Katholiken im Kanton Zürich
Die katholische Kirche im Kanton Zürich: Am Anfang war Dietikon

Ein neues Buch zeichnet die bewegte Geschichte der katholischen Kirche im ursprünglich reformierten Kanton Zürich nach. Entstanden ist es zum Abschluss des 50-Jahr-Jubiläums der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von 1963.

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Ein Blick auf das Zentrum Dietikons, geprägt von der katholischen St. Agatha Kirche. (Archiv)

Ein Blick auf das Zentrum Dietikons, geprägt von der katholischen St. Agatha Kirche. (Archiv)

jk

Das Buch mit dem Titel "Katholiken im Kanton Zürich - eingewandert, anerkannt, gefordert" setzt 1798 ein: Es ist eine Zeit des Umbruchs, der Neugestaltung. 1803 werden die katholischen Gemeinden Dietikon und Rheinau dem bis dahin rein reformierten Kanton Zürich zugeschlagen.

Die liberalen Umwälzungen im 19. Jahrhundert bringen die Zuwanderung von Akademikern, Handwerkern, Arbeitern und Dienstboten aus katholischen Gegenden mit sich. Die erste Bundesverfassung von 1848 schreibt die Niederlassungs- und Kultusfreiheit fest.

Im Kanton Zürich bringt das "Katholikengesetz" von 1863 die Voraussetzungen für den Ausbau der Seelsorge in Zusammenarbeit von staatlichen und kirchlichen Behörden. Allerdings kommt es schon 1871 als Folge des Unfehlbarkeitsdogmas des Konzils zu einer Entfremdung zwischen Befürwortern einer kirchlichen Hierarchie und Verfechtern einer verstärkten Laienmitsprache.

Soziales Engagement

Während der beiden Weltkriege und in der Zwischenkriegszeit ist die Kirche stark sozial tätig - ein Muss, will sie die Arbeiter nicht an die sozialistischen Organisationen verlieren.

Nach 1945 nimmt die Zuwanderung erneut zu - die Menschen kommen aus immer entfernteren Ländern, immer mehr von ihnen sind katholisch. Viele Gemeinden im Grossraum Zürich müssen kirchliche Infrastrukturen aufbauen. Heute gibt es rund 20 fremdsprachige Missionen im Kanton.

Schliesslich sagen am 7. Juli 1963 die Stimmberechtigten Ja zu einer Änderung der Kantonsverfassung - die katholische Kirche erlangt öffentlich-rechtliche Anerkennung. Sie bekommt ein Kirchengesetz und kann nun auf Kirchensteuern zurückgreifen.

1983, 20 Jahre nach der Anerkennung, wird die Synode - das Kirchenparlament - eingeführt und damit der Aufbau der staatskirchlichen Gremien konsequent weitergeführt. Seit 2006 treten Körperschaft und Generalvikariat gemeinsam als "Katholische Kirche im Kanton Zürich" auf, die offen auf die Menschen zugeht.

Fast 300 Seiten

Die Autoren Alfred Borter, Urban Fink, Max Stierlin und René Zihlmann haben den Text bewusst knapp gehalten. Die optisch kenntlich gemachten Entwicklungslinien dienen als Roter Faden. Lebendig wird die Geschichte durch Gespräche mit vielen Zeitzeugen, aber auch durch zahlreiche Bilder, Grafiken und Dokumente.

Entstanden ist ein attraktives Werk zum Nachschlagen und Stöbern, geprägt von ökumenischer Offenheit. Auf gegen 300 Seiten, aufgeteilt in drei Teile und knapp ein Dutzend Kapitel, erfahren Interessierte viel Wissenswertes über die Anfänge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich - eine eindeutige Einwandererkirche - bis zum Jubiläumsjahr 2013.