Unfallstatistik

Deutlich mehr Velounfälle: Können die Zürcher nicht mit E-Bikes umgehen?

Schweizerinnen und Schweizer stehen auf E-Bikes

Überdurchschnittlich oft stürzen unerfahrene Besitzer von E-Bikes. (Symbolbild)

Schweizerinnen und Schweizer stehen auf E-Bikes

Die Zahl der Velounfälle ist im Kanton Zürich im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Wie die Verkehrsunfallstatistik zeigt, stürzen Lenker von Elektrovelos oft ohne Dritteinwirkung. Ein E-Bike sei mehr als ein Velo, warnt nun die Stadt Zürich und empfiehlt Übungsfahrten auf einem ruhigen Gelände.

Die Verkehrsunfallstatistik (Vusta) weist für den Kanton Zürich eigentlich eine erfreuliche Entwicklung auf. Obwohl die Einwohnerzahl jährlich um rund 20'000 Personen steigt und jedes Jahr 10'000 Fahrzeuge neu registriert werden, ging 2015 die Zahl der schweren Verkehrsunfälle zurück.

So wurden im vergangenen Jahr auf den Zürcher Strassen 594 Personen schwer verletzt. Im Vergleich zum Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre entspricht dies einem geringfügigen Rückgang um ein Prozent.

Die Zahl der im Strassenverkehr Getöteten erreichte - zum dritten Mal in Folge - einen neuen Tiefststand. 23 Personen starben 2015. "1971, als 260 Menschen ums Leben kamen, waren es noch elf Mal mehr", sagte Frank Schwammberger, Verkehrspolizeichef der Kantonspolizei, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich.

Wegen Velounfällen ein "durchzogenes Jahr"

Dennoch gilt 2015 als "durchzogenes Jahr", wie Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit des Polizeidepartements der Stadt Zürich, sagte. Denn auf Stadtgebiet wurden nach einem langjährigen Abwärtstrend zum ersten Mal wieder mehr verunfallte Personen registriert.

Verantwortlich für diesen Anstieg sind die Velounfälle: 2015 wurden auf Stadtgebiet 425 Personen verletzt, im Fünfjahresdurchschnitt waren es nur 291.

Diesen Anstieg führte Brucks insbesondere darauf zurück, dass in der Stadt Zürich generell und im schönen Sommer im besonderen mehr Rad gefahren wurde. Dies allein erkläre die markante Zunahme der Zweiradunfälle aber nicht, sagte Brucks.

Hinzu komme ein "sprunghafter Anstieg" von Unfällen mit E-Bikes. Inzwischen ist auf Stadtgebiet an jedem zehnten Velounfall mit einem Verletzten ein Elektrofahrrad beteiligt.

E-Bike-Fahrer stürzen häufiger selbstverschuldet

"Eine Analyse hat gezeigt, dass sich ein wesentlicher Teil dieser Unfälle durch die Velofahrenden selbst verhindern liesse", sagte Brucks. In 41 Prozent der E-Bike-Unfälle stürze der Fahrer, ohne dass Dritte oder die Infrastruktur einen Einfluss habe. Beim herkömmlichen Velo liege der Anteil der Selbstunfälle bei 33 Prozent.

"Eine mangelnde Fahrpraxis spielt eine grosse Rolle", sagte Brucks. Ein E-Bike sei nicht einfach ein Velo, sondern ein motorisiertes Fahrzeug. In einer neuen Broschüre empfiehlt die Stadt deshalb, ausgiebige Probefahrten auf einem ruhigen Gelände durchzuführen, bevor man sich in "den anspruchsvollen städtischen Strassenverkehr" begibt.

Die Kantonspolizei Zürich analysiert derzeit die Situation ebenfalls und kündigt in den kommenden Monaten "entsprechende Massnahmen" an, wie Verkehrspolizeichef Schwammberger erklärte.

Denn der lange, warme Sommer 2015 hat kantonsweit zu "sehr viel mehr Zweiradunfällen" geführt. Die Kantonspolizei legt ihren Schwerpunkt dabei auf ältere Velo- und E-Bike-Fahrer, die gemäss Vusta überdurchschnittlich oft verunfallen.

Zwei unfallfreie Gemeinden

Insgesamt weist die Vusta für das vergangene Jahr auf den Zürcher Strassen insgesamt 14'395 Unfälle aus. Das sind acht Prozent mehr als im fünfjährigen Durchschnitt. In 11'193 Fällen blieb es bei einem Sachschaden.

Am häufigsten krachte es auf Nebenstrassen (rund 7300 Mal) und Hauptstrassen (3800). Auf Autobahnen wurden 1900 Unfälle registriert. In den Gemeinden Wasterkingen im Zürcher Unterland und Dorf im Weinland wurden der Polizei kein einziger Zusammenstoss gemeldet.

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