Deutlich mehr Stoppunfälle in Tram und Bus

In Trams hält man sich besser gut fest. Immer häufiger müssen Chauffeure abrupt bremsen.

Heinz Zürcher
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In der neusten Unfallstatistik der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) sticht ein Wert besonders hervor: die Zahl der Stoppunfälle – also jener Unfälle, die sich ereignen, weil der Lenker oder die Lenkerin des Trams oder Busses einen Notstopp einleiten musste. 253 Passagiere verletzten sich im vergangenen Jahr wegen eines solchen Brems­manövers. Im Vorjahr waren es noch 197. Seit 2013, seit die VBZ diese Fälle gesondert erfasst, war dieser Wert nie höher.

Die Unfallursache ist meistens, dass Fussgänger, Velofahrer, Trottifahrer oder Autofahrer unaufmerksam seien und die Fahrbahn kreuzten, sagt Jürg Widmer, Leiter Betrieb bei den VBZ: «Gerade unter Fussgängern beobachten wir vermehrt, dass sie aufs Handy schauen statt auf den Verkehr oder wegen aufgesetzter Kopfhörer das herannahende Fahrzeug nicht hören.»

Weniger Verletzungsgefahr in der Rushhour

Das grösste Risiko, sich bei einem Notstopp zu verletzen, sei nicht in der Rushhour, sagt Widmer. Während der Hauptverkehrszeiten seien Trams und Busse tendenziell langsamer unterwegs und zudem voller. «Im ‹Gmoscht› fällt man nicht so schnell um – in einem leeren Abteil stürzt man dagegen weiter und verletzt sich auch eher.»

Die VBZ rät ihren Fahrgästen, sich nach dem Einsteigen gleich hinzusetzen, den Platz während der Fahrt nicht zu wechseln und vor dem Aussteigen nicht zu früh aufzustehen. Wer keinen Sitzplatz finde, solle breit stehen und sich gut an einer Stange halten. «In fast allen Fällen hatten sich die betroffenen Fahrgäste nicht gut festgehalten», sagt Widmer. Die VBZ wollen nun die Massnahmen zur Reduktion von Stoppunfällen verstärken. 1500 Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse würden in diesem Jahr an Infoveranstaltungen zum Thema sicheres Verhalten im Tram und Bus instruiert. Weil sich bei Notstopps vor allem ältere Passagiere verletzen, werden auch die Präventionstrainings «sicher unterwegs» für Seniorinnen und Senioren weitergeführt. Letztes Jahr hatten insgesamt 800 Personen daran teilgenommen.

Geschult werde aber auch das Fahrpersonal, sagt Widmer. «Auch wenn eine Linie ver­spätet unterwegs ist, gilt es, defensiv zu fahren und Stop-and-go zu vermeiden.» Im Ausbildungsprogramm Eco-Drive-Smart wird das vorausschauende Fahren trainiert, um die Sicherheit der Fahrgäste sowie die Energieeffizienz im Betrieb zu steigern.

Erneut zwei tödliche Unfälle

Zugenommen hat bei den VBZ nebst den Stoppunfällen auch die Gesamtzahl der Unfälle mit Körperverletzungen, und zwar von 491 im Jahr 2018 auf 549 im letzten Jahr. 190 geschahen beim Ein- und Aussteigen (180 waren es im Vorjahr). Zudem ereigneten sich wie 2018 zwei tödliche Unfälle, einer im Januar und einer im Juli.