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Der Zürcher Bahnpionier Alfred Escher fährt mit dem Gotthard-Zug

Die Holzbranche leidet unter dem starken Franken. Persönlichkeiten aus Holz sollen dabei Abhilfe schaffen.

Lina Giusto
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Alfred Escher steigt in Zürich in den Zug nach Lugano.
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Alfred Escher ist bereit für den Einstieg.
Künstler Inigo Gheyselinck hievt die Holzskulptur persönlich in den Wagen 7 des Zuges nach Lugano.
Schon nach wenigen Minuten kann Alfred Escher in der zweiten Klasse Platz nehmen.
Mit Schrauben und Drahtseilen wird er befestigt.
Wie es sich für jeden Fahrgast der SBB gehört: Auch Alfred Escher ist jetzt im Besitz des Swiss Pass.
Der ehemalige Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger nimmt neben dem ebenfalls ehemaligen Nationalratspräsidenten Platz.
Ein Selfie zusammen mit bem Bahnpionier gefällig?
Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt begrüsst den Ehrengast auf seiner ersten Fahrt durch den Gotthard.
Alfred Escher hat den Gotthardtunnel zwar erbaut, doch ist er noch vor seiner Eröffnung 1882 verstorben.

Alfred Escher steigt in Zürich in den Zug nach Lugano.

Keystone

Kein Geringerer als der Zürcher Bahnpionier Alfred Escher sass heute im Wagen 7 des 13.30-Uhr-Zuges von Zürich nach Lugano. Doch Moment: Ist der ehemalige Nationalratspräsident nicht bereits 1882 verstorben? So sitzt er auch nicht leibhaftig im Zug durch den Gotthard, sondern als Holzstatue. Und wie es sich für jeden Fahrgast der SBB gehört, ist nun auch Alfred Escher im Besitze eines Swiss Pass. Mit diesem fährt der berühmte Zürcher aus Holz nun ein Jahr lang quer durch die Schweiz.

Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), sagte heute vor den Anwesenden auf dem Gleis 10: «Obwohl Alfred Escher den Gotthardtunnel bauen liess, wird er erst heute zum ersten Mal durch den Tunnel fahren.» Escher starb nämlich kurz nach der Eröffnung des Jahrhundertbaus 1882 und konnte wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht am Anlass teilnehmen.

Die Figur ist im Rahmen der Woodvetia-Kampagne des Bafu entstanden. Damit will das eidgenössische Amt auf die hiesige Holz- und Waldbranche aufmerksam machen. Wegen des starken Frankens werde nun öfters günstigeres Holz aus dem Ausland importiert. Wie Hess sagt, könnte im Inland viel mehr Bäume gefällt werden, ohne dem Wald zu schaden. «Deshalb soll die Bevölkerung sensibilisiert werden, bei Neubauten, Umbauten oder Renovationen sowie dem Kauf von Möbeln Schweizer Holz zu wählen», so Hess weiter.

Holz vom Herkunftsort

Die Figur von Alfred Escher hat der Zürcher Künstler Inigo Gheyselinck geschaffen. Zusammen mit Förster, Säger und Schreiner hat Gheyselinck eine rund 150-jährige Eiche aus Regensdorf als Grundmaterial für die Statue ausgewählt. Auch die Wahl der Holzart ist dem Zürcher Bahnpionier gewidmet. Zu Eschers Lebzeiten wurden Bahnschwellen nämlich noch aus Eichenholz gefertigt. Bevor aber aus dem gefällten Baumstamm Alfred Escher wurde, modellierte der Künstler das Gesicht Eschers aus Ton.

Die Sicherheitsholzerei der SBB liegt zwischen Regensdorf und Zürich.
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Die Eiche ist rund 150 Jahre alt.
Und daraus soll nun eine Statue des berühmten Bahnpioniers, Alfred Escher, entstehen.
Künstler Inigo Gheyselinck (rechts) sucht zusammen mit Förster, Säger und Schreiner den Baum aus.
Die Eiche hat einen Durchmesser von rund einem Meter.
In der Sägerei wird der Baumstamm dann in rund 1,70 Meter lange Stücke zersägt.
Die Fräse sägt Konturen von Alfred Escher ins Holz. Die Daten wurden mittels 3D-Scanner von einem Tonmodell abgelesen.
Die Feinarbeit erledigt Gheyselinck dann von Hand.
DerRumpf von Escher. Es fehlen noch die Beine.
Und diese Statue von Alfred Escher fährt nun ein Jahr lang mit der SBB quer durch die Schweiz.

Die Sicherheitsholzerei der SBB liegt zwischen Regensdorf und Zürich.

Limmattaler Zeitung

Mit einem 3D-Scan hat der Künstler dann die Daten der Kopfstruktur Eschers aus Ton auf eine Fräse programmiert. So erhielt der Baumstamm die Konturen und Gesichtszüge der Zürcher Persönlichkeit. «Holz selber hat eine Struktur, eine Färbung, es gibt Maserungen und Verästelungen. Diese Eigenschaften hauchen der Statue Leben ein», sagt Inigo Gheyselinck. Weil es einen Baum in seiner Struktur nur einmal gebe, sei die Figur einzigartig. Das sei das faszinierende an der Arbeit mit Holz, so der Künstler.

Es ist bereits die vierte Skulptur die im Rahmen des Projektes entstanden ist. Bereits geehrt wurden Schweizer Persönlichkeiten wie die Heidi-Autorin Johanna Spyri, der Ingenieur und Physiker Auguste Piccard sowie Marie Tussaud, die mit dem gleichnamigen Wachsfigurenkabinett weltweite Berühmtheit erlangte. Für alle Figuren wird jeweils Holz aus Regionen gewählt, zu denen die Berühmtheiten einen Bezug hatten. So wurde Tussaud aus einer Berner Winterlinde, Piccard aus einer Basler Erle und Spyri aus einer Maienfelder Waldföhre gefertigt.