Dübendorf
Die Empa mauserte sich in 50 Jahren von der Prüfanstalt zum Hightech-Labor

Am Montag feiert die Empa ihr 50 jähriges Jubiläum in Dübendorf mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Äusserlich hat sich das Gebäude der Empa in Dübendorf kaum verändert. Hinter den Mauern ist jedoch fast kein Stein auf dem anderen geblieben.

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Das Empa Gebäude in Dübendorf, aufgenommen im Jahre 1994

Das Empa Gebäude in Dübendorf, aufgenommen im Jahre 1994

Keystone

Vor 50 Jahren ist in Dübendorf ZH auf einer grünen Wiese der Empa-Campus aus dem Boden gestampft worden. Das Jubiläum feiert die Forschungsanstalt am kommenden Montag zusammen mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Äusserlich haben sich die Gebäude in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert. Hinter den Mauern ist jedoch fast kein Stein auf dem andern geblieben. Die ehemalige Prüfanstalt hat sich in den letzten Jahren zu einem innovativen und international anerkannten Hightech-Labor entwickelt.

Hervorgegangen ist die Empa aus der «Anstalt für die Prüfung von Baumaterialien», die ihre Tätigkeit 1880 im Kellergeschoss des Polytechnikums in Zürich, der heutigen ETH, aufgenommen hatte. 1938 erhielt sie die Bezeichnung «Eidgenössische Materialprüfungs- und Versuchsanstalt für Industrie, Bauwesen und Gewerbe» (Empa).

Im Juni 1953 entschieden sich die eidgenössischen Räte für einen «grossen Wurf». Sie bewilligten 64 Millionen Franken für einen Campus in Dübendof. Es war dies das bis dahin teuerste zivile Bauvorhaben der Nachkriegszeit. Zuvor war die Materialprüfungsanstalt auf über 20 Einzelgebäude in der Stadt Zürich verteilt.

Flugzeugabsturz fordert neue Empa

Erster Direktor in Dübendorf war der Luftfahrtpionier Eduard Amstutz, der gleichzeitig als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Swissair amtete. Kurz nach dem Umzug wurden die analytischen Fähigkeiten der neuen Empa erstmals auf eine harte Probe gestellt.

Im aargauischen Dürrenäsch war am 4. September 1963 eine Caravelle der Siwssair abgestürzt. 74 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder kamen bei diesem bisher zweitgrössten Flugzeugunglück in der Schweiz ums Leben. Als ehemaliger ETH-Lehrstuhlinhaber für Flugzeugbau engagierte sich Amstutz stark bei der Suche nach der Absturzursache.

Äusserlich sei die Empa in der Lage gewesen, derartige Katastrophen kühl und professionell zu analysieren, heisst es im Magazin «Empa News». Innerhalb der Empa jedoch brodelte es. 1969 wurde Amstutz von Theodor H. Erismann als Direktor abgelöst.

Struktuwandel löst Proteste aus

Unter grossem Protest der 20 Abteilungsleiter, die ihre Abteilungen wie kleine Königreiche führten, setzte Erismann eine Strukturreform mit der Unterteilung der Empa in sechs Ressorts durch - eine Struktur, die im Wesentlichen noch heute besteht.

Eine Vorreiterrolle spielte die Forschungsanstalt Anfang der 1970er Jahre in Sachen Umweltschutz. Als 1972 im Auftrag des Club of Rome die Studie «Grenzen des Wachstums» erschien, untersuchte sie längst Luftfremdstoffe und Industrieabwässer auf schädliche Komponenten und den Einfluss von Lärm an Arbeitsplätzen und Wohnstätten.

Anwendungsorientierte Forschung

Im Verlaufe der Jahre fokussierte sich die Empa immer mehr auf anwendungsorientierte Forschung und die Entwicklung innovativer Technologien. Heute ist sie beispielsweise eines der weltweit führenden Labors in der Gasmotorenforschung.

Zudem entstanden immer wieder neue wissenschaftliche Abteilungen etwa für Hochleistungskeramik, für Nanowissenschaften, Biomaterialien und verschiedene Energietechniken. So war die Empa auch Vorreiterin bei der Entwicklung von Dünnschicht-Solarzellen.

Laut Gian-Luca Bona, der die Empa seit vier Jahren als Direktor leitet, kann die Schweiz wirtschaftlich nur mit nachhaltiger Hightech und innovativen Konzepten überleben. Die Empa habe die Aufgabe, derartige Konzepte und Technologien zu entwickeln und vorzubereiten, sagte er gegenüber den «Empa News».

Bona bedauert, dass der Empa noch immer der Ruf anhaftet, ein reines Testinstitut zu sein. Die Partner aus Industrie und Forschung wüssten, dass die Empa heute ein kreatives Institut sei. «Bei anderen - auch bei manchen Firmenchefs - müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten.»

Der Wandel vom einstigen Testinstitut zur Forschungsstätte zeigt sich auch im wissenschaftlichen Output. Ende 2012 waren an der Empa 160 Doktorierende beschäftigt. Zudem waren Forscher in 120 KTI-Projekten (Kommission für Technologie und Innovation), 100 Projekten des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und 70 EU-Projekten involviert.