Zürcher Obergericht
Die eigene Nichte vergewaltigt? 55-Jähriger wird zum dritten Mal freigesprochen

Das Zürcher Obergericht spricht einen 55-jährigen Tamilen zum dritten Mal frei. Ihm wurde vorgeworfen, seine Nichte vergewaltigt zu haben. Der Fall geht nun erneut ans Bundesgericht.

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Nach dem erneuten Freispruch durch das Zürcher Obergericht geht der Fall nun zum zweiten Mal ans Bundesgericht. (Symbolbild)

Nach dem erneuten Freispruch durch das Zürcher Obergericht geht der Fall nun zum zweiten Mal ans Bundesgericht. (Symbolbild)

Keystone

Das Zürcher Obergericht hat einen heute 55-jährigen Tamilen zum dritten Mal freigesprochen. Ihm wurde vorgeworfen, seine eigene Nichte vergewaltigt zu haben.

Gemäss dem "Tages-Anzeiger" wurde das Verfahren durch einen Schulleiter ausgelöst, dem die psychische Belastung eines Mädchens auffiel, nachdem dieses von einem Besuch bei einem anderen Onkel in London zurückkehrte.

Das Mädchen erzählte daraufhin, dass sie 2008 als 12-Jährige von ihrem Onkel in Indien sexuell genötigt worden sei. Zwei Jahre später habe sie der gleiche Onkel in Adliswil vergewaltigt. Und ein weiteres halbes Jahr später sei sie schliesslich vom anderen Onkel in London vergewaltigt worden.

Gegen ein Gutachten

Nach dem Bezirksgericht Horgen sprach auch das Zürcher Obergericht den Mann im Zweifel für den Angeklagten frei. Und das trotz eines Gutachtens, das festhielt, dass die Konstanz, mit der das Mädchen die wesentlichen Elemente der Ereignisse schilderte, eher für "erlebnisbasierte Ereignisse" spreche.

Das Bundesgericht hob den Freispruch allerdings auf und gab den Fall an die Vorinstanz zurück. Die Richter dürften nicht ohne triftige Begründung von einem unabhängigen Gutachten abweichen.

Dritter Freispruch

Nun hat das Zürcher Obergericht erneut entschieden. Und wieder wird der 55-Jährige "in dubio pro reo" freigesprochen. Die Begründung dafür liefert es auf 19 Seiten. Das Gutachten habe methodische Schwächen, es fehle an Transparenz und Nachvollziehbarkeit, so der "Tages-Anzeiger". Zudem wirkten die Aussagen des Mädchens "stereotyp, karg und insbesondere ohne Schilderung gefühlsmässigen Erlebens".

Das Gericht sprach dem Onkel 7500 Franken als Schadenersatz und 7100 Franken als Genugtuung zu. Das letzte Kapitel ist allerdings noch nicht geschrieben. Die Rechtsvertreterin des Mädchens zieht auch diesen Freispruch erneut vor Bundesgericht.