, wie Kuno Gurtner vom Stadtzürcher Finanzdepartement auf Anfrage sagt. Nach den Ferien werden sich Vertreter der Stadt und der CS treffen, um zu besprechen, wie es mit dem Hardturmareal weitergehen soll. Die Grossbank hat ein Rückkaufsrecht, falls dort kein Stadion entsteht.

Binz: Baubeginn verzögert sich

Auch das ehemalige Fabrikareal im Quartier Binz, das jahrelang besetzt war, ist Brachland: Die Fabrikgebäude sind abgerissen, die Altlastensanierung des Bodens soll bis Ende 2014 durchgeführt sein, heisst es bei der kantonalen Baudirektion. Im Herbst will die Bauherrin Stiftung Abendrot ihre Baueingabe machen. Geplant sind Wohnungen für Studierende und Spitalpersonal.

Doch das Projekt verzögert sich: Vergangenen Herbst schrieb die Stiftung Abendrot noch, im Frühling 2015 sollten in der Binz die Bagger auffahren. Inzwischen gibt Christian Geser von der Stiftung Abendrot auf Anfrage als Zeitpunkt des Baubeginns den Winter 2015/16 an.

Und Zürichs nächste grosse Brache kommt ganz bestimmt: Bereits im Jahr 2020 wird die Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse abgestellt. Was nachher dort entstehen soll, ist noch offen, heisst es bei Entsorgung und Recycling Zürich. Wobei die Beispiele Binz, Hardturm und Güterbahnhof zeigen: Entsorgen geht deutlich schneller als recyceln.