Die Kapo steht jetzt unter Strom

Die Zürcher Kantonspolizei testet einen elektrisch betriebenen Streifenwagen – es ist bewusst kein Tesla.

Michael Graf
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Einen solchen Audi E-Tron nennt die Kantonspolizei Zürich nun ihr Eigen.

Einen solchen Audi E-Tron nennt die Kantonspolizei Zürich nun ihr Eigen.

Bild: Marc Dahinden

Die Kantonspolizei Basel-Stadt war vorgeprescht und hatte sich zum Gespött gemacht. Der stolz angekündigte Polizei-Tesla kam monatelang nicht zum Einsatz und war das Sujet vieler Fasnachts-Schnitzelbänke.

Die Kantonspolizei Zürich will es da im Vergleich besser machen. Das Elektrofahrzeug, das sie gestern vorgestellt hat, sei das Resultat einer gründlichen Evaluation und Teil einer langjährigen Mobilitätsstrategie, sagte Thomas Würgler. Der Kommandant der Kantonspolizei war für den Medientermin zum Verkehrspolizeistützpunkt in Winterthur Rosenberg gekommen.

Der Testwagen ist ein teurer Audi E-tron

Knapp 100000 Franken kostet der Audi E-tron55 Quattro ab Werk. Er ist damit deut- lich teurer als der Zürcher ­Standardstreifenwagen, der BMW 5. Dafür verfügt er über einen Vierradantrieb, ein irres Drehmoment von 664 Newtonmetern und das Äquivalent von über 400 PS. So schnell fährt da kein Ganove davon. Dazu kommen viele technische Finessen. So hat der Elektro-SUV keine Rückspiegel, sondern Kameras, die das Bild auf kleine Displays in der Tür übertragen.

Gegen einen Tesla als Polizeiwagen sprachen für die Zürcher vor allem zwei Gründe. Erstens überträgt dieser standardmässig alles, was im Innenraum gesprochen wird, an die amerikanische Zentrale. Aus Datenschutzgründen ein No-Go.

Und zweitens fehlt der sogenannte CAN-Bus, ein standardisierter Anschluss, über den sonst fast alle Personenwagen verfügen. Darüber steuert die Polizei zum Beispiel den Blaulichtbalken auf dem Dach oder die Punktematrix im Kofferraumfenster an.

Die Polizeiausstattung, inklusive Funksystem und allen Kofferraumausbauten, hat die Polizei am elektrischen Testwagen selbst vorgenommen.

Der Elektrobolide hat sogar eine Anhängerkupplung. Falls die Seepolizei ihn mal ausleihen will oder man einen leichten Anhänger mit Signalisationselementen mitnehmen will, um einen grösseren Unfall abzusperren. Zu viel Anhängelast darf es nicht sein, denn das Leergewicht liegt schon bei über 2,6 Tonnen.

Der Audi ist ein Testfahrzeug. Drei Dinge will die ­Kantonspolizei durch ihn herausfinden: Wie teuer ist das Elektrofahrzeug im Betrieb? Wie bewährt es sich im Polizeialltag? Und wie lange ist die Lebensdauer der Batterie? Die Erwartung für einen Streifenwagen sind 400000 Kilometer Fahrleistung über eine Einsatzdauer von etwa zehn Jahren. So lange werde die Kantonspolizei aber nicht zuwarten, bis sie über die Anschaffung weiterer Elek­trofahrzeuge entscheidet. «Wir werden sicher schon nach einem Jahr erste Erkenntnisse darüber haben, wie sich das Fahrzeug bewährt», sagte Roger Bührer, Chef der Logistikabteilung.

Der Wagen kommt auf den Stützpunkt in Urdorf

In Winterthur wurde das Fahrzeug zwar präsentiert, doch dort wird man den Elektro-SUV selten sehen. Er kommt am Stützpunkt Urdorf zum Einsatz, weil es dort viel Autobahn abzudecken gilt, und die Polizei mit dem Testfahrzeug folglich viele Fahrkilometer abspulen kann.

Die Reichweite gibt Audi mit etwas über 400 Kilometer an; ein voller Ladezyklus dauert vier bis fünf Stunden. Von den 650 Polizeiautos der Kapo sind aktuell über 80 mit alternativen Antrieben unterwegs, darunter viele Hybridfahrzeuge und 23 mit Erdgas. Bis Ende Jahr soll der Anteil alternativer Antriebe bis auf 18 Prozent steigen, sagt Bührer. Elektrofahrzeuge setzt die Kantonspolizei seit 2015 ein – für Personentransporte und auf dem Flughafengelände.

Nun schafft es erstmals ein E-Auto in die Königsklasse: als vollwertiges Patrouillenfahrzeug mit Blaulicht im (Zier-)Kühlergrill und eichbarem Geschwindigkeitsmesser, bedienbar übers grosse Mitteldisplay.