Bildung
Die ETH lässt erneut alle hinter sich: Was macht sie besser als andere?

Auf dem europäischen Festland ist die ETH Zürich im Universitätsranking absolute Spitze. Die Frage, welche Indikatoren die Qualität einer Hochschule am besten messen, sei jedoch umstritten.

Bettina Hamilton-Irvine
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Ein neues Ranking platziert die ETH Zürich unter den zwölf Top-Universitäten der Welt.

Ein neues Ranking platziert die ETH Zürich unter den zwölf Top-Universitäten der Welt.

Keystone/Walter Bieri

Niemand macht es besser als die ETH Zürich: Sie ist die Königin der Universitäten – zumindest auf dem europäischen Festland. Das ist das Resultat eines soeben publizierten weltweiten Universitätsvergleichs. Das «QS World University Ranking» platziert die ETH Zürich wie schon im Jahr zuvor auf dem zwölftbesten Rang. Besser sind nur Universitäten aus den USA und aus England; den ersten Platz belegt wie in den beiden Vorjahren das Massachusetts Institute of Technology.

Vorteil Naturwissenschaften

Dass die ETH Zürich eine der Top-Universitäten weltweit sei, habe nicht zuletzt mit der Wahl der Studierenden und Lehrpersonen zu tun, sagt ETH-Präsident Ralph Eichler: «Wir haben sehr viel Freiheit, unsere Exzellenz mit der Berufung von Professoren und Professorinnen zu stärken», sagt er. Zudem rekrutiere man im Bereich Master und Doktorat gezielt herausragende Studenten aus dem Ausland dazu.

Doch was macht die ETH besser als die Uni Zürich, die zwar auf dem ebenfalls ausgezeichneten 57. Platz liegt – aber doch deutlich hinter der ETH? Generell sei es so, dass Universitäten mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung in Rankings besser abschneiden als andere, sagt Andrea Diem, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung. Dies, weil sie bei vielen Kriterien – wie wenn es um Publikationen, Zitationen oder Nobelpreisträger gehe – einen Vorteil hätten. Diem weist zudem darauf hin, dass jedes Ranking andere Aspekte untersuche und gewichte. Die Frage, welche Indikatoren die Qualität einer Hochschule am besten messen, sei jedoch umstritten, sagt sie: «Rankings taugen daher nicht unbedingt, um Qualitätsunterschiede der Unis in der Schweiz festzustellen.»

Versucht man, anhand des QS Universitätsrankings trotzdem, einen Vergleich zwischen den beiden Zürcher Universitäten festzustellen, fällt auf: Die ETH schneidet vor allem im Bereich des akademischen Rufs und der Anzahl Zitationen besser ab. Zudem wird das ausgezeichnete Resultat der ETH auch stark durch die Bereiche Ingenieurwesen und Technologie sowie Naturwissenschaften beeinflusst, in der sie weltweit sogar die Plätze drei und vier belegt. Die Uni kann dafür mit ihrem Verhältnis von Professoren zu Studenten punkten und ist besonders stark im Bereich Life Science und Medizin.

Dass ein direkter Vergleich von Institutionen zumindest schwierig sei, findet aber auch Eichler: «Die Uni Zürich hat ein viel breiteres Spektrum als die ETH.» Während sich die ETH auf Naturwissenschaften und Ingenieurwesen fokussiere, mache es die thematische Breite der Universität Zürich schwieriger, in allen Bereichen unter den Besten zu sein. Er sehe die Uni aber auch nicht als Konkurrenten, sondern vor allem als Partner, sagt Eichler.

Nathalie Huber, Stellvertretende Medienbeauftragte der Universität Zürich, betont, die beiden Institutionen seien nicht vergleichbar, weil die Uni im Vergleich zur ETH eine Volluniversität sei. Zwar freue man sich sehr, dass die Uni Zürich sich um 21 Plätze verbessert habe, so Huber. Doch seien Rankings bloss «eines von vielen Elementen, welche die Reputation einer Uni beeinflussen können».

«Ein sportliches Ziel»

ETH-Präsident Eichler will das Ranking ebenfalls nicht überbewerten: «Es wird zwar angesehen, aber eine Universität ist viel mehr als eine Zahl», sagt er. Trotzdem sähe er die ETH Zürich, die seit dem Jahr 2007 von Rang 42 auf Rang 12 vorgerückt ist, im nächsten Jahr gern unter den zehn weltweit besten Universitäten platziert: «Das wäre ein sportliches Ziel.» Jedoch gäbe es Kriterien, die er bewusst nicht verändern wolle, sagt er. Zum Beispiel das Betreuungsverhältnis von Professoren und Studierenden, in dem die ETH beim Ranking weniger gut abschneidet. Denn: «Wir haben nicht nur die Aufgabe, einzelne Nobelpreisträger auszubilden. Unsere Wirtschaft und Gesellschaft brauchen auch eine grosse Zahl an gut ausgebildeten Fachkräften.»

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