Diese Woche stellte er Strategie und Verordnung der Bevölkerung vor – und erhielt erste Rückmeldungen dazu, grösstenteils mit kritischen Anmerkungen.

Der neu gewählte Gemeindepräsident Marco Pezzatti präsentierte zu Beginn die Strategie des Gemeinderats. Zunächst wolle man analysieren, welche Angebote die Ausflügler in Seegräben genau nutzten. «So können wir die verursachten Kosten gemäss Verursacherprinzip präziser verteilen.» Um die Emissionen zu reduzieren, will der Gemeinderat eine neue Veranstaltungsverordnung in Kraft setzen. Weiter will er das Volk in die Entscheide einbeziehen – etwa mit der Abstimmung über die Verordnung, aber auch mit der Vernehmlassungsphase, in der sich das Papier derzeit befindet. Pezzatti verspricht zudem eine offensivere Kommunikation.

Rechtsanwalt Andreas Leu, der die Verordnung mit dem Gemeinderat ausgearbeitet hat, nahm diese anschliessend genauer unter die Lupe. Deren Zweck: «Der Gemeinderat soll mehr Einfluss nehmen können. Es geht darum, einen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu schaffen.» Es habe sich herausgestellt, dass der Passus zu Veranstaltungen in der Polizeiverordnung der Problematik in Seegräben nicht gerecht werde. Leu betonte, dass die Verordnung keine Antwort auf den täglichen Ausflugsverkehr sei. «Vielmehr geht es um Veranstaltungen ausserhalb des Tagesgeschäfts.»

Flexibilität dürfte leiden

Die anschliessende Diskussion offenbarte verschiedene strittige Punkte der Verordnung. Kritisiert wurde zu Beginn, dass die Verordnung keine Anzahl von Veranstaltungen pro Jahr festlege. «Gäbe es diese Einschränkung, so wäre die Diskussion auf einen Schlag beendet», fand ein Seegräbner. Leu entgegnete, dass die Planungssicherheit wohl ein Vorteil sei, darunter aber die Flexibilität leiden würde. «Angenommen, die Jucker Farm gibt Anfang Jahr Anlässe ein, die das ganze Jahrespensum abdecken, so bliebe plötzlich der Weihnachtsmarkt auf der Strecke», so Leu. Ein weiterer Seegräbner regte die Beschränkung auf eine Anzahl Tage an. Leu bezeichnete dies als Mittelweg, der aber dennoch zu wenig Flexibilität ermögliche.

Diverse Fragen drehten sich um die Definition einer Veranstaltung. So wollte jemand wissen, ob Hochzeiten mit mehr als 200 Apérogästen eine Bewilligung benötigen. Es kamen Fragen zu Sonntagsverkäufen der Autoshow im Aatal auf. Jemand wollte wissen, ob bereits eine Aktion bei Otto’s als Veranstaltung gelten könne – was Leu allerdings verneinte. Und Martin Jucker von der Jucker Farm wunderte sich: «Ist ein Kürbisbauer, der Kürbisse ausstellt, ein Veranstalter?» Pezzatti machte die Haltung des Gemeinderats klar: «Aus unserer Sicht ja. Aus Sicht der Jucker Farm nein.» Im Fall des Strohfestivals auf dem Juckerhof ist dieselbe Meinungsverschiedenheit Sache des Bezirksrats.

Eine Frage der Definition,

Martin Jucker zeigte sich generell kritisch gegenüber der Verordnung. «Die brennenden Fragen nimmt sie nicht auf», befand er. «Die Definition einer Veranstaltung ist schwammig. Eine grosse Frage ist auch, wer den Ausflugsverkehr wirklich generiert. Nach unserem Wissen nutzen viele Besucher der Jucker Farm zugleich die öffentlichen Angebote wie Wanderwege und Badi Seegräben.» Einen weiteren Kritikpunkt sieht Jucker in der Tatsache, dass das Bewilligungsverfahren eine Schätzung der zu erwartenden Besucherzahlen fordert. «Woher sollen wir das wissen? Bei schönem Wetter haben wir extrem viele Besucher, bei schlechtem praktisch keine. Wir können das Wetter nicht auf Monate hinaus vorhersagen.»

Gemeindepräsident Pezzatti erwiderte, dass solche Kritikpunkte in den kommenden fünf Wochen in der Vernehmlassung eingebracht werden können. «Der Gemeinderat will die Verordnung nicht erzwingen. Will sie die Bevölkerung nicht, interpretieren wir das als Signal, dass der jetzige Stand für die Mehrheit in Ordnung ist.»