Zürich
Die Kreise 4 und 5 sind miteinander verbunden – über eine neue Tramstrecke

Seit 26 Monaten wird an der 130-Millionen-Franken-Baustelle gearbeitet – mit dem Gleisanschluss ist nun die letzte Etappe des Mammutprojekts angebrochen

Lina Giusto
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Die letzte Meile der Baustelle Hardbrücke ist angebrochen
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Der Kreis 4 und 5 sind nun über die Tramlinie acht miteinander verbunden. Blick von der Pfingstweidrampe in Richtung Tramhaltestelle Schiffbau.
Währenddessen wird bei der Einfahrt auf den rechten Fahrstreifen noch fleissig weiter gebaut.
Die Treppe zum Maag-Areal gehört ebenfalls zur letzten Bauetappe.
Nach wie vor ist die Hardbrücke ein kleines Labyrinth. Doch sind die Fuss- und Veloweg schon deutlich übersichtlicher.
Währenddessen stehen Pendler auf der anderen Strassenseite bereits im Schärmen. Am Boden sind die neuen Lichtampeln für Velofahrer und Fussgänger ersichtlich.
Beim Abgang zum S-Bahnhof unter der Brücke nimmt der Kreisel langsam Formen an.
Die Überdachung beim rechten Fahrstreifen befindet sich derzeit im Aufbau.

Die letzte Meile der Baustelle Hardbrücke ist angebrochen

Lina Giusto

Wer über die Hardbrücke mit dem Bus zur Arbeit fährt, kannte die sich seit nun mehr als zwei Jahren laufend verschiebenden Bushaltestellen – besonders im Bereich des S-Bahnhofes Hardbrücke. Für Fussgänger und Velofahrer glichen die Wege über die Brücke einem ausgeschilderten Labyrinth, das sich immer wieder aufs Neue veränderte. Wer mit dem Auto unterwegs ist, der hat sich vielleicht schon an den seit März beidseitig eingeschränkten Verkehr und Stau auf der Brücke gewöhnt. Die beiden Geroldrampen sind für Motorfahrzeuge seither gesperrt. Umfahrungen in beiden Fahrtrichtungen führen über die Duttweilerbrücke.

Die gelben Lichtreihen sind parallel zur Fahrbahn angebracht und zeigen dem Velofahrer seinen Durchfahrtskorridor an. Der Wartebereich für öV-Pendler befindet sich ausserhalb der Signalisation.
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Rund 10 Sekunden vor der Einfahrt des Buses oder des Trams wird den Pendlern angezeigt, wo das Gefährt genau hält.
Wenn die kürzeren und quer zur Fahrbahn stehenden Lampenbänder in orange aufleuchten, beginnt die Ein- respektive Ausstiegsphase für Bus- oder Trampendler.

Die gelben Lichtreihen sind parallel zur Fahrbahn angebracht und zeigen dem Velofahrer seinen Durchfahrtskorridor an. Der Wartebereich für öV-Pendler befindet sich ausserhalb der Signalisation.

Dienstabteilung für Verkehr der Stadt Zürich

Doch etwas ist neu an diesem Morgen: Auf der Pfingstweidrampe, die auf die rechte Fahrspur der Hardbrücke führt, sind Tramgleise in den Boden eingelassen. Die Strasse ist geteert. Künftig wird hier die Tramlinie 8 die beiden Stadtkreise Aussersihl und Zürich-West miteinander verbinden. Neben dem Tram steht die Auffahrt künftig auch dem Fussgänger- und Veloverkehr offen.

Bodenampeln sind eine Neuheit

Weil sich Fussgänger und Velofahrer auf der 70 Meter langen Hardbrücke-Haltestelle den Warte- und Fahrbereich teilen, testet die Dienstabteilung für Verkehr der Stadt Zürich ab September Bodenampeln. Diese Art der Signalisation, die man bei Mischverkehre, respektive Shared Space einsetzt, ist neu in der Schweiz. Sie ist nach dem Vorbild von Kopenhagen übernommen worden.

Die Signalisation zeigt mit gelben Lichtern den Durchgang für Velofahrer und mit orangen Lichtern den Ein- bzw. Ausstieg in Bus oder Tram auf der Hardbrücke an. Zwei Lampenreihen im Boden verlaufen parallel zur Fahrbahn. Wenn diese gelb leuchten, bilden sie für den Velofahrer eine Art Durchgangskorridor. Der Wartebereich für Pendler befindet sich ausserhalb des gelb erleuchteten Kanals. Zwischen den beiden Lampenreihen sind im rechten Winkel rund vier kürzere Lampenbänder im Boden eingelassen. Sobald der Bus kommt, erleuchten die Lampenbänder, die quer zur Velofahrtrichtung stehen, in orange. Nun haben ein- und aussteigende Bus- oder Trampendler Vortritt.

Das Mischverkehr-System auf der Hardbrücke soll ab Dezember zusammen mit der Tramlinie 8 seinen definitiven Betrieb aufnehmen. Die Dienstabteilung für Verkehr ist zuversichtlich, dass die Bodenampeln die Verkehrssicherheit sowie dessen Ablauf auf der Hardbrücke verbessern werden. Anders beurteilt Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo, den Mischverkehr als unsicher, obwohl bei der tiefen Geschwindigkeit kaum Unfälle geschehen dürften. Deshalb schlägt Durner eine andere Verkehrsregelung auf der Hardbrücke vor: «Die einzige Möglichkeit, die ohne grosse bauliche Massnahmen möglich wäre, sehen wir in der Sperrung von Spuren für den Autoverkehr. Das ist jedoch politisch kaum umsetzbar.» (GIU)

Die Gleise münden von der Rampe in zwei Richtungen in den Knoten Hard- und Pfingstweidstrasse ein. Nahtlos. So als hätten sie das schon immer getan. Links geht es zur Toni-Areal-Haltestelle, geradeaus und in Sichtweite befindet sich die Haltestelle Schiffbau.

Bauen, wenn der Verkehr rollt

Der Gleisanschluss über die Rampe hinauf zur Hardbrücke, erfolgte erst vor wenigen Tagen. Wie die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mitteilen, wurden die für den Anschluss benötigten Gleise und Weichen in einem Tag angeliefert, mit einem Kran in Position gebracht, von etwa einem Dutzend Bauarbeitern verlegt, angeschlossen und vergossen.

Oliver Gfeller von der Kommunikation der VBZ sagt: «Eine Herausforderung während des Einbaus der Gleise zum Pfingstweidanschluss war, dass der Verkehr unterhalb der Hardbrücke uneingeschränkt weiter rollte.» Zusätzlich hätte das Industriegleis der SBB für die Getreidelieferungen zum Swissmill-Gebäude an der Limmatstrasse jederzeit in Betrieb bleiben müssen.

Mit der neuen Tramstrecke über einen Teil der Hardbrücke verbindet die Linie 8, die Kreise 4, 5 und 10. Ab Dezember verkehrt die Tramlinie über den Escher-Wyss-Platz bis zum Werdhölzli.
Damit ist die letzte Etappe 130-Millionen-Franken-Baustelle angebrochen. In den nächsten Monaten werden der Hardplatz im Kreis 4 fertiggestellt, Fahrleitungen angebracht und der westliche Brückenbau abgeschlossen. Überdachte Bushaltestellen beim S-Bahnhof sowie die Treppe, die direkt zum Maag-Areal führt, sollen in den kommenden Wochen in Betrieb genommen werden.

Während auf der Brücke rege weitergearbeitet wird, ist darunter weitestgehend Ruhe eingekehrt. Kurz vor dem Abgang zu den S-Bahngleisen arbeiten ein paar Bauarbeiter am bereits erkennbaren Kreisel. Die Fussgänger- und Velowege sind weitestgehend von Abschrankungen befreit. Lediglich in Richtung Tramhaltestelle Schiffbau zeugen noch ein paar kleinere Absperrungen vom Mammutprojekt zwischen dem Kreis 4 und 5.