Schädling
Die kleinen Biester sind auf dem Vormarsch

Schädling Bettwanzen breiten sich stark aus – oft werden sie im Reisegepäck mitgebracht.

Heinz Zürcher
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smuay - Fotolia

Die Bettwanze ist kaum zu fassen. Erst wenn sich der Mensch schlafen gelegt hat, kriecht sie aus ihrem Versteck und krabbelt über Knöchel, Arm oder Nacken, um mit ihrem Rüssel durch die Haut zu dringen und bis zu 15 Minuten lang Blut abzusaugen. Den Stich nimmt man nicht wahr. Bis man aufwacht, hat sich das – vollgesogen bis zu einem Zentimeter lange – Biest längst in eine Ritze zurückgezogen.

Normalerweise reagiert die Haut erst Stunden oder Tage später auf den Stich, manchmal ist gar nichts erkennbar. Unangenehm ist die Vorstellung der nächtlichen Attacke allemal. Die angeschwollenen Pusteln jucken einen meist über mehrere Tage.

Anzeichen für Bettwanzen: Kotspuren und Stiche

Bettwanzen halten sich vor allem in Schlafzimmern auf. Tagsüber verstecken sie sich in Ritzen des Bettgestells und anderer Möbel sowie hinter Abdeckleisten oder Bildern. Typische Anzeichen eines Befalls sind Kotspuren – kleine schwarze Punkte auf der Matratze oder am Bettgestell – sowie juckende Stiche am Körper. Sicherheitshalber wendet man sich an einen Schädlingsbekämpfer mit eidgenössischem Fachausweis (www.fsd-vss.ch). Auf Reisen gilt: Das Zimmer auf Bettwanzen absuchen, indem man Matratze, Überzüge, Bettgestell, Schubladen und Fussleisten unter die Lupe nimmt. Wird man gestochen, sollte man nach der Heimreise das Gepäck im Freien auspacken, Kleider mit 60 oder zweimal 40 Grad waschen und den Koffer mit einem Insektizidspray behandeln. (hz)

Ob Hütte oder Luxushotel

Wer glaubt, die Tierchen würden einen nur im schäbigen Backpacker einer Grossstadt belästigen, der irrt. Bettwanzen fühlen sich fast überall wohl – auch bei uns. Die Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung – eine Abteilung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Stadt Zürich und landesweit die einzige Anlaufstelle dieser Art – stellt eine massive Zunahme fest. 1994 bis 2005 erhielt sie noch rund 20 Meldungen pro Jahr. Seither ist die Zahl stetig gestiegen: 2015 wurden der Fachstelle in und um Zürich 118 Fälle gemeldet. «Und das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Gabi Müller, Leiterin der Beratungsstelle. «Es werden uns ja nicht alle Fälle gemeldet. Wer das Problem schon kennt, wendet sich gleich direkt an einen Schädlingsbekämpfer.»

Ein Befall kann jeden treffen und hat nichts mit Hygiene zu tun. Bekannt ist, dass Länder wie die USA und Australien Probleme mit Bettwanzen haben. Sie sind aber auch in der Schweiz weit verbreitet und können einem in einer Lagerhütte genauso begegnen wie in einem Luxushotel.

Mit ein Grund für die weltweite Ausbreitung ist laut Gabi Müller die zunehmende Reisetätigkeit. Wer nicht aufpasst, nimmt die Plagegeister im Gepäck mit nach Hause. Es könnte sich deshalb lohnen, beim Beziehen einer fremden Unterkunft ein paar Vorkehrungen zu treffen (siehe Kasten).

Da hilft nur der Profi

Sind die Wanzen einmal in den eigenen vier Wänden, wird man sie nicht mehr so schnell los. Dann kann nur noch ein Schädlingsbekämpfer helfen. Der bedient sich in der Regel zweier Methoden. Bei der Wärmebehandlung wird das Zimmer abgedichtet und auf 60 Grad erhitzt: 48 Stunden lang, bis alle Tiere getötet sind. Alternativ ist die Bekämpfung mit Insektiziden möglich. Dabei werden mindestens zwei Behandlungen über einen Zeitraum von zwei Wochen nötig. So oder so fallen Kosten zwischen 1200 und 1500 Franken an.

Gabi Müller rät Betroffenen dringend davon ab, selber zum Insektenspray zu greifen. «Da Bettwanzen nachtaktiv sind, erwischt man sie kaum. Schlimmer noch: Das Insektizid vertreibt die Tiere in benachbarte Räume und Wohnungen.»