Eine Zügelkiste steht schon bereit. Sie ist von elefantösem Ausmass: Zwei der dickhäutigen Rüsseltiere haben in dem grünen Container Platz. Begleitet von Tierpflegern schreiten Elefantenmama Ceyla und ihre Tochter Farha durchs Aussengehege der alten Elefantenanlage im Zoo Zürich auf den Container zu. Sie müssen zum Training: Die Elefanten proben den Umzug.

Eine neue Sprache lernen

Regelmässige Trainingseinheiten haben sie schon seit Monaten zu absolvieren, erklärt Robert Zingg, Kurator im Zoo Zürich. Zum einen galt es, ihnen eine neue Sprache beizubringen. Denn anders als im alten Gehege werden die Tierpfleger im neuen keinen Körperkontakt mehr zu den Tieren haben. So soll vermieden werden, dass die Elefanten ihre Pfleger als Teil ihrer Herde auffassen.

Dahinter stecken die seit Jahren verstärkten Bemühungen des Zoos um eine möglichst artgerechte, naturnahe Tierhaltung. Und dazu gehört eben auch, dass die Pfleger und die Tiere neue Kommunikationsformen erlernen. Was offenbar gelingt: «Im Moment sind sie zweisprachig», sagt Zingg über seinen Schützlinge. Will heissen: Die Elefanten verstehen sowohl die alte als auch die neue Kommunikationsform.

Die Elefanten des Zoo Zürich proben den Umzug

Die Elefanten des Zoo Zürich proben den Umzug

Zum anderen gilt es, die Elefanten durch das Training an den Umzugscontainer zu gewöhnen. Theoretisch könnten sie ja auch zum neuen Gehege hinüberspazieren. Doch dieses Risiko wollen die Zooverantwortlichen nicht eingehen. Dafür sei das Verhalten der sechsköpfigen Gruppe zu unberechenbar, erklärt Zingg.

Die Zeiten, als die Elefanten im Zoo Zürich und in den Wäldern der Umgebung ausgeführt wurden, liegen schon über zehn Jahre zurück. Also heisst es trainieren, damit es für sie völlig normal wird, in den Container zu gehen. Ein Kran wird die elefantöse Zügelbox beim Umzug dann auf einen Lastwagen lupfen, der zum neuen Gehege fährt.

Die Bauarbeiten an der neuen Elefantenanlage sind schon weit fortgeschritten.matthias scharrer

Die Bauarbeiten an der neuen Elefantenanlage sind schon weit fortgeschritten.matthias scharrer

Lernen geht durch den Magen

Elefantenmama Ceyla und ihre Tochter Farha schreiten scheinbar willig in den Container. Doch Ceyla hat noch nicht die richtige Position eingenommen. Diagonal sollte sie stehen, denn in dieser Position wird sie beim Umzug im Container sicherheitshalber angekettet werden. Ceyla steht aber parallel zur Containerwand. Ein Pfleger ausserhalb des Containers versucht, sie mit einem vorne gepolsterten Stab zu dirigieren.

Zwischen den Lippen hat er eine Hundepfeife, in die er immer dann bläst, wenn das Tier etwas genau so macht, wie er es will. Erst danach gibts zur Belohnung Leckereien: Apfelschnitze oder Futterwürfel. «Der Lerneffekt geht meistens über die Geschmackszellen», sagt Zingg. «Heu käme wohl nicht so gut an als Belohnung.»

Nach ein paar Minuten verlassen Ceyla und Farha die Zügelbox wieder. Für heute ist ihr Training zu Ende. Mit Farhas Lernerfolgen zeigt sich Zingg sehr zufrieden. «Die Jungen kapieren es schnell», sagt der Zoo-Kurator. Ceyla habe hingegen noch Koordinationsschwierigkeiten. Sie hat noch Zeit, zu lernen. Die Bauarbeiten an der neuen Elefantenanlage, die über 40 Millionen Franken kosten und durch Spenden finanziert werden, sind schon weit fortgeschritten. Doch bis alle Elefanten umgezogen sind, wird es Mai. Die Eröffnung ist auf Anfang Juni geplant. Die Elefanten werden dann viel mehr Platz haben, vor allem im Innenbereich der Anlage. Besonders an frostigen Wintertagen dürften die Tiere dies ebenso schätzen wie die Zoobesucher.