Fluglärm

Die Fluglärmregion boomt - trotz aller Diskussionen

Fluglärmgeplagte in Glattbrugg

Fluglärmgeplagte in Glattbrugg

Wohngemeinden rund um den Flughafen sind beliebter denn je, wie Zahlen zeigen. Und das trotz jahrelanger Fluglärmdiskussion. Allein von 2007 bis 2011 ist Opfikon gemäss den Daten des Statistischen Amtes um fast 2600 Einwohner gewachsen.

Die Maisonette-Wohnung liegt im 18. und 19. Stock der Überbauung «The Metropolitans». Ist sie erst fertig gebaut, kann man von ihrer Terrasse miterleben, wie am Sonntagmorgen der Airbus A380 der Singapore Airlines am Haus vorbei auf die Piste zufliegt. Die Wohnung wird in einem Turm neben dem Schweizer Fernsehen unweit der Südanflugschneise liegen – und ist derzeit zum Preis von 2,99 Millionen Franken käuflich zu erwerben.

Genau wie viele andere Immobilien im Raum Glattal liegt besagte Wohnung innerhalb des «Untersuchungsperimeters» der «Highly Annoyed», also Personen, die durch Fluglärm tagsüber stark belästigt werden, wie der Zürcher Fluglärmindex (ZFI) das definiert. Der Regierungsrat hatte diese Woche die neusten Zahlen zum ZFI präsentiert und dabei festgehalten, dass das Bevölkerungswachstum für einen grossen Teil des zahlenmässigen Anstiegs der Fluglärmbelästigten verantwortlich sei: Um 2,4 Prozent ist die Bevölkerung der Flughafenregion von 2010 bis 2011 gewachsen, schreibt er im Bericht.

Neben der Stadt Zürich sind es vor allem die Gemeinden Kloten, Opfikon und Regensdorf, in denen laut ZFI am meisten von Fluglärm betroffene Personen wohnen. 5647 Lärmbetroffene sollen in Kloten wohnen, 4657 in Opfikon, das entspricht jeweils zwischen einem Viertel und einem Drittel der Gesamtbevölkerung dieser Gemeinden.

2600 mehr Opfiker in fünf Jahren

Doch der viel diskutierte Lärm der startenden und landenden Flieger vermag das Bevölkerungswachstum nicht zu bremsen: Allein von 2007 bis 2011 ist Opfikon gemäss den Daten des Statistischen Amtes um fast 2600 Einwohner gewachsen. Kloten verzeichnet immerhin 1000 neue Einwohner. Auch Regensdorf ist im selben Zeitraum um über 1000 Personen gewachsen.

Wie begehrt die Lärmgemeinden als Wohngegenden sind, zeigt auch das Immo-Monitoring von Wüst&Partner, das Transaktionspreise für Wohneigentum vergleicht. Eine 4½-Zimmer-Wohnung in Opfikon kostete im Herbst 2012 durchschnittlich 37,8 Prozent mehr als noch im Jahr 2007. Das entspricht fast dem kantonalen Durchschnitt. Ähnlich die Preise in Wallisellen und Kloten: Sie liegen heute mehr als 30 Prozent über dem, was 2007 bezahlt wurde. Dass der Fluglärm einen merklichen Einfluss auf die Immobilienpreise hätte, lässt sich also nicht feststellen.

Verschiedene Karten zu Lärmgrenzen

Auch bei den Mietwohnungen sind die Unterschiede nicht so extrem, wie man annehmen könnte. Für eine 4½-Zimmer-Wohnung mit 110 Quadratmetern Wohnfläche an guter Lage bezahlt man in der heiss begehrten Stadt Zürich gemäss Immo-Monitoring 2490 Franken. Im lärmgeplagten Opfikon kostet eine derartige Wohnung noch immer 2250 Franken. Und in Wallisellen wird durchschnittlich 2190 Franken bezahlt.

Zurück zu den Wohnungen im neuen Hochhaus des Leutschenbach-Quartiers: «Natürlich sind bei den Verkaufsgesprächen die Flugzeuge ein Thema», sagt Stefan Schmid von Kuoni Mueller & Partner. «Doch die Liegenschaft befindet sich ausserhalb des Fluglärms», so Schmid. Und tatsächlich, auf der von der Empa 2010 erstellten Lärmbelastungskarte liegt der Standort ausserhalb der Lärmgrenzen. Zum Thema Fluglärm existieren also nicht nur verschiedene Ansichten, sondern auch verschiedene Karten.

Der Verkauf der Wohnungen laufe übrigens «super», sagt Schmid.

Meistgesehen

Artboard 1