50 Jahre Mahmud Moschee

Die erste Moschee der Schweiz eckt fast nirgends an

Vor 50 Jahren wurde in Zürich die Mahmud Moschee, das erste muslimische Gebetshaus der Schweiz, eröffnet. Zum Jubiläumsanlass kommt auch SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti.

Am Samstag ist es genau 50 Jahre her: In Anwesenheit von Stadtpräsident Emil Landolt (LdU) wurde am 22. Juni 1963 im Zürcher Balgrist-Quartier die erste Moschee der Schweiz eröffnet – die Mahmud Moschee. Angehörigen der muslimischen Reformbewegung Ahmadiyya und anderen undogmatischen Gläubigen dient das Haus mit dem zierlichen Minarett an der Forchstrasse 323 seither als Gebetshaus..

Zum 50-Jahr-Jubiläum, das am Samstag mit einem Tag der offenen Moschee und einer Feier im Seminarhotel Spirgarten begangen wird, hat Imam Sadaqat Ahmed Würdenträger von Stadt und Kanton eingeladen. Ob ein Zürcher Regierender komme, wisse er aber noch nicht. Doch an Politprominenz dürfte es nicht fehlen: Angemeldet haben sich die Nationalräte Geri Müller (Grüne) und Martin Naef (SP) sowie mit Claudio Zanetti (SVP) auch ein Kantonsrat der Partei, die 2009 dem Minarettbauverbot in der Schweiz zum Durchbruch verhalf.

Zanetti wird am Jubiläumsanlass vielleicht eine kurze Rede halten, wie er auf Anfrage sagt. Schon als Bub habe ihn die Moschee am Balgrist beeindruckt. Er ist überzeugt: «Das sind hochanständige Leute.» Zanetti hält fest: «Das sind nicht die Muslime, die uns Sorgen bereiten.»

Die Geschichte der Mahmud Moschee ist auch Teil der Lebensgeschichte von Yahya Hassan Bajwa. Der Hochschuldozent aus Baden, Vorstandsmitglied der Grünen, wuchs in der Mahmud Moschee auf. Sein Vater war deren erster Imam. «In der Anfangszeit war es die einzige Moschee für den süddeutschen Raum, die Schweiz und Norditalien», sagt Bajwa. An Festtagen seien ganze Busladungen von Gläubigen angereist. Sein Vater habe Festansprache und Gebete bis zu dreimal wiederholen müssen, ehe alle bedient waren.

Im Zuge der 68er-Bewegung seien dann bisweilen Leute gekommen, die «einfach stundenlang dahockten.» Erst später wurde Bajwa klar, dass sie meditierten. «Für meinen Vater war die Moschee ein Haus Gottes und für alle offen», sagt der Dozent mit Spezialgebiet «interreligiöser Dialog».

Einen Bruch und Besucherschwund habe es Mitte der Siebzigerjahre gegeben: 1974 erklärte das pakistanische Parlament die Ahmadiyya zur nichtislamischen Religionsgemeinschaft. Begründet wurde die Ausgrenzung der aus Indien stammenden Ahmadiyya-Gemeinde damit, dass sie ihren Gründer als von Mohammed prophezeiten Messias ansah. Um die gleiche Zeit organisierten sich in der Schweiz Muslime aus Jugoslawien und der Türkei und eröffneten Gebetsräume, wo in ihrer eigenen Sprache gepredigt wird. In der Mahmud Moschee hingegen wird die Hauptansprache seit der Gründung 1963 auf Deutsch gehalten, wie Bajwa weiter ausführt.

Durchbruch in Hessen

Die Isolation der Ahmaddiyya innerhalb des Islams sei noch da. Einen «Riesenschritt» habe aber letzte Woche das deutsche Bundesland Hessen gemacht, indem es der unter Muslimen umstrittenen Religionsgemeinschaft die öffentlich-rechtliche Anerkennung verlieh. «In der Schweiz wurde ein solcher Schritt noch nicht diskutiert», so Bajwa.

Schweizweit zählt die Gemeinde der Ahmaddiyya heute rund 900 Mitglieder. Zum Freitagsgebet kommen laut Imam Ahmed jeweils 70 bis 90 Personen in die Mahmud Moschee, darunter rund 15 Prozent Angehörige anderer islamischer Religionsrichtungen. Frauen und Männer beten in getrennten Räumen, «damit man nicht für ihn oder sie in die Moschee kommt, sondern voll auf Gott konzentriert bleibt», wie Ahmed erklärt.

Unschöne Reaktionen hat die Mahmud Moschee, eines von schweizweit vier Gebetshäusern mit Minaretten, in ihrer Geschichte kaum ausgelöst, wie Bajwa und Ahmed sagen. Hässige Anrufe, wenn islamischen Extremisten irgendwo in der Welt zuschlugen, oder Schmierereien – mehr nicht. Nach Annahme des Minarettbauverbots sei das Interesse sogar gestiegen, sagt Ahmed: «Wir haben mehr Besucher, Schulklassen und andere Gruppen, die unsere Moschee besuchen.»

Anerkennung erhält die Moschee auch vonseiten der Stadt Zürich: «Es ist erfreulich, dass wenigstens eine Moschee in Zürich sichtbar ist», sagt deren Integrationsbeauftragter Christof Meier. «Das hat auch nie zu Problemen geführt.»

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