Vormarsch stoppen
Der Zürich bläst zur Anti-Neophyten-Offensive

Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger sagt den Neophyten den Kampf an. Mit zusätzlichen 200000 Franken und einer Verbreitungskarte soll der Vormarsch der Pflanzen gestoppt werden.

Deborah Stoffel
Merken
Drucken
Teilen
Der Riesen-Bärenklau löst schwere Verbrennungssymptome aus

Der Riesen-Bärenklau löst schwere Verbrennungssymptome aus

ZVG

Invasive Neophyten – so heissen die aus fremden Ländern eingeführten Pflanzen, die sich schnell vermehren und die hiesige Flora zurückdrängen. In der Schweiz sind sie zu einem ernsthaften Problem geworden. Zum Beispiel das Greiskraut. Normalerweise lassen Kühe dieses Kraut beiseite, da sie es nicht mögen. Getrocknet verliert es zwar seinen bitteren Geschmack – bleibt aber giftig.

Während Bauern längst für die Thematik sensibilisiert sind, hat die städtische Bevölkerung noch Wissenslücken. Gerade in der Stadt Zürich haben sich Neophyten in den letzten Jahren stark ausgebreitet, begünstigt durch das feuchte Klima am See und an den Flüssen. Goldrute, Ambrosia oder Springkraut wuchern vor allem auf brachliegenden Flächen und an Flussufern ungehindert. Einige der unerwünschten Pflanzen wurden einst als exotischer Gartenschmuck eingeführt. Heute sind elf Arten verboten, erlaubt sind nur noch Massnahmen zu ihrer Ausrottung.

In Zürich zieht die Politik jetzt die Notbremse. Für das Jahr 2015 hat der Gemeinderat zusätzliche 200 000 Franken zur Neophyten-Bekämpfung gesprochen, Grünstadt Zürich hat damit 350 000 Franken in der einschlägigen Kriegskasse. Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) informierte diese Woche die Medien, um den Schlachtplan vorzustellen. Das Budget sei zwar immer noch nicht hoch, bilanzierte er. «Doch damit haben wir eine Chance, immerhin eine weitere Ausbreitung der Neophyten zu verhindern.» Dieses Ziel hatte Grünstadt Zürich allerdings schon in den letzten Jahren verfolgt. Der Gemeinderat knüpfte an die zusätzlichen Gelder darum eine Leistungskontrolle.

Konkret soll eine Kennzahl darüber Aufschluss geben, wie gut die ergriffenen Massnahmen gegen die Neophyten wirken. «Bis 2017 werden wir diese Kennzahl erarbeiten», versprach Marc Werlen, Mediensprecher von Grünstadt Zürich. Um den Überblick über die Ausbreitung zu behalten, verzeichnen die städtischen Gärtner alle Fundstandorte im geografischen Informationssystem GIS. Für die Stadt Zürich sind dort aktuell 4000 Standorte erfasst und 40 Neophytenarten.

«Nötig ist eine kontinuierliche Bekämpfung», sagte Leutenegger, nicht einmal, sondern mehrmals. Die Grünstadt-Gärtner müssten ständig am Ball bleiben. Genauso wichtig sei es, Privatpersonen für den Kampf zu gewinnen. Deshalb veranstaltet Grünstadt Zürich am 22. Juni einen Aktionstag. «Wir wollen auch Hemd- und Anzugsträger dafür aus dem Büro holen», sagte Leutenegger.

Was weiter fehlt, ist ein Konzept, wie private Landeigentümer und Hobby-Gärtner dauerhaft in die Bekämpfung eingebunden werden können. Die Bekämpfung der verbotenen Pflanzen auf dem eigenen Grund ist keine Pflicht und wird nicht sanktioniert. Braucht es also Bussen? Leutenegger verneint: «Nein, sicher nicht. Sobald jemand weiss, was im eigenen Garten wuchert, hat er doch selbst ein Interesse, diese Pflanzen loszuwerden.»

Der Freisinnige setzt auf Freiwilligkeit und Aufklärung. Die Leute müssten auf das Problem aufmerksam gemacht werden, und zwar gerade jetzt im Frühling. «Ein einziger Neophyt hat bis zu 100 000 Samen.» Bis in einem Jahr will Grünstadt Zürich einen Motivationsplan schmieden, um die Leute zum freiwilligen Anpacken zu bewegen. Mediensprecher Werlen ist sich bewusst: «Da wartet noch ein grosses Stück Arbeit auf uns.»