Coronavirus

Der Zoo Zürich verliert eine Million Franken pro Woche: Nun soll der Kanton helfen

Besuch im Zoo Zürich

Die Löwen haben es im Zoo Zürich momentan sehr ruhig: Das kommt den Zoo teuer zu stehen.

Besuch im Zoo Zürich

Tierparks müssen weiterhin geschlossen bleiben, Geld gibt es dafür nicht. Das will eine SVP-Kantonsrätin ändern.

Die Enttäuschung der Zoos und Tierparks war diese Woche gross. Ihr Dachverband lobbyierte beim Bund, damit sie doch noch vor dem 8. Juni wiedereröffnen dürfen – doch diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Die Kosten für den Betrieb laufen indessen weiter. Bundesgelder gibt es nicht zur Entschädigung. Den finanziellen Schaden müssen die Tierparks selber tragen. Der Zoo Zürich verliert beispielsweise wöchentlich rund eine Million Franken.

Nun werden Stimmen laut, dass der Kanton einspringen soll. Der Ruf nach Staatsgeldern kommt dabei überraschenderweise von bürgerlicher Seite: SVP-Kantonsrätin Romaine Rogenmoser hat beim Regierungsrat eine Anfrage zur finanziellen Unterstützung von Zoos und Tiergärten eingereicht. Die Bülacherin stört sich daran, dass Zoos nicht gleich behandelt werden wie kulturelle Institutionen, die am 11. Mai wieder öffnen durften.

Es sei wohl unbestritten, dass Zoos und Tiergärten gemeinnützige Institutionen seien, schreibt Rogenmoser in ihrer Anfrage. Sie hätten überdies einen Forschungs- und Bildungsauftrag. Ebenso sei unbestritten, dass Zoos ihre lau­fenden Kosten nicht stark herunterfahren könnten. Da die Tiere weiterhin versorgt werden müssten, sei Kurzarbeit kaum möglich.

Die Politikerin und zweifache Mutter sagt auf Anfrage, sie habe keinen speziellen Bezug zu Tierparks. «Wie für viele andere Menschen hat der Zoo aber auch für mich einen emotionalen Wert.» Der Beweggrund für ihre Anfrage sei jedoch ein anderer. «Ich tue dies aus der Warte als Mitglied der Finanzkommission.» In dieser Funktion habe sie Einblick, welchen Institutionen während der Coronakrise Geld gesprochen würden und welchen nicht – und wie dies jeweils begründet werde.

Bis jetzt kaum Unterstützung

Dass Zoos und Tierparks leer ausgehen, versteht Rogenmoser nicht. Vom Regierungsrat will sie nun wissen, ob die Zoos vom Kanton finanzielle Unterstützung aus den bereits gesprochenen «Corona-Geldern» erhalten. Die Frage ist wohl eher rhetorisch formuliert, denn die Antwort darauf kennt die SVP-Politikerin im Grunde. Der Zoo Zürich etwa erhält derzeit weder vom Bund noch vom Kanton Geld, wie Zoodirektor Alex Rübel auf Anfrage bestätigt. «Ausser in den Nicht-Tierbereichen wie Gastronomie und Events, wo wir Kurzarbeitsentschädigung erhalten, gab es bis jetzt keine Unterstützung.»

Ähnlich verhält es sich beim Tierpark Langenberg in Sihlwald. Glück hat hingegen der Wildpark Bruderhaus in Winterthur, der steuerfinanziert ist und für den Besucher keinen Eintritt bezahlen. Er schreibt dadurch keine Verluste, während er geschlossen ist.

Für jene Zoos, die einen finanziellen Schaden davon tragen, sucht Rogenmoser eine Lösung. Sie bringt den Lotteriefonds ins Spiel. «Grundsätzlich entspricht es den Vorgaben des Lotteriefonds, dass genau solche Institutionen wie Tiergärten und Zoos in den Genuss dieser Gelder kommen sollen», schreibt sie in ihrer Anfrage. Weshalb in dieser ausserordentlich schwierigen Zeit nur kulturelle Institutionen und Veranstalter berücksichtigt würden, bedürfe einer Erklärung des Regierungsrates.

Dessen Antwort ist noch ausstehend. Am Mittwoch kündigte er an, dass er dem Parlament Nachtragskredite in der Höhe von mehreren Millionen Franken für Tourismusförderung und kommerzielle Kulturunternehmen beantragt. Für den Zoo ist aber bisher nichts vorgesehen. Vergessen hat die Zürcher Regierung die Tierparks jedoch nicht. «Ich weiss, dass sich der Regierungsrat bereits für die Zoos beim Bundesrat eingesetzt hat und das weiter macht», sagt Zoodirektor Rübel.

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