Statt den Ikea-Flüchtlingshäusern aus Plastikstoffen, die in einem Brandtest der kantonalen Gebäudeversicherung durchgefallen waren, werden nun über die Feiertage in Extraschichten 62 Häuser aus Holzspanplatten bei der Firma Moser Holzbau in Gossau (ZH) gefertigt und in Oerlikon zusammengebaut.

Die in einer Halle offenbar zu gefährlichen «Better Shelters» («bessere Unterstände») sind bereits aus der Halle 9 der Messe Zürich entfernt worden. Die eingebauten Holzfundamente sind hingegen belassen worden; auf diesen werden nun die über das Wochenende entwickelten Holzhäuser gestellt.

Denn die neuen Unterkünfte weisen mit ihrer Grundfläche von 17 Quadratmetern dieselben Masse auf wie jene der abgebauten. «So müssen wir nur die Häuser ersetzen, können aber das ursprüngliche Konzept von A bis Z unverändert beibehalten», sagt Thomas Kunz, Direktor der Asyl Organisation Zürich (AOZ).

Damit sind einerseits die Vorarbeiten und die schon geleisteten Vorinvestitionen nicht verloren. Andererseits ermöglicht dies – wie auch die notwendige Zusatzarbeit über die Feiertage – die doch rasche Inbetriebnahme innerhalb zweier Wochen, wie Kunz erklärt.

Feuer breitet sich langsamer aus

Die neue Lösung ist am Montag von der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) abgenommen worden. Grundsätzlich brennt zwar auch Holz. Doch verläuft gemäss Angaben der GVZ der Brand bei Holzwertstoffen weniger rasch und unter geringerer toxischer Rauchentwicklung, als dies bei einem Realbrandversuch mit dem Ikea-Flüchtlingshaus beobachtet wurde (Ausgabe vom Samstag).

Die Stadt Zürich hat die Halle 9 der Messe Zürich, die als Übergangszentrum für Asylsuchende dienen wird, für ein Jahr gemietet. Bei Bedarf ist der Vertrag um ein Jahr verlängerbar. Die monatlichen Netto-Mietkosten belaufen sich auf 30 780 Franken. Bis zu 250 Personen, jeweils zu viert in einer Hütte, sollen auf den beiden Etagen in der Halle 9 in unmittelbarer Nähe von Hallenstadion und Theater 11 untergebracht werden. Laut Thomas Kunz dürften sich die Asylsuchenden jeweils mehrere Monate im Übergangszentrum aufhalten, bis für sie eine reguläre Wohnung gefunden werden kann.

Kunz geht davon aus, dass vom kantonalen Sozialamt weiterhin «vor allem alleinstehende, erwachsene Männer» zugewiesen werden. Sie dürften hauptsächlich aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und dem Irak stammen. Die zugewiesenen Personen weisen in der Regel zwar den Asylstatus N (Asylbewerber) auf. «Die grosse Mehrheit von ihnen wird aber Schutzstatus erhalten», sagt Kunz.

Deshalb sei die AOZ bestrebt, auch im Übergangszentrum in Oerlikon früh die soziale und berufliche Integration zu fördern. So stehen etwa Deutschkurse auf dem Programm. Zudem erhofft sich Kunz, dass sich spezielle Angebote in Zusammenarbeit mit Freiwilligen, den Gemeinschaftszentren in Zürich Nord oder mit lokalen Vereinen ergeben. «Das muss sich aber noch entwickeln.»

Plan B ist gut, aber teurer

In der Halle 9 werden nun die neuen Hütten aufgebaut. Die Kosten werden sich – inklusive Schichtzulage – auf 3800 Franken pro Stück belaufen. Sie liegen damit mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich veranschlagt. «Es handelt sich um ein Gesamtprojekt», sagt der zuständige Stadtrat Raphael Golta (SP). Die Stadt Zürich müsse ab Januar 780 Asylsuchende mehr betreuen. «Entscheidend ist, dass wir rechtzeitig auf Januar bereit sind und die Wohneinheiten sicher sind.»

Insgesamt sei Plan B nun teurer, doch stelle dieser «eine sehr gute und deshalb vertretbare Lösung» dar. Dass überhaupt in einer Halle Hütten aufgestellt werden, begründen sowohl Golta als auch Kunz mit grundsätzlichen Überlegungen. «In der Messehalle werden 250 Personen nicht nur für ein paar Nächte übernachten, sie wohnen hier jeweils für mehrere Monate», sagt AOZ-Direktor Kunz. Und Sozialvorstand Golta meint: «Es ist sinnvoll und notwendig, dass wir 250 Personen in einem grossen Raum auch Privatsphäre und gewisse Rückzugsmöglichkeiten gewähren.»

Die Probleme mit den Häuschen in der Messehalle, die am Freitag bekannt wurden, haben viele Reaktionen ausgelöst. So haben sich bei der AOZ einerseits Firmen gemeldet, die beispielsweise vorhandene Container zur Verfügung stellen wollten. Angesichts des Termindrucks und der bestehenden Grössenvorstellungen war dies aber keine Lösung. «Aber wir kommen auf diese Angebote gerne zurück», sagt Kunz. Andererseits haben Personen auch Interesse an einem «Better Shelter» bekundet. Die AOZ verzichtet nach dem Brandtest derzeit auf einen Weiterverkauf. Die bereits wieder verpackten Selbstbauhäuschen werden vorerst eingemottet.

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