Weil das Fabrikgelände der Binz-Besetzer geräumt werden soll, haben diese zu einem Aktionsmonat unter dem Motto "Binz bleibt!" aufgerufen. Das Gebäude an der Uetlibergstrasse 111, das dem Kanton gehört und seit 2006 von Kreativleuten besetzt wird, soll im kommenden März abgerissen werden. Auf dem Areal sollen Studentenwohnungen und Räume für das Personal des Unispitals gebaut werden.

Doch so leicht wollen die Besetzer ihren raren Freiraum nicht aufgeben: Die Binz sei "in voller Blüte, bietet vielen Menschen eine Existenz und Raum für die Verwirklichung ihrer Ideen", heisst es auf ihrer Website. Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, haben sie den ganzen Dezember zum Binz-Aktionsmonat erklärt. Dafür haben die Besetzer einen Kalender veröffentlicht, der für jeden Tag eine Aktion vorsieht. Auf ihrer Website schreiben sie: "A la Adventskalender passiert jeden Tag vom 1. bis zum 31. Dezember irgendwo in Zürich oder sonst wo auf der Welt etwas, wo Binz draufsteht und/oder drin ist."

Plakate in der ganzen Stadt

Und tatsächlich sind bereits einige "Suporteure und Suporteusen" den Anweisungen der Besetzer gefolgt: Seit dem 1. Dezember schmücken Plakate mit dem Aktions-Slogan zahlreiche Fassaden in der ganzen Stadt. An der Hohlstrasse wurde gar eine drei mal zehn Meter grosse Leuchtschrift an einem Dach aufgezogen. Am 2. Dezember dann liessen die Binz-Kreativen mittels Ballonen eine Protest-Fahne über dem Christkindlimarkt in der Halle des Hauptbahnhofs schweben.
Die aufsehenerregendste Aktion fand am Dienstag statt: An diesem Tag veröffentlichten die Besetzer die Telefonnummern der kantonalen Immobilienverwaltung, der Pensionskasse Abendrot, die den Neubau auf der Binz finanziert, sowie des Bauunternehmens Tescon, das den Zuschlag für das geplante Bauprojekt erhalten hat. Ihre Anhänger hielten sie dazu an, ihrem Unmut über den Abriss des Kultur- und Wohnareals unter diesen Nummern Gehör zu verschaffen. Laut "Tagesanzeiger" gingen bei allen drei Stellen Telefonate ein; jedoch fühlte sich niemand der Adressaten zuständig für die Beschwerden der Anrufer.

Noch einige Aktionen sind geplant

Am Mittwoch ging es mit einem Wintergrill auf der Bäckeranlage weiter. Und an Ideen für weitere Aktionen fehlt es den Besetzern nicht: So sollen ihre Unterstützer "Binzibänzen" backen und diese ins Altersheim bringen, dem Kanton ein "Oh du binzliges" singen, Zürich mit Binz-Kreidezeichnungen verzieren, Info-Flyers im ÖV, in Kaffees und Läden verteilen, oder sich "auf möglichst vielen Kontaktformularen des Kantons gegen den Abriss der Binz" wehren. Besonders die Aktion, die für den 21. Dezember geplant ist, dürfte für Stirnrunzeln sorgen. Die Anweisung lautet: "Bezahle einen Parkplatz in der Stadt um dort dein Velo abzustellen oder ein Zimmer einzurichten. Stelle ein "Ich-bin-auch-eine-Binz!"-Schild dazu." Man wird sehen, wer dem Ruf folgt.