Im Hinblick auf die Kommunalwahlen im Februar ist Zürich eine geteilte Stadt: Einerseits verteidigen vier SPler, zwei Grüne und ein Alternativer die linke Dominanz. Andererseits versucht die FDP, mit Filippo Leutenegger ihren verloren gegangenen zweiten Sitz zurückzuerobern – die traditionell chancenlose SVP soll ihr dabei als Steigbügelhalterin dienen, ebenso die CVP. Irgendwo zwischen diesen Kampfblöcken steht wie das Männlein im Walde einer, den seine eigene Partei in der vergangenen Wahl nicht wollte: Samuel Dubno.

Es war knapp damals, als die GLP im Herbst 2012 ihren Kandidaten für die Ersatzwahl um den Sitz von FDP-Legende Martin Vollenwyder aufstellte. Das Rennen machte an jenem Abend Daniel Hodel, ein unbeschriebenes Blatt. Hodel wirkte im Vergleich zur Konkurrenz wie einer, der soeben nach Zürich gezogen ist und sich ein bisschen für Politik interessiert. Nach dem ersten Wahlgang verabschiedete er sich als Drittplatzierter kleinlaut. Das Ergebnis ist bekannt: Die FDP versagte, Richard Wolff zog für die AL in die Regierung ein. Nun wollen die GLP und Dubno es noch einmal wissen.

Attacke auf Bürgerliche?

Bislang wurden Samuel Dubno wenig Chancen auf einen Sitz eingeräumt. Falls alle bisherigen das Rennen machen und SP und Grüne ihre beiden neuen Kandidaten, Raphael Golta und Markus Knauss, in den Stadtrat hieven können, gehen sowohl Leutenegger und die SVP-Kandidaten als auch Dubno leer aus. Doch eine Unbekannte in dieser Gleichung ist Gerold Lauber, bisheriger Schulvorstand der CVP.

Denn dass Lauber überhaupt zweimal gewählt wurde, verdankte er nicht den bürgerlichen Stimmen, sondern Sympathien aus dem linken Lager. Als Verlierer unter den Bisherigen lag er 2010 auf dem drittletzten Platz. Damals schwebte Lauber als Mittekandidat zwischen den linksgrünen und den bürgerlichen Kräften.

Das hat sich geändert: Für die Wahlen vom 9. Februar haben sich die Christdemokraten zusammen mit der FDP ins Lotterbett der SVP gelegt. Ob Lauber die Zerreissprobe zwischen bürgerlichem Wahlkampf und linken Stimmen hinbekommt, ist alles andere als sicher. Zumal er die vergangene Legislatur im Schlafwagen verbracht hat.

Bei einer Nichtwahl würde sich ein CVP-Schicksal wiederholen: 2011 verpasste der christlichdemokratische Regierungsrat Hans Hollenstein die Wiederwahl in den Regierungsrat. Gewählt worden war er einst dank der Linken, doch die liess ihn fallen, die bürgerlichen Wähler verweigerten ihm die geschlossene Gefolgschaft.

Laubers Platz des blockfreien Kompromisskandidaten könnte nun Dubno einnehmen: «Egal, ob man links oder rechts wählt, auf dem Wahlzettel hats immer freie Linien», so der Kandidat. Will heissen: Sowohl gemässigte Bürgerliche als auch linke Wähler könnten seinen Namen mit auf den Zettel schreiben. Dabei könnte ihm sein gutes Netzwerk helfen.

Im Gegensatz zu Daniel Hodel, der im Frühling um Vollenwyders Sitz kämpfte, ist Dubno kein Unbekannter: In der jüdischen Gemeinde ist er als ehemaliger Delegierter des Vorstandes der Israelitischen Cultusgemeinde (ICZ) bestens vernetzt. Als FCZ-Fan hat er zwar gegen den Willen seiner Partei fürs Stadionprojekt gekämpft, dabei aber Profil gezeigt. Als Mitglied des Quartiervereins Wollishofen kennt er in seinem Stadtkreis Hinz und Kunz. Und auf Facebook und Twitter ist er der aktivste aller Kandidaten, ja gar einer der aktivsten Schweizer Politiker.

Mehr Profil als seine Vorgänger

Im Gegensatz zu Hinterbänkler Daniel Hodel, der im Kantonsrat nicht auffiel, gehört Dubno im Stadtparlament zu den häufigeren Rednern. Er schmiedet Allianzen über Parteigräben hinweg und geniesst bei Gegnern wie Mitstreitern Sympathien. Zu Popularität verhalf ihm sein Engagement für die Frauenzunft: Er lancierte den Vorstoss mit, der es ermöglichte, die Fraumünster-Flagge neben diejenigen der Männerzünfte zu hängen.

Zwar hat auch Dubno das Politparkett erst vor vier Jahren betreten, doch ist klar: Er ist ein anderes Kaliber als Hodel. Der 47-Jährige Dubno – der je nach Tagesform ein Jahrzehnt jünger wirkt – wurde als Sohn eines Schweizer Paares in Hongkong geboren.

Nach einem Aufenthalt in Paris zog die Familie nach Zürich, später ins Zürcher Unterland. Heute ist Dubno mit einer Anwältin verheiratet, zusammen haben sie drei Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren. Derzeit arbeitet der Betriebsökonom im elterlichen Textilunternehmen. Davor war er unter anderem beim Gottlieb-Duttweiler-Institut und Geschäftsführer einer Tochterfirma der Handelszeitung.

Der Finanzpolitiker

Als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission hat Dubno Einblick in die Tiefen der städtischen Verwaltung. Seine Partei war allerdings für die Rückweisung des Budgets 2011 mitverantwortlich. Dass es für 2014 wiederum dazu kommen wird, glaubt Dubno dennoch nicht: «Eine pauschale Rückweisung wie vor drei Jahren wird es dieses Mal nicht geben.»

Sein Profil als Finanzpolitiker könnte ihm angesichts der angespannten Lage der städtischen Finanzen bei den Wahlen Stimmen einbringen. Genauso wie seine mit den Linken kompatible Haltung in ökologischen und Bürgerrechtsfragen.

Doch die Wahl schafft Dubno nur dann, wenn ihn möglichst viele Wähler aus beiden Lagern mit auf den Wahlzettel setzen. Und um das zu schaffen, darf er im Wahlkampf zwischen Links und Rechts nicht untergehen. Ob ihm das in der wahlkampfunerfahrenen GLP gelingt, wird sich zeigen. Spätestens seit dem Camin-Debakel der FDP ist klar: Auch in Zürich werden nicht Parteien, sondern Köpfe gewählt.