Fifa-Museum
Die Fussball-WM 2014 in Brasilien ist reif fürs Museum

Die erste Sonderschau thematisiert die Fussball-WM 2014 in Brasilien.

Heinz Zürcher
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Fussballgeschichte mit den Goaliehandschuhen von Julio Cesar und Claudio Bravo. Heinz Zürcher

Fussballgeschichte mit den Goaliehandschuhen von Julio Cesar und Claudio Bravo. Heinz Zürcher

Klar, Deutschland wurde Weltmeister. Shaqiri gelang ein Hattrick und dieser James schoss ein Traumtor. Vieles ist noch in Erinnerung, schliesslich sind die Highlights der WM 2014 in Brasilien nur zwei Jahre alt – doch für die Fifa bereits reif fürs Museum.

«Brazil 2014 Revisited» heisst die erste Sonderausstellung im Fifa-Museum. Ab heute ist sie geöffnet. «Wir haben uns schon gefragt, ob es nicht zu früh sei», sagt Content-Manager Fabrice Deschamps. Ausschlag gaben die Trouvaillen, die während des Turniers gesammelt wurden, und die grosse Fussballnation Brasilien, deren Historie der Ausgangspunkt für die kommenden Sonderschauen bildet.

Museum hat trotz hohen Preisen viele Besucher

Mit der Zahl der Eintritte ist das Fifa-Museum zufrieden. Laut Sprecher Marc Caprez hat es seit der Eröffnung Ende Februar rund 70 000 Besucher gezählt, im August waren es alleine 12 000, davon 4500 Touristen aus 140 Nationen. «Diese Zahlen zeigen, dass wir auf dem Schweizer Markt noch Potenzial haben», sagt Caprez. Das Museum hat bereits 400 Events und Touren durchgeführt. Budgetiert waren 350 bis Ende Jahr. Erfreulich seien auch die Resultate auf der Bewertungsplattform Trip-Advisor. Das Fifa-Museum liegt dort unter den 50 Zürcher Museen auf Rang 4 und gehört zu den 20 beliebtesten Attraktionen der Stadt. Hervorgehoben wird die Freundlichkeit, für Kritik sorgen die Eintrittspreise von bis zu 24 Franken (Erwachsene).(HZ)

Der Rundgang beginnt denn auch mit der Geschichte des brasilianischen Fussballs: Mit einem gewissen Arthur Friedenreich, Sohn eines Deutschen und einer dunkelhäutigen Brasilianerin, der erst Diskriminierung erleiden musste, um dann beim Gewinn der Südamerika-Meisterschaft im Jahr 1919 zum Helden der Nation zu avancieren; mit dem ungewohnt weissen Trikot der Brasilianer, die erst ab der bitteren Finalniederlage gegen Uruguay 1950 im besser bekannten Blau-Gelb aufliefen; mit dem an die mexikanischen Erdbebenopfer erinnernden Stirnband von Sokrates, der nicht nur für seine Traumpässe bekannt war, sondern auch für sein soziales Engagement. Und erst wenn man erfahren hat, dass Pelé seinen Spitznamen einem Goalie namens Bilé verdankt, dessen Name er als Kind nie richtig aussprechen konnte, erst dann kommt man in der WM 2014 an.

Rapport einer Beissattacke

Auch durch den zweiten Teil der Ausstellung geht es chronologisch, angefangen mit den Tenues aller Teams und dem Schiedsrichterrapport, in dem geschildert wird, wie der Uruguayer Luis Suarez den Italiener Giorgio Chiellini biss. In Vitrinen stehen die Schuhe von Miroslav Klose, mit denen der Deutsche seine WM-Treffer 15 und 16 erzielte, Rekordtorschütze wurde und beim 7:1 gegen Brasilien mitverantwortlich für die bitteren Tränen der Gastgeber war.

Es sei nicht einfach gewesen, an die Trouvaillen zu kommen, sagt Fabrice Deschamps. Nicht jeder Spieler hatte Lust, Schuh oder Trikot der Fifa zu vermachen. Andere dagegen wollten mit einem Beitrag Teil der Fussballgeschichte werden.

Aus dem Fundus der WM 2014 ist nur ein Teil ausgestellt. Für jede Turnierphase wurden wenige charakteristische Objekte herausgepickt. Videostationen laden dazu ein, Hintergründe zu entdecken. Wer sich Zeit nimmt und danach sucht, findet auf den interaktiven Bildschirmen sogar selbstkritische Ansätze: Aufnahmen von Protesten gegen die Zwangsumsiedlungen und gigantischen Kosten, die diese Veranstaltung verursachte.

Im Frühling kommt die nächste

Auf den zwei grossen Wandprojektionen dominieren freilich die positiven Emotionen. Untermalt von Torjubel und Sambaklängen sind noch einmal die schönen und entscheidenden Momente zu sehen, von der Gruppenphase bis zum Final. Von der Abschlussfeier hat sich Deschamps Team die Gitarre von Carlos Santana gesichert, vom Endspiel ein Stück Rasen samt Seitenlinie-Markierung. Ein Schweizer Tierpräparator habe dafür gesorgt, dass der Rasen auch in 30 Jahren noch frisch aussehen werde, erklärt Moritz Ansorge, der für die Objekte zuständig ist. «In 30 Jahren wird dieses Stück noch viel kräftiger strahlen», ist Ansorge überzeugt. Er arbeitet bereits an der nächsten Sonderschau. Sie ist im Frühling geplant und geht auf die Anfänge der Fussballweltmeisterschaften zurück.