Leichtathletik-EM 2014 in Zürich
«Die ganze Stadt soll in die EM einbezogen werden»

Pavillons auf dem Sechseläutenplatz, Videos am Opernhaus – das Rahmenprogramm der Leichtathletik-EM 2014 konkretisiert sich. In acht Monaten findet der Grossanlass in Zürich statt, und bereits sind mehr als ein Drittel der Tickets verkauft.

von Matthias Scharrer
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Die meisten EM-Wettkämpfe finden im Letzigrund statt, doch auch ausserhalb des Stadions wird der Grossanlass spürbar sein.mts

Die meisten EM-Wettkämpfe finden im Letzigrund statt, doch auch ausserhalb des Stadions wird der Grossanlass spürbar sein.mts

Ein sportlicher Grossanlass der Extraklasse kommt nach Zürich: Vom 12. bis 17. August 2014 findet vorwiegend im Letzigrund die Leichtathletik-Europameisterschaft statt. Doch nicht nur im Stadion wird die EM spürbar sein: «Die ganze Stadt soll einbezogen werden», sagte Stadtrat Gerold Lauber am Dienstag vor den Medien.

Medaillen-Chocolatier gesucht

Zum Zentrum der EM ausserhalb des Stadions wird der neu gestaltete Sechseläutenplatz: Das «House of Switzerland», das zuvor noch an der Winterolympiade in Sotschi zum Einsatz kommt, wird in der Mitte des Platzes stehen. In dem mobilen Holzbau sind ein Restaurant sowie Räume vorgesehen, in denen sich Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft der Schweiz präsentieren können, wie Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, erklärte.

Darum herum sind verschiedene Pavillons auf dem Platz geplant. Zum Beispiel ein Hymnenpavillon, in dem Musiker auf Wunsch Landeshymnen spielen. Oder ein Medaillenpavillon, für den EM-Marketingchef Christoph Joho noch einen Chocolatier sucht, der Medaillen aus Schokolade giesst. In einem weiteren, völlig abgedunkelten Pavillon sollen Besucher einen 100-Meter-Sprint rein akustisch erleben können. «Eine Gänsehauterfahrung», freut sich Joho schon jetzt.

Auch das Opernhaus wird einbezogen: Jeden Abend sollen auf der Fassade des Kulturtempels am Rande des Sechseläutenplatzes Videoprojektionen zum Thema «Athletik und Kunst» zu sehen sein.

Noch sind nicht alle Programmpunkte bis ins Detail gesichert. Doch die Absicht ist klar: «Ziel ist, dass man Leichtathletik erleben kann, auch wenn man sich nicht speziell dafür interessiert», so Joho.

Leichtathletik-Fans kommen ebenfalls nicht nur im Stadion auf ihre Kosten: Auf den öffentlichen Stadtzürcher Sportplätzen Sihlhölzli und Utogrund werden sich Europas Topathleten vor den Wettkämpfen aufwärmen. Trainingsanlagen haben sie zudem ausserhalb der Stadt, nämlich in Regensdorf und Volketswil.

Geher begehen das Limmatquai

Wettkampfmässig werden nur die Marathonläufer und die Geher mitten in der Stadt unterwegs sein: Der Marathon umfasst viermal die Strecke Bürkliplatz - Bahnhofstrasse - Limmatquai - ETH - Uni - Rämistrasse - Sechseläutenplatz - Tiefenbrunnen - Quaibrücke - Mythenquai - Bürkliplatz. Die Geher hingegen müssen sich mit dem Limmatquai begnügen und dort ihre 20 respektive 50 Kilometer hin- und hergehend absolvieren. Der Grund: Schiedsrichter überwachen engmaschig, ob die Füsse der Geher wie vorgeschrieben am Boden bleiben.

Von solchen Auflagen sind die Sporttouristen, die Zürich anlässlich der Leichtathletik-EM besuchen, selbstverständlich nicht betroffen. 30 Prozent der bisher verkauften Tickets gingen laut EM-CEO Patrick Magyar ins Ausland; die meisten nach Deutschland, gefolgt von Grossbritannien, Frankreich und Skandinavien. Von insgesamt 119 940 Tagestickets sind bereits 45 402 verkauft – zu Preisen zwischen 85 und 240 Franken pro Tag. «Wir werden per Ende Jahr für fünf Millionen Franken Tickets verkauft haben», sagte Magyar händereibend. «Das ist eine Million mehr, als Barcelona am Ende der Leichtathletik-EM 2010 hatte.»

Stadt und Kanton zahlen mit

Spürbar wird die EM, deren Gesamtbudget bei 35 Millionen Franken liegt, auch in den Kassen der öffentlichen Hand: Stadt und Kanton Zürich sowie der Bund haben je 3,3 Millionen Franken als Defizitgarantien zugesichert. Zählt man den Verzicht auf Stadionmiete und Gratisdienstleistungen hinzu, beläuft sich der Beitrag der Stadt auf 5,7 Millionen Franken. Das Geld aus den Staatskassen ist laut Regierungsrat Mario Fehr gut investiert: «Die EM ist ein idealer Transporteur für das, was wir in der Region zustande bringen.»

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