Zürich
Der Wert von Zürcher Bienen liegt bei 23 Millionen Franken

Sechs Prozent der Anbaufläche im Kanton Zürich sind abhängig von der Bestäubung durch Insekten. Agroscope-Forscher haben erstmals den ökonomischen Wert von Honig- und Wildbienen berechnet.

Lina Giusto
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Das bestäubungsabhängige Kulturland im Kanton Zürich ist mit 2,74 Honigbienenvölkern pro Hektare abgedeckt.

Das bestäubungsabhängige Kulturland im Kanton Zürich ist mit 2,74 Honigbienenvölkern pro Hektare abgedeckt.

Walter Schwager

Der Kanton Zürich hat die fünftgrösste landwirtschaftliche Nutzfläche schweizweit. Knapp sechs Prozent – insgesamt 4359 Hektaren Land – gelten davon als bestäubungsabhängige Fläche. Der Ertrag dieser landwirtschaftlichen Kulturen ist also von der Bestäubung von Insekten abhängig. Die wichtigsten Bestäuber für Ackerbau, Obst und Beeren sind die Honig- und Wildbienen. Laut den Agroscope-Forschern gibt es im Kanton Zürich pro Hektare rund 2,74 Honigbienenvölker. «Dieser Wert gilt als im Mittel ausreichend. Je nach Kultur wird es unter 2,5 oder 2 Bienenvölker pro Hektare unter Umständen knapp, wenn Wildbienen, welche in der Studie nicht betrachtet wurden, nicht auch noch ihren Beitrag leisten», sagt Louis Sutter, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Agroscope und Erstautor der Studie «Nachfrage, Angebot und Wert der Insektenbestäubung in der Schweizer Landwirtschaft».

Die Honig- und Wildbienen-Population steht wegen Milben, Krankheiten und durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie dem Mangel an geeigneten Blütenpflanzen unter Druck. Deshalb haben Forscher für bestimmte Regionen Europas sogenannte Bestäubungsdefizite in der Landwirtschaftsproduktion eruiert.

Ernte mit Bestäubung steigern

Solche Berechnungen fehlen bislang für die Schweiz und ihre Regionen. Darum hat der Agroscope-Forscher den Anteil an bestäubungsabhängigen Kulturen nach Kantonen sowie deren Abdeckung durch Honigbienen ermittelt. Zudem berechnete Sutter den ökonomischen Wert der Bestäubung durch Insekten für die Schweiz.

Der Wert der Bestäubung von Kulturpflanzen durch Bienen ist beachtlich: Für das Jahr 2014 wird für die ganze Schweiz mit einem Betrag von 342 Millionen Franken gerechnet. Setzt man den Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche des Kantons Zürich in Relation zur ganzen Schweiz, liegt der ökonomische Wert der Insektenbestäubung laut Sutter im Kanton Zürich bei 23 Millionen Franken pro Jahr. «Das ist aber lediglich eine Schätzung», so Sutter weiter. Die ermittelten Werte lassen sich aus allen im Inland gewerbsmässig angebauten Kulturen, ihrer Abhängigkeit von der Bienenbestäubung sowie der Jahresproduktion und ihrem endgültigen Verkaufspreis berechnen, erklärt der Forscher.

Die dabei untersuchten bestäubungsabhängigen Kulturen umfassen den Anbau von Raps, Sonnenblume und Ackerbohne, sowie alle gewerbsmässig angepflanzten Obstsorten sowie ein- und mehrjährige Beeren. Die Flächenangaben stammen dabei vom Bundesamt für Statistik. Das Bundesamt für Landwirtschaft wie auch die kantonalen Veterinärämter lieferten Daten zur Zahl der in den einzelnen Regionen vorhandenen Honigbienenvölker. Wie diese Zahlen zeigen, ist die räumliche Abdeckung durch die Honigbiene in der Schweiz im Schnitt relativ gut. Jedoch sind in vielen Gemeinden lokal zu wenige Honigbienenvölker ansässig, um alle bestäubungsabhängigen Kulturen ausreichend zu versorgen. In Kantonen mit über 90 Prozent an bestäubungsabhängigen Flächen sind 2,74 Bienenvölker pro Hektare ausreichend. Unter diesen Wert fallen lediglich die Kantone Fribourg, Jura, Wallis, Waadt, Genf und Schaffhausen.

Damit die Bestäubung der Landwirtschaftskulturen sichergestellt ist, werden gezielt Honigbienen und käufliche Wildbienen eingesetzt, wie in der Studie weiter steht. Zum anderen werden gemäss dem Nationalen Massnahmenplan für die Gesundheit der Bienen Landschaften mit Buntbrachen, Hecken und Blühstreifen entsprechend gestaltet. Denn wie die Forscher in der Studie zum Schluss gelangen, kann auf 14 Prozent der Ackerflächen durch Insektenbestäubung der Ertrag gesteigert werden. Ob und in welchem Ausmass regionale Bestäubungsdefizite existieren oder künftig entstehen, ist derzeit noch offen. Sutter sagt: «Wir messen zurzeit auf total 84 landwirtschaftlichen Flächen in der ganzen Schweiz die Defizite in Kirsche, Apfel, Ackerbohnen und Himbeeren.»