Abfall
Die geheime Herkunft der Winti-Säcke

Winterthurer Gebührensäcke werden irgendwo in Spanien hergestellt, zum Ort wirdgeschwiegen. Hinter der Geheimniskrämerei verbirgt sich ein Konkurrenzkampf in der Abfallbranche, der nun wieder neu aufflammt.

Mirko Plüss
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Winterthurerin und Winterthurer produzieren jährlich 15 000 Tonnen Abfall. (Symbolbild)

Winterthurerin und Winterthurer produzieren jährlich 15 000 Tonnen Abfall. (Symbolbild)

Jede Winterthurerin und jeder Winterthurer entsorgt pro Jahr über 27 Güselsäcke im Einheitsvolumen von 35 Litern. Gesamthaft sind es drei Millionen Säcke oder rund 15 000 Tonnen Abfall. Die schiere Zahl allein in der Stadt Winterthur zeigt: Mit Güsel lässt sich in der Kunststoffverpackungsindustrie Geld verdienen.

Der Markt ist indes hart umkämpft und nur ganz wenige Firmen sind überhaupt noch in der Abfallbranche tätig. Als Branchenriese gilt die St. Galler Firma Petroplast Vinora AG, bei der auch die Abfallsäcke der Limeco hergestellt werden. Eine Mehrheit der Städte und Gemeinden bezieht die Gebührensäcke von dort. Vor einem Jahr ging die Petroplast einen Deal mit dem deutschen Verpackungsriesen Papier-Mettler ein, seither werden die Säcke in Deutschland produziert.

Winterthur bezieht seine Gebührensäcke seit 2010 vom zweitgrössten Player in der Abfallbranche, der Zürcher Firma FO Security. Zehn weitere Städte und Gemeinden gehören zum Kundenkreis. Was bisher nur Insider wussten: Seit letztem Sommer lässt die FO Security in Spanien produzieren. Damals änderten sich auch die Beschaffenheit und der Farbton der Säcke ein wenig.

«Niemand wird bevorzugt, wir entscheiden uns für das beste Angebot für Winterthur.»

Jürg Stünzi, Leiter Entsorgung Stadt Winterthur

Winti-Säcke aus Spanien? FO-Security-Geschäftsleiter Michael Alarcon bestätigt dies. Der spanische Produzent sei ein grosser Player in der Plastikindustrie und beliefere Dutzende Länder auf drei Kontinenten. Dass die Wahl auf Spanien fiel, habe mit dem Preis nichts zu tun. «Vom Preisniveau her ist die Produktion mit jener von Papier-Mettler vergleichbar.» Bei welcher Firma und wo genau produziert wird, verrät Alarcon allerdings nicht und entschuldigt dies mit «wirtschaftlichen Überlegungen».

Gebührenmarkt eng umkämpft

Branchenkenner zeigen sich ob der Geheimniskrämerei nicht überrascht. In einem so engen Marktumfeld sei ein wenig Geheimhaltung ganz natürlich.

Der Konkurrenzkampf zwischen der Petroplast Vinora AG und der FO Security dürfte nun erneut aufflammen – in Winterthur. Vor zwei Wochen hat das Baudepartement die Vergabe für die Herstellung von Gebührensäcken neu ausgeschrieben. Bei der Abteilung Entsorgung rechnet man mit Offerten von beiden Firmen. Man sei sich bewusst, dass der Gebührenmarkt eng umkämpft ist, sagt Entsorgungs-Leiter Jürg Stünzi auf Anfrage. Er will aber vorbehaltlos an den Entscheid herangehen. «Niemand wird bevorzugt, wir entscheiden uns für das beste Angebot für Winterthur.»

Da die Ausschreibung auch einen Preiswettbewerb unter den Anbietern auslösen wird, rechnet Stünzi damit, dass die Versorgung mit Gebührensäcken für die Stadt ab dem kommenden Jahr «ein bisschen billiger» wird. Hinzu kommt, dass der Winti-Sack ab dem 1. Januar 2018 erstmals auch in umliegenden Gemeinden zum Einsatz kommt. Darauf einigte sich im Herbst der sogenannte Sackgebührenverbund.

Für das Portemonnaie der Konsumenten bleibt dies allerdings folgenlos. Der Preis von 1.80 Franken pro 35-Liter-Sack wird vom Winterthurer Gemeinderat festgelegt. Mit den Mehreinnahmen wird unter anderem der Betrieb der Kehrrichtverbrennungsanlage mitfinanziert. Eine Alternative zur ausländischen Produktion hat die Stadt Winterthur übrigens nicht. In der ganzen Schweiz existiert mittlerweile keine einzige Güselsack-Produktionsstätte mehr.