Schon einmal drohte Zürich zur Lachnummer der Fussball-Schweiz zu werden. Das war im Vorfeld der Euro 08, als lange unklar war, ob die Metropole für den Grossanlass ein Stadion parat hätte.

Sie schaffte es knapp, indem sie den neuen Letzigrund aus dem Boden stampfte, nachdem klar war, dass aus dem Hardturm-Ersatzneubau rechtzeitig nichts würde (siehe Chronologie). Fünf Jahre später entscheiden die Stadtzürcher Stimmbürger nun am 22. September über den nächsten Versuch, auf dem Hardturmareal ein neues Fussballstadion zu bauen.

Für den Stadtrat und die meisten Beteiligten ist klar: Das vorliegende städtische Projekt dürfte für lange Zeit die letzte Chance für ein neues Hardturmstadion sein. Die Stadtregierung versuchte daher, denkbare Konflikte von vornherein auszuschliessen.

Auf eine kommerzielle Mantelnutzung - Büros oder ein Einkaufszentrum im Stadionbau - verzichteten die Planer; ebenso auf einen privaten Investor. Zu frisch war die Erinnerung an das damit verbundene Scheitern des Vorgängerprojekts nach Rekursen durch Anwohner und den Umweltverband VCS.

Platz für 19500 Zuschauer

Doch warum überhaupt ein neues Stadion, wo Zürich schon den Letzigrund hat? Der Grund ist Rücksichtnahme auf die Interessen der Spitzenklubs GC und FCZ sowie deren Fans. Sie klagten zum einen, die Leichtathletik-Arena Letzigrund lasse wegen der Distanz des Publikums zum Spielfeld zu wenig Stimmung aufkommen.

Zum anderen argumentierten die Vereinsbosse Ancillo Canepa (FCZ) und André Dosé (GC), dass ein reines Fussballstadion mehr Zuschauer und Werbeeinnahmen brächte. Auch die Forderung nach Stehplätzen und separaten Fankurven für die Anhänger des FCZ und GC mussten die Stadionplaner des Badener Architekturbüros Burkard Meyer berücksichtigen.

Das Resultat ist ein Stadion mit steilen Tribünen bis zum Spielfeldrand. Es fasst 19 500 Zuschauer. Bei internationalen Spielen werden die Stehplätze vorschriftsgemäss zu Sitzplätzen. Das Fassungsvermögen reduziert sich dadurch auf 16 000 Personen.

Ein Resultat der Planungsgeschichte sind auch die hohen Kosten, die auf die Stadt zukommen, wenn das Volk zustimmt: Der Stadionkredit beläuft sich auf 216,5 Millionen Franken. Hinzukommen maximal 8,3 Millionen Franken pro Jahr als Defizitgarantie aus der Stadtkasse. 5 Millionen Franken würde die Stadt als Beteiligung an eine noch zu gründende Stadion-Betriebsgesellschaft mit 8 Millionen Franken Aktienkapital beisteuern. Auch der FCZ und GC würden sich an der Betriebsgesellschaft beteiligen.

Um das Stadionprojekt auch nicht-fussballbegeisterten Stimmbürgern schmackhaft zu machen, verknüpfte der Stadtrat es mit einer Wohnvorlage, über die gleichzeitig abgestimmt wird: Neben dem Stadion sollen in einer kommunalen Wohnsiedlung für 103 Millionen Franken 154 günstige Wohnungen entstehen.

Ob Zürich am 22. September seinen Stadionkomplex los wird, bleibt abzuwarten. Zwar kam die Vorlage im Stadtparlament problemlos durch; doch FDP, GLP, EVP und SD haben inzwischen aus Kostengründen die Nein-Parole zum Stadion ausgegeben. Allerdings stehen mit der SP und der SVP die grössten Parteien hinter dem Projekt, sekundiert von der CVP. Grüne und AL haben Stimmfreigabe beschlossen.