Bahnverkehr
Die Kunst des Fahrplanwechsels: was sich am 13. Dezember ändert

Der grösste Fahrplanwechsel seit ZVV-Beginn bringt dem Limmattal die S19

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Ab 13. Dezember gibts zwischen Dietikon und Effretikon eine neue S-Bahnlinie – eine von zahlreichen Neuerungen, auf die sich die Fahrgäste einstellen dürfen. key

Ab 13. Dezember gibts zwischen Dietikon und Effretikon eine neue S-Bahnlinie – eine von zahlreichen Neuerungen, auf die sich die Fahrgäste einstellen dürfen. key

Keystone

Die Kunst des Fahrplanwechsels besteht laut Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, in der Kommunikation zum richtigen Zeitpunkt. Ausführlich kommunizierten Vertreter der SBB und des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) daher gestern, was in einem Monat auf die Fahrgäste zukommt. «Es ist der grösste Fahrplanwechsel seit Beginn des ZVV vor 25 Jahren», sagte ZVV-Direktor Franz Kagerbauer. Möglich macht ihn die Eröffnung der Durchmesserlinie. Ab 13. Dezember verkehren auch Fernverkehrszüge durch den 2014 eröffneten Bahnhof Löwenstrasse unter dem Hauptbahnhof Zürich. Daraus ergeben sich wiederum für den S-Bahnverkehr im Raum Zürich diverse Neuerungen:

Das Limmattal erhält mit der S 19 von Montag bis Freitag eine zusätzliche S-Bahn. Sie fährt im Halbstundentakt zwischen Dietikon und Effretikon, um die S 3 zu entlasten. In den Hauptverkehrszeiten wird die S 19 auf die Strecke Koblenz-Pfäffikon ZH verlängert. Im Limmattal hält sie an den Bahnhöfen Dietikon und Altstetten. Die S 19 verbindet die boomenden Wohn- und Arbeitsplatzgebiete Limmattal und Zürich Nord/Glattal: Sie hält auch in Oerlikon, Wallisellen und Dietlikon.

Eine neue S-Bahn, die S 21, gibts auch zwischen Zürich Hauptbahnhof und Regensdorf, ebenfalls nur werktags und zu den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt. Zusammen mit der S 6 ergibt sich so zwischen Regensdorf und Zürich HB neu ein Viertelstundentakt.

Ebenfalls zum Viertelstundentakt kommt es auf der Strecke Oberglatt-Zürich HB. Möglich wird dies, da die S 15 neu das Wehntal mit dem Zürcher Oberland verbindet und die S 9 neu von Uster via HB, Oberglatt und Bülach nach Schaffhausen fährt.

Teurere Tickets ab Ende 2016

Die Ticketpreise im ZVV bleiben mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember dieses Jahres noch unverändert. Eine Preiserhöhung ist aber ein Jahr später vorgesehen: «Im Dezember 2016 kommt der nächste Aufschlag», sagte ZVV-Chef Franz Kagerbauer gestern auf Anfrage. Wie stark die Ticketpreise dann steigen, sei noch offen. «Mitte nächsten Jahres wird es sich klären», ergänzte Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr. Hintergrund der anstehenden Preiserhöhung ist laut Kagerbauer die angespannte Finanzlage des Kantons Zürich. Dieser deckt aktuell das Defizit des ZVV mit 350 Millionen Franken pro Jahr ab. Der Druck, die Subventionen zu kürzen, sei spürbar, so Kagerbauer. (mts)

Durchs Knonaueramt verkehren neu die S 5 von Zug via Birmensdorf, Urdorf und Zürich HB ins Zürcher Oberland sowie die S 14 von Affoltern am Albis nach Hinwil. Die S 5 wird neu zu den Hauptverkehrszeiten mit längeren Zügen bestückt. Wermutstropfen für das Säuliamt: Direktverbindungen mit den Bahnhöfen Hardbrücke, Stadelhofen und Stettbach gibts nur noch im Halbstundentakt.

Eine zumindest dem Namen nach neue S-Bahn rollt zwischen Zürich HB und Winterthur an: die S 23. Es handelt sich aber lediglich um eine neue Bezeichnung bisheriger Zusatzzüge zwischen Zürich und Winterthur. Mehr Platz gibt es auf dieser Strecke laut Kagerbauer durch den Einsatz von Doppelstockzügen.

Zwar keine S-Bahn, aber fürs Limmattal ebenfalls relevant: Der Flugzug von Basel zum Flughafen Zürich verkehrt neu via Zürich HB. Seine Fahrzeit verlängert sich dadurch um bis zu elf Minuten ab den einzelnen Halteorten.

Die Änderungen im Limmattal nach Fahrplanwechsel
6 Bilder
Die Aenderungen im Bezirk Dietikon
Die S19 ist die neue S Bahn im Limmattal
ZVV Plan Kanton Zürich
Mit der S19 kommt eine neue S Bahn ins Limmattal
Wechsel im Knonauer Amt

Die Änderungen im Limmattal nach Fahrplanwechsel

Keystone

Die Änderungen im S-Bahnnetz wirken sich auch auf die Busfahrpläne aus. «Gewachsene Strukturen werden gesprengt, vor allem in Regionen, wo das Postauto fährt», sagte Kagerbauer. Ein Grossteil der Busse im ZVV-Gebiet erhält neue Fahrpläne. «Sie werden so eingerichtet, dass genügend Pufferzeit vorhanden ist, um die Anschlüsse sicher zu erwischen», so der ZVV-Chef weiter. Er empfiehlt den Fahrgästen, online die neuen Fahrpläne zu beachten, die seit gestern aufgeschaltet sind. Mit E-Mails, Infoständen und weiteren Werbeaktionen werde der ZVV die Kundschaft darüber hinaus gezielt über die Neuerungen informieren. Neu kommen übrigens ab 13. Dezember auf sämtlichen Zürcher S-Bahnlinien Züge mit Niedrigflureinstieg zum Einsatz. Doppeltstockzüge der ersten Generation werden mit Niedrigflureinstiegs-Waggons ergänzt.

«Wir sind am Anschlag»

Die Änderungen im ZVV-Netz sind Bestandteil der vierten Teilergänzung der Zürcher S-Bahn seit deren Gründung 1990. Der Kantonsrat hatte dafür im Jahr 2010 die Summe von 340 Millionen Franken bewilligt. Auch Nachbarkantone und der Bund beteiligen sich daran. Hintergrund ist die Verdreifachung der Passagierzahlen seit dem ZVV-Start. «Wir sind am Anschlag», sagte Kagerbauer und fügte an: «Mit diesem Ausbau haben wir wieder genug Luft im System, sodass die Pünktlichkeit verbessert werden kann.»