Religion
«Der Zugang zu den Moscheen soll gut kontrolliert werden»

Der Winterthurer Stadtpräsident traf sich mit Vertretern lokaler Moscheen – sein Fazit: Man sei nun um einiges besser vernetzt als noch vor einem Jahr.

Mirko Plüss
Drucken
Teilen
«Muslime sollen nicht unter Generalverdacht gestellt werden.» Michael Künzle, Stadtpräsident von Winterthur.

«Muslime sollen nicht unter Generalverdacht gestellt werden.» Michael Künzle, Stadtpräsident von Winterthur.

Marc Dahinden

Michael Künzle (CVP) lud Ende letzte Woche Vertreter der islamischen Gemeinschaften in den Superblock in Winterthur. Bei der «Aussprache» im neuen Stadtratssaal wurden laut Medienmitteilung «aktuelle Herausforderungen und gegenseitige Erwartungen diskutiert». Auf Anfrage präzisiert Künzle: «Besprochen wurde insbesondere das Thema Radikalisierung von jungen Muslimen.»

Zahlreich sind die Beispiele von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die von Winterthur in den Dschihad nach Syrien gereist sind. Die An’Nur-Moschee in Hegi sowie die Koran-Verteilaktion «Lies!» kamen vermehrt unter Beschuss, zuletzt wurden auch die schweigenden Behörden kritisiert.

Künzle lud an das Gespräch auch die Leiterin der Fachstelle Integrationsförderung sowie die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt ein. Am Stadtratstisch nahmen zudem die Präsidenten und Vorstandsmitglieder sowie alle Imame der sechs Winterthurer Moscheegemeinden Platz.

Moscheen unter Druck

Konkrete Ergebnisse zum gegenseitigen Austausch teilt Künzle auch auf Nachfrage nicht mit, jedoch sagt er, die städtischen Kontakte zu den Moscheen seien ausgebaut worden. Zudem sei ein weiteres Treffen auf den nächsten Frühling angesetzt worden.

Laut dem Stadtpräsidenten stehen die Moscheegemeinden unter einem hohen Druck, was die Radikalisierungen anbelangt. «Wir wollen nicht, dass die muslimische Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt wird. Auch die Moscheegemeinden wollen unbedingt verhindern, dass Jugendliche nach Syrien reisen, doch wissen sie nicht immer, wie sie an die Betroffenen herankommen können.»

Was sollen die Moscheevertreter nun tun, wenn sie einen konkreten Verdacht haben? Eine zentrale städtische «Notfall-Stelle», wie sie auch schon gefordert wurde, lehnt Künzle aus Mangel an Bedarf ab. Er betont: «Für gemeinsame Präventionsmassnahmen gegen Radikalisierung stehen den Präsidenten und Imamen neben der Brückenbauer-Stelle der Kantonspolizei auch die Integrationsförderung und Jugendarbeiter als direkte Ansprechpartner zur Verfügung.» Die Stadt begnügt sich nicht nur mit der Suche nach gemeinsamen Lösungen, sondern stellte ihrerseits auch eine klare Forderung an die Moscheen: «Wir wollen, dass der Zugang gut kontrolliert wird.»

Künzle ist zufrieden: «Falls die Fälle von Radikalisierungen ansteigen sollten, wären wir nun um einiges besser vernetzt als noch vor einem Jahr.»

Die muslimischen Vertreter berichten ebenfalls von einem «sehr guten Gespräch». Sie äussern sich nur schriftlich über die Kommission Winterthurer Moscheen. Diese vereint Vertreter aller Winterthurer Moscheen. Obwohl die Kommission bereits 2014 gegründet wurde, tritt sie erst seit kurzem auch nach aussen hin geschlossen auf. «Die Stadt und wir sind bestrebt, alles Mögliche zu tun, damit sich niemand in Winterthur radikalisieren lässt», heisst es auf Anfrage. Die Kommission werde sich zudem in naher Zukunft öfter treffen, «um aktuelle Herausforderungen schon frühzeitig zu erkennen». Ziel sei es, «das interkulturelle Leben in unserer schönen Stadt in Frieden weiterleben zu können».

Zweites Treffen – nun offiziell

Bereits eine Woche vor dem Superblock-Gespräch initiierte Szenekenner Blerim Bunjaku ein Treffen mit Moscheevertretern. Einige Teilnehmer hatten damals schon erwartet, dass auch Vertreter seitens der Stadt teilnehmen würden. Hatten sich die Behörden beim ersten Treffen kurzfristig zurückgezogen? Künzle verneint. «Wir hatten Herrn Bunjaku schon früh mitgeteilt, dass wir eine eigene Veranstaltung durchführen werden. Die Missverständnisse entstanden, weil Bunjaku den Moscheevertretern mehr versprach, als er halten konnte.»