Ein derart deutliches Ergebnis hatte selbst Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) nicht erwartet. Mit einem Anteil von 70 Prozent Nein-Stimmen habe sie gerechnet. 76,4 Prozent waren es am Ende. Keine einzige Gemeinde im Kanton Zürich nahm die von rechtsbürgerlichen Initianten lancierte Vorlage an.

Am ehesten fand sie noch in ländlichen, bürgerlichen Gebieten Sympathien: im Zürcher Oberland und Unterland sowie im Umland von Winterthur. Den höchsten Ja-Anteil verzeichnete Volken mit 42,4 Prozent. Gross war die Ablehnung in den Städten Zürich und Winterthur – am deutlichsten in Seen mit 85,7 Prozent. Der Stimmenanteil lag bei 52,9 Prozent.

Eine schwierige Ausgangslage

Anita Borer vom Initiativkomitee sieht zwei Hauptgründe für das schlechte Abschneiden: «Erstens sind Systemwechsel immer schwierig beim Volk durchzubringen. Zweitens hat die Vorlage wegen No-Billag wenig Aufmerksamkeit bekommen», sagte die SVP-Kantonsrätin aus Uster.

Anders interpretiert Silvia Steiner das Resultat: «Es ist ein Vertrauensbeweis für das Zürcher Bildungssystem», sagte sie. Es zeige, dass es sich bewährt habe, den Bildungsrat damit zu beauftragen, die pädagogischen Leitplanken für den Schulunterricht festzulegen.

Die Initiative verlangte, dass künftig der Kantonsrat über den Lehrplan entscheidet – und im Falle eines Referendums das Volk. Dies hätte laut Steiner zur Folge gehabt, dass Schulinhalte zum Spielball politischer Interessen geworden wären. «Jede kleinste Änderung hätte vom Kantonsrat genehmigt werden müssen – das wäre aufwendig und unnötig gewesen.»

Die Erarbeitung des Lehrplans sei demokratisch genug, sagte Steiner. Die neun Bildungsräte werden vom Kantonsrat gewählt. Lehrpersonen wurden einbezogen und der Entwurf ging mehrfach in die Vernehmlassung. Nach Einwänden von Lehrer- und Gewerbeverbänden wurde er angepasst. Ein Ja zur Vorlage hätte zudem die Schulen und Lehrpersonen verunsichert, sagte die Regierungsrätin.

Denn schon vor der Abstimmung stand fest, dass der neue Lehrplan ab kommenden Schuljahr definitiv eingeführt wird. Er löst jenen aus dem Jahr 1991 ab und wird nicht nur mit neuen Fächern wie «Medien und IT» den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Er hat auch zum Ziel, den Schulunterricht in den deutschsprachigen Kantonen zu vereinheitlichen. Ab kommendem Schuljahr gilt er im Kanton Zürich ab Kindergartenstufe bis 5. Klasse und ab dem Schuljahr 2019/20 in der 6. Klasse und der Sekundarstufe I.

Steiner hofft, dass das Zürcher Resultat Signalwirkung hat. Am Sonntag lehnten die Berner Stimmberechtigten die Volksinitiative «Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!» mit 76,7 Prozent Nein-Stimmen ab. Zuvor waren vergleichbare Vorstösse in den Kantonen Aargau, Appenzell Innerrhoden, Basel Land, Schaffhausen, Solothurn und Thurgau gescheitert.