Am 3. Februar 2013 sass der Teenager zusammen mit einem Kollegen in einem Bus. Einer der beiden Jugendlichen rief "Heil Hitler!" und verärgerte damit eine junge Mitfahrerin. Sie verdrehte die Augen und äusserte einen kurzen Kommentar.

Kurz darauf stiegen der junge Mann, der 2,9 Promille im Blut hatte, und die junge Frau aus und stritten verbal weiter. Ein Fahrgast, der ebenfalls den Bus verlassen hatte, stellte sich mit ausgebreiteten Armen zwischen die beiden.

Der alkoholisierte Jugendliche ging mit einem Klappmesser auf den Mann los. Laut Anklage führte er sieben Stiche aus und fügte dem 1982 geborenen Opfer schwere Verletzungen im Gesicht und im Halsbereich zu.

Im Urteil, das am Donnerstag publik wurde, haben die Oberrichter den Schuldspruch der Vorinstanz - des Jugendgerichts Dietikon - wegen versuchter Tötung bestätigt. Der Jugendliche hatte dagegen rekurriert und argumentiert, dass er aufgrund seines massiven Alkoholkonsums gedankenlos zugestochen und nicht an mögliche Folgen seines Tuns gedacht habe.

Tod in Kauf genommen

Nach Ansicht des Obergerichts ändert der Alkoholisierungsgrad des Beschuldigten nichts daran, dass dieser hätte wissen müssen, dass bei Messerstichen im Halsbereich die Halsschlagader des Opfers durchtrennt werden könnte.

Der Angreifer habe somit den Tod des Geschädigten in Kauf genommen. Das Obergericht ging aufgrund des ausserordentlich brutalen Tatvorgehens von einem sehr schweren Verschulden aus. Es hielt dem Angeklagten aber eine gutachterlich attestierte mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit zugute.

Die Richter legten eine teilbedingte Strafe von 30 Monaten fest, die Hälfte davon unbedingt. Das Opfer soll eine Genugtuung von 20'000 Franken erhalten. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.