Zürich
Der Zirkus Knie feiert Premiere an seinem neuen, alten Stammplatz

Der Zirkus gastiert wieder an seinem Traditionsort. Doch der neue Platz fordert ihn auch heraus: Der Zirkus ist selbst dafür verantwortlich, den Platz vorschriftsgemäss zu schützen.

nicole döbeli
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Der Aufbau des Zirkuszeltes war gestern bei strömendem Regen in vollem Gange.

Der Aufbau des Zirkuszeltes war gestern bei strömendem Regen in vollem Gange.

David Baer

Das Zelt wird langsam hochgezogen, und zum ersten Mal seit vier Jahren ist auf dem Sechseläutenplatz wieder die Knie-Manege zu sehen. Statt Elefanten oder Akrobaten stehen jedoch zwei Arbeiter in orangefarbenen Westen auf dem Sägemehl. Draussen müssen Arbeiter im Sekundentakt Kübel voll Wasser aus den noch schlaffen Falten der Zeltplane schöpfen. Der Aufbau ist trotz strömenden Regens in vollem Gange. Das Wetter sei nicht optimal, bis jetzt laufe aber alles nach Plan, sagt Peter Küchler, Medienverantwortlicher des Schweizer Nationalzirkus.

Ein detaillierter Plan ist dieses Jahr nötig, denn der Zirkus kann seine Pflöcke nicht mehr einfach im Boden versenken. Das Zürcher Tiefbauamt musste schon beim Bau des Sechseläutenplatzes für den Knie mitdenken. Über die ganze Fläche verteilt lassen sich Platten herausheben, unter denen sich Löcher und Halterungen für Pfosten und die 20 Meter hohen Hauptmasten verbergen. Alle Vorrichtungen des Zirkus müssen zusätzlich auf Holzbrettern stehen, damit die Steinplatten aus Quarzit geschont werden. 1500 Stück werden laut Küchler verlegt: «Es ist ungewohnt und braucht etwas Übung.» Für den Aufbau wurden darum auch extra zwei Tage eingeplant. Am ersten soll das Chapiteau zu stehen kommen, bis heute Abend dann der Zirkuszoo aufgebaut sein. Angst um den Boden hat Küchler nicht. Ein gewisses Risiko bestehe natürlich immer, aber es müsste schon etwas sehr schweres auf den Platz donnern, damit die Platten brächen.

Trotzdem ist es ein Mehraufwand für die Knie-Mitarbeiter. Jeder Veranstalter auf dem Sechseläutenplatz ist selbst dafür verantwortlich, den Platz vorschriftsgemäss zu schützen. Die 1500 Bretter werden nur am Bellevue gebraucht, danach kommen sie in ein Lager. Auch die extra angefertigten Vorzelte werden im Juni wieder versorgt. Trotz der etwas grösseren Fläche, die dem Zirkus zur Verfügung steht, konnte das normale Vorzelt nicht um die neu gepflanzten Bäumchen herum aufgestellt werden. Insgesamt benötigt der Knie mit Chapiteau, Zirkuszoo und Wagenpark rund 17 000 Quadratmeter. Immerhin bereite das Wasserspiel keinerlei Probleme, ausser dass am Montag einige Besucher unfreiwillig geduscht worden seien, sagt Küchler. Jetzt ist es endgültig ausgeschaltet und eines der neuen Vorzelte darüber platziert.

«Ein Heimkommen für uns»

Fredy Knie ist froh, dass der Zirkus wieder am Traditionsort gastieren kann: «Es ist ein Heimkommen für uns.» Der Aufbau sei jetzt zwar etwas komplizierter, aber für den schönen Platz nehme man das in Kauf. Auf jeden Fall sei es besser, als jedes Mal die Wiese kaputtmachen zu müssen. Zufrieden ist Knie auch, weil der Platz deutlich einfacher zu erreichen ist als die Landiwiese, wo der Zirkus die letzten vier Jahre untergekommen war. «Mit dem öffentlichen Verkehr ist man viel schneller am Bellevue und die unterirdischen Parkplätze sind praktisch für die Besucher.» Die zentralere Lage sei schon beim Aufstellen spürbar, viel mehr Passanten kämen auf die Mitarbeiter zu oder inspizierten das Gelände.

Auch der Vorverkauf der Tickets ist laut Knie gut angelaufen – besser als auf der Landiwiese. Ob die Vorstellungen dann auch besser besucht würden, werde sich noch zeigen. Morgen feiert der Zirkus Knie Premiere an seinem neuen, alten Standort.