Die Baudirektion erarbeitete deshalb ein Entwicklungskonzept für den Flussabschnitt in den Gemeinden Rümlang und Oberglatt.

Ziel des Konzepts sei es, die verschiedenen Nutzungs- und Schutzansprüche entlang des Flughafens aufeinander abzustimmen, schreibt die Baudirektion in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die involvierten Institutionen und Interessengruppen werden sich in den nächsten Wochen zum Entwurf äussern können.

Der Glattabschnitt in der Flughafenregion ist im kantonalen Richtplan als Fliessgewässer mit hohem Natur-, Erholungs- und Landschaftswert bezeichnet. In der Revision vom vergangenen März wurde der Eintrag ausserdem mit dem Zusatz "revitalisierendes Gewässer" ergänzt.

Als Herausforderungen bezeichnet die Baudirektion deshalb auch die Revitalisierung des Flusses, die Kulturlandsicherung, den Hochwasserschutz sowie die Sicherung ökologischer Ersatzflächen im Zusammenhang mit dem Flughafen.

Kernstück des Entwurfs ist die revitalisierte, in Mäandern fliessende Glatt. Der Flussraum soll künftig geprägt sein durch eine Vielfalt an unterschiedlichen natürlichen Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten, die in der dicht besiedelten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Region selten geworden sind.
Attraktive Nutzungsflächen für Landwirte

Durch die Revitalisierung und die allfälligen Pistenverlängerungen am Flughafen Zürich würden gemäss Baudirektion rund 70 Hektaren intensiv bewirtschaftbares Kulturland verloren gehen. Landwirte, die solche Flächen verlieren, sollen aber im näheren Umkreis gleichwertige Ersatzflächen erhalten.

Verschiedene Wiesen sowie gewisse Uferbereiche würden sich zudem für eine den Naturschutzzielen angepasste landwirtschaftliche Nutzung eignen, die mit Direktzahlungen abgegolten werden könne, schreibt die Baudirektion. Auch die Pflege der neuen Naturschutzflächen stelle für die Landwirtschaft eine zusätzliche Einnahmequelle dar.

Gleichzeitig sieht der Entwurf vor, die Besucherlenkung zu verbessern. So sollen künftig Velosportler und Inline-Skaterinnen auf einem separat geführten Radweg fahren. Fussgängerweg und Erholungsbereiche führen entlang der Glatt und bieten Einblick in die verschiedenen Lebensräume. Andere Gebiete bleiben der Natur vorbehalten.
Widerspruch zwischen Richtplan und SIL

Am Planungsprozess beteiligt waren neben den Behörden auch die Landwirte, Grundeigentümer und andere Interessenvertreter. Das Konzept soll künftig als Grundlage für Planungen und Projekte der kantonalen Behörden dienen.

Mit dem Entwicklungskonzept wird der Kanton jedoch vorerst keine weiteren Umsetzungsarbeiten an die Hand nehmen, wie die Baudirektion schreibt. Denn aufgrund des Kantonsratsentscheids, Pistenverlängerungen aus dem Richtplan zu streichen, bestehe ein Widerspruch zwischen diesem und dem Sachplan Infrastruktur des Bundes (SIL).

Dieser müsse zuerst behoben werden, schreibt die Baudirektion. Ausserdem sei auch noch nicht ganz klar, wie sich die eidgenössische Gewässerschutzverordnung auf das Projekt Landschaftsentwicklung Glattraum auswirken werde. (sda)