Manifesta

Die Manifesta 2016 findet auf dem Zürichsee statt

Der Pavillon of Reflections im See beim Bellevue wird ein Zentrum der Kunstausstellung Manifesta, die ab Juni 2016 in Zürich stattfindet. ETH Studio Emerson/zvg

Der Pavillon of Reflections im See beim Bellevue wird ein Zentrum der Kunstausstellung Manifesta, die ab Juni 2016 in Zürich stattfindet. ETH Studio Emerson/zvg

Manifesta 11: Die Kunstbiennale wird 2016 in Zürich stattfinden. Eine Ausstellung der ziemlich anderen Art entwickelt sich

Küsschen hier, Küsschen da, hallo Kunstszene: Grossandrang herrschte gestern im Seebad Enge, als die Macher der Manifesta 11 ihre Pläne für die Kunstbiennale präsentierten, die ab Juni 2016 während 100 Tagen in Zürich stattfindet. Der Ort der Medienkonferenz war mit Bedacht gewählt. Einer der Hauptausstellungsorte der Manifesta wird nämlich ein eigens erstellter Pavillon im Zürichsee beim Bellevue sein. Hier kommt zusammen, was sich schon jetzt im Rahmen der Manifesta in der ganzen Stadt anbahnt. «Es wird eine schrecklich komplizierte Ausstellung», warnte augenzwinkernd Kurator Christian Jankowski. «What people do for money: Some joint ventures» lautet der Titel. Frei übersetzt: «Was Leute für Geld tun: einige gemeinsame Wagnisse.»

Jankowskis Konzept sieht vor, dass von ihm ausgewählte Künstler in Zürich mit Berufsleuten aller Art zusammenkommen. Aus den Begegnungen soll etwas Neues entstehen, das dann an der Manifesta präsentiert und dokumentiert wird. So hat der US-Künstler John Arnold den Koch Fabian Spiquel vom Zürcher Edelrestaurant «Maison Manesse» als Partner für sein Projekt «Imbissies». Spiquel interpretiert Gerichte von Imbissbuden neu. Die kulinarischen Resultate sollen dann Botschaftspersonal der Länder vorgesetzt werden, aus denen die Imbissbuden-Gerichte ursprünglich stammen. Die Idee dazu entsprang laut Arnold einem Wortspiel: Imbiss und Embassy (Englisch für: Botschaft) ergeben zusammen die Imbissies. Durch das Teilen einer Mahlzeit sollen Brücken zwischen diversen gesellschaftlichen Ebenen geschlagen werden und eine «neue Form der multilateralen Diplomatie» entstehen.

«Es wird eine schrecklich komplizierte Ausstellung.» Christian Jankowski, Kurator der Manifesta 11

«Es wird eine schrecklich komplizierte Ausstellung.» Christian Jankowski, Kurator der Manifesta 11

Dies nur ein Beispiel von 35 Neuproduktionen, die für die Manifesta in Zürich entstehen. Weitere Begegnungen von Künstlern finden mit Feuerwehrleuten, Prostituierten, Polizisten oder einem Mitarbeiter der Kläranlage Werdhölzli statt, um einige weitere Beispiele zu nennen.

Begleitet und auf Film dokumentiert werden die 35 Produktionen von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste. Die Filme sind dann während der Manifesta abends auf der Ausstellungsplattform im See zu sehen. Sie trägt den Namen «Pavillon of Reflections», wird über einen Steg erreichbar sein und tagsüber auch als Badeanstalt und Begegnungsort nutzbar sein. Ursprünglich wollte Jankowski den Pavillon mitten im See platzieren, «doch das wäre zu kompliziert geworden», sagte er.

Weitere Ausstellungsorte der Manifesta werden Kunstinstitutionen wie das Löwenbräu-Areal, das Helmhaus und das Cabaret Voltaire sein. Letzteres wird nicht zuletzt im Rahmen des nächstes Jahr anstehenden 100. Geburtstag des Dadaismus einbezogen.

Cabaret Voltaire als Zunfthaus

Auch für das Cabaret Voltaire hat sich Jankowski, der sich vor seiner Manifesta-Kuratorenzeit als Aktionskünstler einen Namen gemacht hat, etwas Spezielles ausgedacht. Die Geburtsstätte des Dadaismus in der Zürcher Altstadt soll während der Manifesta zu einer Art Zunfthaus für Künstler werden: Nur wer ein Konzept für eine künstlerische Performance einreicht, vielleicht auch einfach eine Gesangsdarbietung, erhält Zugang.

Zudem sind Manifestationen der Manifesta in Räumen angedacht, die sich aus den Begegnungen von Künstlern und Berufsleuten ergeben: etwa eine Zahnarztpraxis oder das Museum der Kantonspolizei. Auch ein Hundesalon macht mit.

Die Manifesta wird seit 1993 alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt durchgeführt. Letzter Austragungsort war St. Petersburg, nächster nach Zürich wird Palermo sein.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1