Prävention
Die Gefahr aus dem Boden: Kanton Zürich misst Radongas-Gehalt in Schulen und Kindergärten

Im Kanton Zürich wird in den nächsten fünf Jahren in allen Schulen die Radonbelastung gemessen. In fünf Prozent der Gebäude dürfte es Massnahmen brauchen.

Thomas Marth
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Durch eine undichte Bodenplatte kann Radongas aufsteigen. Ist dann auch noch die Lüftung ungenügend, ist die Gesundheit in Gefahr. Nun finden in allen Schulen Messungen statt.

Durch eine undichte Bodenplatte kann Radongas aufsteigen. Ist dann auch noch die Lüftung ungenügend, ist die Gesundheit in Gefahr. Nun finden in allen Schulen Messungen statt.

Keystone

Bis anhin hatte sich der Kanton Zürich stets auf den Standpunkt gestellt, dass punktuelle Messungen genügten. Nun werden alle Schulen, Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen im Kanton auf ihre Radonbelastung hin untersucht. Grund dafür ist eine Revision der Strahlenschutzverordnung des Bundes. Neu schreibt sie für Einrichtungen mit Kindern und Jugendlichen bis zu einem Alter von 18 Jahren Messungen vor. In den Zürcher Schulen werden diese über die nächsten fünf Jahre stattfinden, wie das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) gestern mitteilte.

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das natürlicherweise im Boden entsteht. In schlecht gelüfteten Räumen staut es sich und kann – über längere Zeit eingeatmet – zu Lungenkrebs führen. Studien zeigen auf, dass das Gesundheitsrisiko höher ist als lange Zeit angenommen. Der Bund hat daher den Grenzwert deutlich gesenkt von 1000 auf 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft.

Das neu geltende Messobligatorium an Schulen wird im Kanton Zürich bezirksweise umgesetzt, wie einem Faktenblatt der Baudirektion zu entnehmen ist. Noch in diesem Jahr wird damit begonnen in den Bezirken Hinwil, Pfäffikon, Winterthur und Zürich. In den zwei grossen Städten ziehen sich die Messungen aufgrund der grossen Anzahl Gebäude über mehrere Jahre hin. Ab 2019 wird gemessen in den Bezirken Uster und Meilen, ab 2020 in Horgen, Affoltern und Dietikon. Ab 2021 sind dann die Bezirke Dielsdorf, Bülach und Andelfingen an der Reihe.

Vor allem Keller und Parterre betroffen

Als stark radonbelastet gelten etwa Tessin, Graubünden oder Jura. In Zürich halten sich die gemessenen Werte in Grenzen. Jedoch ist man von einer rein geografischen Betrachtung des Problems abgekommen, erklärt Nadia Vogel, Sektionsleiterin Strahlung beim Awel. Bei angepasster Bauweise sei eine Schule oder Wohnung auch in belastetem Gebiet unbedenklich. Umgekehrt könne auch ein Gebäude in einer an sich unproblematischen Zone zur Radonfalle werden. Auslöser kann etwa eine energetische Sanierung sein. Ist die Bodenplatte des Gebäudes nicht dicht, wurde vor der Sanierung das aufsteigende Radon von der Zugluft weggeweht. Sind Fenster und Wände dann isoliert, sammelt sich der gefährliche Stoff an.

Da das Gas aus dem Boden steigt, sind vor allem Keller und Parterre betroffen. Die Messungen haben denn auch in erster Linie im Erdgeschoss stattzufinden. Die Schulgemeinden oder privaten Schulbetreiber haben sie selbst zu veranlassen und zu bezahlen. Es gibt eine Liste mit anerkannten Messstellen.

Messung dauert ein Jahr

Eine Radon-Messung dauert. Es müssen mehrere Dosimeter verteilt werden. Jeder Zerfall eines Alpha-Partikels hinterlässt eine Spur auf einem Plättchen, die Spuren werden gezählt. Da der Grenzwert den Durchschnitt eines Jahres angibt, sollte im Idealfall ein Jahr lang gemessen werden, erklärt Nadia Vogel. Die Messungen kosten je nach Anlage wenige Tausend Franken, schätzt sie.

Sanierungsoptionen gibt es mehrere. Dazu gehören das Abdichten der Bodenplatte mit Folien, das Einbringen eines Radonsammlers samt Entlüftung unter der Platte, das Erzeugen von Überdruck im Haus oder das Installieren einer Zwangsbelüftung.

Es geht um rund 2000 Schulanlagen und bis zu 7000 Gebäude, sagt Vogel. Bei etwa 5 Prozent dürfte eine Sanierung nötig werden. Die Schätzung basiert darauf, dass im Kanton bereits mehrere tausend Gebäude gemessen wurden, darunter eine Reihe von Schulen in belasteteren Gemeinden wie Winterthur, wo auch schon eine grössere Anzahl Sanierungen vorgenommen wurde. Der Grenzwert gilt auch für Wohnungen und Büros. Hier setzt man auf Eigenverantwortung. Bei Neu- und Umbauten wird die Bauherrschaft auf ihre Verpflichtung zu radonsicherem Bauen hingewiesen. Das Awel kann auch eine Messung anordnen.