1. Dauerbeschallung I

Im Stadtzürcher Sommer gibt es kaum ein Wochenende, an dem nicht ein Grossereignis stattfindet: Ironman, Street Parade, Open-Air-Partys (mit und ohne Bewilligung), Freiluftkino oder Quartierfeste. Fast immer kommen dabei überdimensionierte Sound-Anlagen zum Einsatz, die nicht nur die nähere, sondern auch die entferntere Umgebung ausgiebig beschallen. Dabei dominieren monotone, rhythmische Schallstösse, die ohne Unterlass die Trommelfelle traktieren. Sie verunmöglichen Erholung, sei es in der Seebadi, auf dem Balkon oder bei offenen Fenstern zu Hause. Man stelle sich vor, eine Fabrik leistete sich heutzutage derartige Schallabsonderungen an Sonn- und Feiertagen. Es dauerte nicht lange bis zur Schliessung. Anders ist es mit dem Schall aus den Lautsprechern. Man scheint ihn hinzunehmen wie ein Naturereignis. Anrufe bei der Polizei helfen selten weiter, wenn es sich um eine bewilligte Veranstaltung handelt. Und bei illegalen Partys, wie kürzlich in der Binz, gibt es oft andere Gründe, weshalb die Polizei nicht eingreift. In der Binz wollte man die Veranstalter nicht provozieren. Ein Ratschlag für künftige Lärmopfer: Gehen Sie in ein ruhiges Hotel und schicken Sie der Stadt die Rechnung. Schliesslich müssen Sie am Montag wieder ausgeschlafen zur Arbeit erscheinen.

2. Dauerbeschallung II

Was die Grossveranstalter vormachen, machen die kleinen Leute nach. In Badis, am Seeufer oder in Parks kommt die neueste Generation der leistungsfähigen, mobilen Lautsprecher zum Einsatz – sei es als Rollkoffer oder im Taschenformat. Hunderte von Gruppen und Grüppchen suhlen sich so in ihrer eigenen Lärmkulisse – und veranstalten in der Summe ein höllisches Gedröhn. Nicht selten artet das Ganze in einen Wettstreit um akustische Dominanz aus. Das Motto scheint zu lauten: Ich produziere Sound, also bin ich. Oder umgekehrt: Ohne Sound bin ich gar nicht vorhanden.

3. Knatternde Töffs

In den Sommermonaten sind auch in Zürich die grossen Motorräder besonders häufig unterwegs. Solange die Maschinen schallgedämpft sind, ist das kein Problem. Akustisch auffällig sind aber jene Motorräder, die technisch so hergerichtet worden sind, dass sie besonders laut knattern können. Bei den offiziellen Lärmtest gehen sie unbeanstandet durch. Die Praxis ist bekannt und völlig legal. Das heisst im Klartext: Der Staat erlaubt einer Minderheit, sich auf Kosten der Mehrheit am Krach ihrer Maschinen zu erfreuen. Absurd, angesichts der Tatsache, dass Stadt und Kanton Lärmschutzfachstellen betreiben. Nur: Stadt und Kanton können in diesem Fall nichts dafür. Das Problem ist auf Bundesebene angesiedelt.

4. Grillieren ohne Unterlass

Bei schönem Wetter wird am Seebecken grilliert, was das Zeug hält. Klein- und Kleinstgruppen in Massen bringen ihre Ein- und Mehrweggrills mit und verpesten sich gegenseitig und andern die Atemluft – in einem Ausmass, das gesundheitsschädigend sein dürfte. Lobenswert sind da die städtischen Gross-Elektrogrills. Aber sie sind ein Tropfen auf den heissen Stein. Das Seeufer und die Parks meiden und zu Hause auf dem Balkon bleiben? Kann man vergessen, weil auf den privaten Balkonen ebenfalls wie wild grilliert wird. Will man den Qualm nicht in der Stube oder im Schlafzimmer haben, tut man gut daran, die Fenster zu schliessen – dem schönen Wetter zum Trotz. Bleibt die Alternative, sich in einem der schönen stadtnahen Wälder mit frischer Luft zu versorgen. Fehlanzeige. Denn auch dort trifft man alle 50 Meter auf einen qualmenden Grill.

5. Zu hohe Ozonwerte

An sonnigen Tagen klettern die Ozonwerte regelmässig über den Grenzwert. Gesundheitsbehörden raten dann jeweils fürsorglich, mit den Kindern nicht ins Freie zu gehen und auf körperliche Anstrengungen wie Sport zu verzichten. Mit Kind und Kegel zu Hause bleiben und die Fenster schliessen? Welch eine Zumutung. Auch hier regt sich nicht in Ansätzen ein Massenprotest. Man hat sich daran gewöhnt, dass die Grenzwerte ständig überschritten sind. Den meisten Medien ist dieser Zustand kaum mehr eine Schlagzeile wert. Treuherzige Appelle der Behörden, eigenverantwortlich zu handeln und Motorfahrzeuge in der Garage zu lassen, verhallen ungehört. Irgendwie auch logisch: Denn was nützt es, wenn ich mich einschränke, wenn es der Nachbar nicht auch tut.