Kriminalität
Deutlich mehr Zürcher Jugendliche wegen Pornografie angezeigt

Im Kanton Zürich wurden 2019 so viele Jugendliche wie noch nie wegen Pornografie und Gewaltdarstellungen verzeigt. Insbesondere die Weiterverbreitung von pornografischem Material hat deutlich zugenommen.

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Bei den wegen Pronografie angezeigten Jugendlichen war oft ein Smartphone im Spiel.

Bei den wegen Pronografie angezeigten Jugendlichen war oft ein Smartphone im Spiel.

Ruedi Hirtl

278 Jugendliche seien im vergangenen Jahr im Kanton Zürich wegen Pronografie verzeigt worden, teilte die Oberjugendanwaltschaft am Dienstag mit. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Anstieg von 230 Prozent. Ein Grund für den Anstieg sei das Smartphone. Es sei immer zur Hand und führe dazu, dass viele Jugendliche erhaltene Videos, die sie beschämen, belustigen oder aufwühlen schnell einmal einfach weiterschicken, um sie zu teilen. Dabei sei in den meisten Fällen nicht bewusst, dass es sich dabei um illegale Gewaltdarstellungen handelt und die Weiterverbreitung strafbar ist. Die Oberjugendanwaltschaft nennt in ihrer Medienmitteilung ein Fallbeispiel eines Jugendlichen – die Verbreitung von Pornografie betrifft meist Jungen –, der wegen Pornografie verurteilt wurde:

Der 13-jährige A. erhält per Whatsapp ein Video mit tierpornografischem Inhalt. Er er-schrickt, als er die Videosequenz sieht und erzählt einem Kollegen davon, welcher das Video nun ebenfalls sehen möchte. A. leitet dieses daraufhin weiter und lädt es zugleich auf Instagram hoch. A. wird wegen Pornografie verurteilt.

(Quelle: Oberjugendanwaltschaft Kanton Zürich)

Auch bei den verbotenen Gewaltdarstellungen gab es einen starken Anstieg. 110 Jugendliche wurden deswegen angezeigt, was rund einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Häufig handle es sich dabei um Videos von einer Brutalität, die für Kinder und Jugendliche absolut ungeeignet seien, beispielsweise Suizid oder Tierquälerei. Auch hierzu publiziert die Oberjugendanwaltschaft eine Fallbeispiel:

Der 12-jährige B. erhält von einem gleichaltrigen Kollegen zwei Videos. Das erste zeigteinen Suizid, das zweite eine Tierquälerei. Obwohl er sich das erste Video kaum anschauenkann, stellt er es anschliessend in den Klassenchat, um es wenige Minutenspäter wieder zu löschen. Zu spät: Das Video wurde bereits von einem Klassenkameradenentdeckt. B. wird wegen Gewaltdarstellungen verurteilt.

(Quelle: Oberjugendanwaltschaft Kanton Zürich)

(sda/mma)