Zirkus Knie
Der Zirkus Knie gastiert das letzte Mal auf der Landiwiese

Es ist die 95. Tournee seit der ersten im Jahr 1919. Wenn im kommenden Jahr der Sechseläutenplatz fertig ist, wird der Zirkus nach Jahren erstmals wieder an seinem Stammplatz stehen.

Michael Rüegg
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Fredy Knie Junior und Claudio Zuccolini
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Fredy Knie Junior
Die Stühle dürfen nicht fehlen
Claudio Zuccolini
Zirkus Knie

Fredy Knie Junior und Claudio Zuccolini

Keystone

Um sechs Uhr in der Früh begann gestern auf der Landiwiese in Zürich Wollishofen der Aufbau des Zeltes. Als Franco und Fredy Knie Junior um halb zehn die Zürcher Presse begrüssten, war es bereits halb aufgebaut. Aufbau, Abbau, Wiederaufbau. Im grössten Schweizer Zirkus ist das Routine.

Elefanten Hautnah

Morgen Samstag, 4. Mai, lädt der Zirkus Knie zur «Elefanten-Matinée» auf der Zürcher Landiwiese. Besucher können von 9 bis 12 Uhr drei Elefantendamen des Zirkus aus nächster Nähe erleben. Um
10 Uhr findet eine kommentierte Elefantenprobe statt. Der Eintritt ist an diesem Morgen kostenlos.

Programm sitzt

«Das Programm ist jetzt eingelaufen», sagte Fredy Knie Junior gegenüber Journalisten. Am 21. März war Premiere in Rapperswil, seither war der Tross unterwegs. Zu Reden gegeben hatte die Kritik mehrerer Boulevard-Medien an Gastkomiker Claudio Zuccolini. Fredy Knie sprach gestern von einer Kampagne gegen den Bündner, «die ins Bösartige» gegangen war. Zuccolini tritt im aktuellen Programm zusammen mit einem Hund auf. «Claudio hatte eine sehr schwere Zeit», sagte Fredy Junior.

Diese Zeit scheint nun überwunden. Zuccolini gab sich gestern relativ optimistisch. Und auch Knie selber markierte Zufriedenheit: «Die Nummern funktionieren jetzt.»

Claudio Zuccolini und sein Hund Herr Zuccolini, im Zirkus Knie hatten sie vor einigen Wochen einen schlechten Start. Was lief schief?Die Premiere in Rapperswil war die erste richtige Vorstellung vor Publikum. Erst da haben wir gemerkt, was funktioniert. Vieles war Neuland. Auf der Bühne habe ich bisher vor allem erzählt, im Zirkus wollte ich etwas anderes machen.Die Manege war Neuland für Sie?Ja, absolut. Deshalb hatte ich auch den Anspruch, etwas Neues auszuprobieren. Mittlerweile haben wir sehr an meinen Nummern gearbeitet. Ich habe auch wieder Altbewährtes hineingenommen. Nun gibt es Abende, an denen es super läuft, bei anderen halt etwas weniger. Die Leute kommen ja nicht ausschliesslich wegen mir in den Zirkus.Wie gefällt Ihnen das Zirkusleben so?Es war eine Umstellung, aber es gefällt mir. Man darf sich das allerdings nicht zu spektakulär vorstellen. Ich lebe auch im Wohnwagen, was bei dem Wetter der letzten Wochen nicht immer angenehm war. Hier in Zürich werde ich nun ab und zu auch zu Hause bei meiner Familie übernachten.Haben Sie Kontakt zu den Artisten?Teilweise. Aber es gibt Tage, da sieht man praktisch niemanden. Ich spreche leider auch sehr, sehr schlecht Russisch, Chinesisch und Koreanisch.

Claudio Zuccolini und sein Hund Herr Zuccolini, im Zirkus Knie hatten sie vor einigen Wochen einen schlechten Start. Was lief schief?Die Premiere in Rapperswil war die erste richtige Vorstellung vor Publikum. Erst da haben wir gemerkt, was funktioniert. Vieles war Neuland. Auf der Bühne habe ich bisher vor allem erzählt, im Zirkus wollte ich etwas anderes machen.Die Manege war Neuland für Sie?Ja, absolut. Deshalb hatte ich auch den Anspruch, etwas Neues auszuprobieren. Mittlerweile haben wir sehr an meinen Nummern gearbeitet. Ich habe auch wieder Altbewährtes hineingenommen. Nun gibt es Abende, an denen es super läuft, bei anderen halt etwas weniger. Die Leute kommen ja nicht ausschliesslich wegen mir in den Zirkus.Wie gefällt Ihnen das Zirkusleben so?Es war eine Umstellung, aber es gefällt mir. Man darf sich das allerdings nicht zu spektakulär vorstellen. Ich lebe auch im Wohnwagen, was bei dem Wetter der letzten Wochen nicht immer angenehm war. Hier in Zürich werde ich nun ab und zu auch zu Hause bei meiner Familie übernachten.Haben Sie Kontakt zu den Artisten?Teilweise. Aber es gibt Tage, da sieht man praktisch niemanden. Ich spreche leider auch sehr, sehr schlecht Russisch, Chinesisch und Koreanisch.

Keystone

Mit von der Partie ist auch eine Trapezkünstlergruppe aus Nordkorea, die «Flying Girls From Pyongyang». Darauf angesprochen erklärt Knie, dass der Zirkus unpolitisch sei und schon seit Jahren mit nordkoreanischen Künstlern arbeite.

«In Trapeznummern sind sie Weltklasse», so Knie. Die Verträge macht er jeweils mit dem zuständigen Ministerium in Nordkorea. Die Künstler werden auch von einem ministeriumseigenen Dolmetscher begleitet, sowie weiterer Entourage. «Früher war das auch bei chinesischen und sowjetischen Artisten gang und gäbe», so Knie. Mittlerweile praktizieren nur noch die Nordkoreaner diese «enge Form der Begleitung».

Der Zirkus wird nun bis zum 2. Juni in Zürich gastieren. Es ist die 95. Tournee seit der ersten im Jahr 1919. Wenn im kommenden Jahr der Sechseläutenplatz fertig ist, wird der Zirkus nach Jahren erstmals wieder an seinem Stammplatz stehen. «Darauf freuen wir uns sehr», so Franco Knie. Doch der geplante Wechsel zurück auf den Sechseläutenplatz bringt für die Knies auch weniger Erfreuliches mit sich: «Wegen einer Bauminsel können wir unser Vorzelt dort nicht aufbauen», sagt Franco Knie, «deshalb müssen wir für viel Geld eine neue Infrastruktur anschaffen.»

Transport auf Schiene und Strasse

351 Vorstellungen gibt der Zirkus diese Saison in 43 Schweizer Städten. Neben 50 Artisten sind insgesamt rund 200 Mitarbeiter am Gelingen der Vorstellungen beteiligt, viele davon in Mehrfachfunktionen, und etliche seit vielen Jahren. Angereist ist der Zirkus grossteils mit der Bahn.
Im Gepäck hatte er neben Zelt und Manege natürlich auch die drei Elefanten, 36 Pferde, Büffel, Kamele, Ponys, Zebras und Lamas - deren exotischer Duft nun während fünf Wochen die Wollishofer Luft erfüllt.