Das Angebot an Deutschkursen ist gross in der Stadt Zürich. Es wird auch gut genutzt. Dennoch beherrschen nicht alle Stadtzürcherinnen und -zürcher die deutsche Sprache. Rund 8 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sprechen im beruflichen oder privaten Umfeld kein Deutsch. Das sind um die 25'000 Personen. Etwa 8500 – knapp 3 Prozent – können weder eine Landessprache noch Englisch.

Während viele der Betroffenen erst kürzlich aus dem Ausland zugezogen sind, mangelt es anderen an Geld, am Integrationswillen oder an geeigneten Angeboten. Vor allem ältere Migrantinnen und Migranten tun sich schwer, Sprachkurse zu besuchen. Um den Einstieg in das Deutschlernen zu erleichtern oder überhaupt zu ermöglichen, subventioniert die Stadt seit 2009 spezielle Kurse. Sie werden von privaten Trägerschaften durchgeführt.

Die Frauen profitieren

Davon profitieren vor allem Frauen. Im letzten Jahr waren 90 Prozent der 1900 Teilnehmenden weiblich. Das liegt daran, dass die städtisch finanzierten Kurse tagsüber stattfinden und die Kinderbetreuung inbegriffen ist. «Frauen sind eine prioritäre Zielgruppe, aber wir hätten gerne mehr Männer», sagt Christof Meier, Leiter Integrationsförderung der Stadt Zürich.

Doch das ist schwierig. Abendkurse unterstützt die Stadt Zürich nicht, weil damit der private Markt zu stark konkurrenziert würde. Das scheint zu klappen. Reklamationen habe es bisher keine gegeben, sagt Meier. Sowieso fällt seine Bilanz positiv aus. «Die Leute besuchen heute früher Deutschkurse als noch vor ein paar Jahren. Und die Teilnehmenden machen Fortschritte.» Dennoch wird das Konzept nun angepasst und auf 2019 neu umgesetzt.

Ausgebaut werden zum Beispiel Niveaukurse, in die die Teilnehmenden je nach Vorkenntnissen und Lerntempo eingeteilt werden können. Vor zehn Jahren waren vor allem Einstiegskurse in den Quartieren gefragt. «Dieser Bedarf hat sich mittlerweile erschöpft – auch wegen der steigenden Mobilität», sagt Meier.

Fördern will die Stadt aber auch niederschwellige Angebote. Dazu gehören unter anderem Sprachtraining in einem Einkaufszentrum, Unterricht in der Bibliothek mit digitalen Lehrmitteln oder Aussprachelektionen mit Musik und Singen.

Vergabepraxis verschärft

Das Konzept muss aber auch deshalb angepasst werden, weil sich die rechtliche Situation verändert hat. Neu werden die Kurse submissionsrechtlich ausgeschrieben. «Die Praxis im Submissionsrecht hat sich verschärft. Und man ist sensibler geworden, was die Vergabe von Aufträgen betrifft», sagt Meier.

Gesucht wird nun für die Laufzeit von 2019 bis 2022: Ein Anbieter für sämtliche Niveaukurse, einer für Einstiegskurse in noch drei Quartieren und ein Spezialist für Alphabetisierungskurse. Ein weiterer Kredit, der verschiedene Anbieter berücksichtigen wird, ermöglicht andere spezielle Angebote für den Einstieg oder das Training der deutschen Sprache. Die vier Kredite belaufen sich auf total 1,5 Millionen Franken pro Jahr und müssen zunächst vom Zürcher Gemeinderat bewilligt werden. Die Chancen stehen gut. «Ich bin optimistisch», sagt auch Christof Meier. Ergänzt durch Beiträge der Teilnehmenden und des kantonalen Integrationsprogramms (KIP) könnten mit dem Kredit pro Jahr 162 Semesterkurse durchgeführt werden. Beantragt wird zudem ein Kredit in der Höhe von 240 000 Franken pro Jahr, der einkommensschwachen Personen kostenlose Kursbesuche ermöglicht.

Neu zahlen Auswärtige selber

Während die Stadt die Sprachförderung unterstützt, kürzt der Kanton die Mittel. Um 5,8 Millionen Franken zu sparen, hat er das Geld für alle Alphabetisierungskurse gestrichen. Das Schweizer Arbeiterhilfswerk SAH in Zürich musste Ende Juni das Angebot einstellen. Neun Mitarbeitende verloren ihre Stelle.

Auswirkungen hat die Kürzung auch auf die städtische Integrationsförderung. «Wer von ausserhalb der Stadt kommt, muss die vollen Kurskosten zahlen», sagt Meier. Diese betragen bei den Alphabetisierungskursen 20 Franken pro Lektion. «Das ist für viele unserer Teilnehmenden nicht zahlbar.» Subventioniert kostet eine Lektion 5 Franken. Die Regel sind fünf Lektionen pro Woche, 90 in einem Semester.