Street Parade
Die Gründer kehren der Street Parade den Rücken

Vor zwanzig Jahren nörgelte der Polizeivorsteher, nun beschweren sich die Vertreter der Clubszene. Ein Zürich ohne Street Parade ist heute jedoch für viele undenkbar.

Matthias Scharrer
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Street Parade 2010: Trotz Regen verzeichneten die Veranstalter 650 000 Teilnehmer. (Foto: Keystone)

Street Parade 2010: Trotz Regen verzeichneten die Veranstalter 650 000 Teilnehmer. (Foto: Keystone)

Limmattaler Zeitung

In einer Woche ist es so weit: 30 Love Mobiles rollen zur 20. Street Parade rund ums Zürcher Seebecken an. Die Parade der elektronischen Musik wird wieder ein Partyvolk von mehreren hunderttausend Menschen nach Zürich locken.

Ihre 20.Ausgabe stellt ein denkwürdiges Jubiläum dar. Denn auch wenn es allmählich in Vergessenheit gerät: Es ist gar nicht so lange her, da sah sich Zürich noch nicht als Partystadt. Die erste Street Parade stellte einen Wendepunkt dar, den die Stadtoberen zunächst nicht wahrhaben wollten. Zuerst musste die Parade weg von der Bahnhofstrasse, dann wollte sie der damalige Polizeivorsteher Robert Neukomm (SP) 1994 gar verbieten. Doch er musste sich dem Druck der Öffentlichkeit beugen.

Der Rest ist Geschichte: Die Techno-Parade wuchs im Laufe der 1990er-Jahre zum Massenphänomen an. Heute gehört sie längst zum Stadtbild. Zürich Tourismus wirbt damit. Stadtpräsidentin Corine Mauch zählte letztes Jahr zu den Parade-Besuchern. Und mit Heinz Spoerlis Zürcher Ballett bekannten sich 2006 auch Vertreter der Hochkultur zur Street Parade.

«Am Clubgescheehn vorbei»

Kritik kommt heute von Vertretern der Zürcher Clubszene. Also von jener Szene, die ihr Erblühen nicht zuletzt der Street Parade verdankt und in der Gründerzeit gleichzeitig deren Nährboden darstellte. «Die Street Parade hängt zu stark in der Vergangenheit fest», monierte Nicola Schneider vom Club Hive kürzlich im Zürcher «Rockstr»-Magazin. «Sie lebt am aktuellen Clubgeschehen vorbei», doppelte San Marco vom Club Frieda’s Büxe nach.

«Die Street Parade ist Mainstream», so das Fazit von Sandro Bohnenblust vom Club Supermarket. Als «sehr kommerzialisiert» bezeichnete sie Schneider, räumte aber ein: «Die Kosten werden zu stark auf die Veranstalter abgewälzt, sodass die Street Parade diesen Sponsoring-geprägten Weg einschlagen musste.» Street-Parade-Präsident Joel Meier, der auch Verleger des «Rockstr»-Magazins ist, sah sich veranlasst, einiges zurechtzurücken: Es stehe der Clubszene frei, sich mit Love Mobiles an der Street Parade zu beteiligen.

Offenbar scheuten aber viele Clubs die damit verbundenen Kosten. «Bei diesem Verhalten der Parade Kommerz vorzuwerfen, ist schon fast heuchlerisch», so Meier weiter. Er verwies darauf, dass der Verein Street Parade nicht profitorientiert ist: «Die Street Parade hat
in all den Jahren kein Geld verdient.» Sein Fazit: «Die Street Parade ist eines der idealistischsten Konzepte, die das Zürcher Nachtleben hervorgebracht hat.»

Szenis rümpfen die Nase

Dass «Szenis» über den «Mainstream» die Nase rümpfen, gehört wohl zu ihrem Selbstverständnis. Dass sich die Street Parade von der Clubszene abkopple, kann man ihr indes nicht vorwerfen. Denn die Street Parade umfasst längst mehr als Lastwagen, von denen fette Bässe dröhnen.

Zum Beispiel die Zürcher Clubbing Stage am Bürkliplatz, wo sich in einer Woche unter anderem Clubs wie das Hive und Frieda’s Büxe mit ihren hauseigenen DJs präsentieren, während auf der Hauptbühne beim Bellevue internationale DJ-Grössen wie Carl Cox und Paul Van Dyk auflegen.