Sie heissen Bruschetta, Al Dente und Melanzana. Sie wollen mehr Dönerbuden, die Alpen sprengen und rosafarbene Polizeieinheiten. Was sich nach einer italienischen Koch-Equipe mit etwas sonderlichem Humor anhört, sind in Wahrheit die Spitzenkandidaten einer neuen Partei, der es bitter ernst ist: «Die Guten» wollen am 24. März in den Kantonsrat einziehen. Bruschetta und ihre Kameraden mit italienischem Beinamen kandidieren in den Stadtzürcher Kreisen 3 und 9.

Wer steckt hinter «die Guten»? Ihr Logo erinnert stark an dasjenige der SVP, nur, dass nicht eine lachende Sonne auf- sondern ein trauriger Mond untergeht. Der Leitspruch lautet: «Wir sind die erste offizielle gute Partei der Schweiz.» Auf der Online-Wahlhilfe Smartvote beschreibt sich Bruschetta so: «Mir liegt daran, dass mehr Frauen in die Politik gehen. Mit meiner Partei, die den grössten Frauenanteil hat, ist dieser Wunsch schon in nähere Zukunft gerückt.» Bei Parteikollege Al Dente klingt es etwas kryptischer: «Mein Name ist Frau Rosario Johnson. Ich bin eine sterbende Frau, die sich entschieden hatte, dir zu spenden, was ich habe.»

Melanzana klärt auf: «Wir sind eine Gruppe von politisch engagierten Freunden, die vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen haben, ernst zu machen.» Ernst, im dem Sinn, dass man als Partei eben nicht nur zu Hause am Küchentisch, sondern auf kantonaler und sogar nationaler Ebene politisieren wolle. Bei den Nationalratswahlen im Oktober wollen «die Guten» mit einer eigenen Liste antreten.

Weniger ernst aber soll die Art und Weise sein, wie politisiert wird. Melanzana findet nämlich, dass die Schweizer Politik viel zu trocken ist. «Sie ist anstrengend und nicht spannend genug. Darum versuchen wir, das mit Humor aufzulockern.» Insbesondere erhoffe man sich so, politische Themen für jüngere Leute zugänglicher zu machen.

Der Vorstand von «die Guten»

Wie sie politische Dauerbrenner mit Humor auflockern, kann im Parteiprogramm von «die Guten» nachgelesen werden. So stünden sie der Klimaerwärmung angesichts der kalten Winter grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings müsse diese ohne Schadstoffemissionen zu erreichen sein. «Als erster Schritt müssen demnach alle Heizungen mit erneuerbarer Energie betrieben werden, um danach die Erde auf die angestrebte Temperatur zu erwärmen», heisst es in dem Papier. 

Auch gut: Weil der Abstand von einer Dönerbude zur nächsten noch zu gross sei, brauche es mehr Zuwanderung. Oder: Weil Berge zu Patriotismus führten und Patriotismus zu Rechtsextremismus, müssten die Alpen gesprengt werden. Und zuletzt noch der: Weil Rosa erwiesenermassen eine beruhigende Wirkung habe, brauche es rosafarbene Polizeieinheiten.

Rosa Polizisten

Die Forderungen lesen sich wie eine Sammlung von Witzen. Steckt hinter «die Guten» mehr als nur Klamauk? «Die Kernstruktur der Partei ist Satire», sagt Melanzana. Aber man scheue sich nicht davor, klar Stellung zu beziehen. Darum lassen die Botschaften hinter den Forderungen klare Schlüsse auf die Verortung der Partei zu. «Eher links» ist die laut Melanzana. Allerdings habe man auch rechte Mitglieder in der Partei. Al Dente zum Beispiel. Auf der Homepage von «die Guten» beschreibt sich dieser als «Riesen-Nazi».

Al Dente, der rechte Flügel der Partei

Das Miteinander sei in der Politik wichtig, sagt Melanzana. «Dass Al Dente deutlich rechter ist als andere, hilft uns, mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen.» Es sei uninteressant, wenn sich Parteimitglieder ständig selber in ihren Ansichten bestätigen. Viel spannender seien gemeinsame Diskussionen. Gerade hinsichtlich der Kantonsratswahlen sei diese Eigenschaft der Partei eine gute Voraussetzung.

Ihnen gehe es nicht um Sabotage des politischen Betriebs. Sie alle seien sehr engagierte Leute, die einen positiven Beitrag leisten und etwas beitragen wollen. «Wenn wir gewählt werden, dann ziehen wir es durch», ist sich Melanzana sicher.

Aber warum eigentlich die italienischen Beinamen? «Nun, das ist eine lange und komplizierte Geschichte», setzt er an. Die Kurzversion davon sei, dass eine gemeinsame Freundin, Margarita, von ihrem Freund verlassen worden sei. «Als Zeichen der Solidarität haben wir uns dann einen Zusatznamen aus der italienischen Küche angeeignet.» Dieser sei seither geblieben und heute Teil ihres Satire-Programms.