Zürich
Die Alterszentren fürchten sich vor Dieben und demonstrierenden Impfgegnern

Wann sie impfen, sollen die Zürcher Heime für sich behalten. Das empfehlen Behörden und Heimverband zum Schutz vor unangenehmen Überraschungen.

Jigme Garne
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Die Alters- und Pflegezentren im Kanton haben ihre Impftermine erhalten. Die Heime behalten ihre Impftermine aus Angst vor Impfgegnern für sich. (Symbolbild)

Die Alters- und Pflegezentren im Kanton haben ihre Impftermine erhalten. Die Heime behalten ihre Impftermine aus Angst vor Impfgegnern für sich. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Am Donnerstag haben sämtliche 450 Alters- und Pflegezen­tren im Kanton Zürich ihren eigenen Impftermin erhalten. Nach den grossen Institutionen können sich damit nun auch die kleinen Heime auf ihren Impftag vorbereiten. Vielerorts herrscht Anspannung. Die grösste Impfaktion in der Geschichte – das will niemand vermasseln. Wann sie ihre Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal impfen, sollen die Heime deshalb aus Sicherheitsgründen für sich behalten. Dies empfiehlt eine Arbeitsgruppe, welche die Impfungen in den Heimen organisiert. In dieser vertreten sind die Zürcher Gesundheitsdirektion und der Heimverband Curaviva Zürich.

Die Arbeitsgruppe befürchtet, dass Impfgegner vor den Heimen demonstrieren könnten. Sie hält es durchaus auch für denkbar, dass die Lieferung des knappen Impfstoffs Diebe auf den Plan rufen könnte. Oberste Priorität habe, dass die Impfungen ungestört durchgeführt werden können, heisst es.

«Vorsichtsmassnahmen sind leider nötig»

André Müller, Präsident des Heimverbands Curaviva Zürich, bestätigt: «Gewisse Vorsichtsmassnahmen sind leider nötig, um die Impfungen reibungslos durchzuführen.» Ihm seien zwar keine Vorkommnisse bekannt und es gebe keine Hinweise zu Demonstrationen oder Dieben. «Wir wollen es aber gar nicht erst so weit kommen lassen», sagt Müller, selbst Geschäftsleiter des Pflegeunternehmens KZU mit fünf Standorten im Zürcher Unterland. «Der Impftag ist schon so eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten.» Diese Empfehlungen werden ernst genommen: «Wie realistisch diese Gefahr ist, kann ich nicht beurteilen», sagt die Sprecherin einer Organisation mit mehreren Alterszentren in der Region Winterthur. «Vielleicht sind wir übervorsichtig? Wir gehen auf Nummer sicher und halten uns an diese Empfehlung.» Die Organisation will deshalb nicht in diesem Zusammenhang genannt werden.

Die Stadtzürcher Heime schirmen sich ab

Auch die 23 Stadtzürcher Alterszentren kommunizieren zurückhaltend. «Dass Impfgegner mobil machen könnten, ist etwas, womit wir allenfalls rechnen müssten», sagt Nicole Bittel, Sprecherin der städtischen Pflegezentren. Man wolle aus den Impfungen kein Medienspektakel machen. «Die Impfungen durchzuführen, ist eine komplexe Aufgabe und mit viel Aufwand verbunden. Dafür müssen wir uns abschirmen.»

Eine grosse Herausforderung stellt laut Curaviva-Präsident Müller der Umgang mit dem Impfstoff dar. Dieser wird nicht in Spritzen, sondern in Flaschen geliefert, die fünf bis sechs Impfdosen enthalten. In den Heimen müssen die Verantwortlichen den Impfstoff verdünnen und in Spritzen aufziehen, und dies ohne Erschütterungen, da sonst der Impfstoff seine Wirkung verlieren könnte. Sobald der Impfstoff portioniert ist, überlebt er laut Müller nicht länger als fünf Tage.

In den grossen Alterszentren mit eigenem Heimarzt beginnen die Impfungen am kommenden Montag, 18. Januar. Die kleineren Heime folgen ab Februar. Im Kanton Zürich beginnen nächste Woche auch erste Hausarztpraxen mit Impfen.