Am Anfang war ein tödlicher Vorfall: Drei Pitbulls fielen Ende 2005 in Oberglatt über einen sechsjährigen Buben her. Er starb. In der Folge erliess der Kanton Zürich eines der schärfsten Hundegesetze der Schweiz: Er verbot die Haltung von Kampfhunden respektive Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial. Und er führte für Halter von grossen, massigen Hunden eine Kurspflicht ein. 2010 trat das verschärfte Zürcher Hundegesetz in Kraft. Am 10. Februar wird nun über die Abschaffung der Hundekurspflicht im Kanton Zürich abgestimmt.

Der Hintergrund: Letztes Jahr beschloss die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat, die Kurspflicht wieder abzuschaffen. Die Zahl der Bissvorfälle sei seit der Einführung der Kurspflicht nicht zurückgegangen, argumentierten FDP, SVP und CVP. Gesetzgebung solle sich am Normalfall orientieren, nicht am Extremfall. Und: Hundekurse sollten freiwillig sein, sonst nützten sie nichts. Zudem schaffte auch der Bund seine im Vergleich zum Kanton Zürich weniger umfangreiche Kurspflicht Anfang 2017 ab.

Gegen die Abschaffung der Kantonalzürcher Kurspflicht ergriff die SP das Referendum. Deshalb kommt es nun zur Volksabstimmung. Die Ja-Parole für die Abschaffung der Hundekurspflicht haben die kantonale SVP, FDP und CVP ergriffen. Ein Nein – und damit das Festhalten an der Hundekurspflicht – empfehlen SP, Grüne, GLP, EVP, BDP, EDU und AL. Auch die Sektion Zürich der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, der Zürcher Tierschutz, der Zürcher Hundeverband und die Stiftung für das Tier im Recht stehen für die Hundekurspflicht ein. Ihre Argumente: 60 000 Hunde im Kanton seien zu viele, als dass sich die Halter aus der Verantwortung verabschieden könnten. Die Kurse würden zu einer artgerechten Haltung der Tiere beitragen. Zudem erhöhen sie zumindest das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung, wie eine Studie ergab. Ob sie auch tatsächlich die Sicherheit erhöhen, bleibt vorerst umstritten. Die vom kantonalen Veterinäramt erhobenen Zahlen zu Bissverletzungen lassen keine eindeutige Entwicklung erkennen. Auch der Regierungsrat spricht sich für die Fortsetzung der Hundekurspflicht aus und hat daher die Nein-Parole beschlossen. Falls das Volk es ihm gleich tut, will er die Dauer der Hundehalterkurse verkürzen, die Kurspflicht aber auf alle Hunderassen ausweiten. Heute ist lediglich rund die Hälfte der Hundehalter betroffen.

Fest steht: Die Kurse nutzen Mensch und Hund. Die Menschen fühlen sich sicherer. Und für die Hunde ist es von Vorteil, wenn garantiert ist, dass ihre Halter über artgerechte Haltung Bescheid wissen. Letzteres gilt zwar für alle Tiere. Dennoch ist die Hundekurspflicht sinnvoll. Denn bei Hunden ist das Risiko grösser, dass sie zur tödlichen Gefahr werden.