Das wirtschaftliche Image der Stadt Zürich ist geprägt von den Banken und Versicherungen. Doch neben dem Finanzplatz existiert in Zürich auch ein bedeutender Werkplatz: Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zur Zukunft des Werkplatzes Zürich existieren in den drei Bereichen gewerblich-industrielle Produktion, Hightech-Industrie und Kreativwirtschaft rund 76 000 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente, Stand 2014). Dies entspricht mehr als einem Fünftel der per Ende 2014 in der Beschäftigungsstatistik der Stadt ausgewiesenen Arbeitsplätze. Der Anteil des Werkplatzes an der Gesamtbeschäftigung ist von 1995 bis 2014 fast konstant geblieben. Innerhalb der drei Bereiche gab es jedoch grössere Verschiebungen.

Die Kreativwirtschaft gehörte nach früheren Definitionen nicht zum Werkplatz. Für die von der Stadtentwicklung Zürich in Auftrag gegebene Studie wurde sie jedoch bewusst mitberücksichtigt. «Der Werkplatz ist längst keine homogene Angelegenheit mehr», sagt Günther Arber, Bereichsleiter Gesellschaft und Raum bei Stadtentwicklung Zürich. Zur Kreativwirtschaft im weiteren Sinne gehören beispielsweise das Kunsthandwerk, aber auch Unternehmensberatung und Softwareindustrie.

«Markante Unterschiede»

Die Studie, welche die Situation in der Stadt Zürich analysiert, wurde parallel zu einer landesweiten Studie des Schweizerischen Städteverbands in Auftrag gegeben. «Wir wollten genau wissen, wie es bei uns aussieht», sagt Arber. Gerade bei der Bedeutung Kreativwirtschaft gebe es zwischen Zürich und anderen Städten «markante Unterschiede».

Im Schweizer Durchschnitt betrug der Anteil der Kreativwirtschaft am gesamten Werkplatz im Jahr 2014 nur 22 Prozent, während es in der Stadt Zürich 64 Prozent waren. Die Zahl der Vollzeitäquivalente in diesem Bereich hat sich von 1995 bis 2014 etwa verdoppelt. Gleichzeitig büsste die gewerblich-industrielle Produktion rund einen Drittel, die Hightech-Industrie die Hälfte ein. «Vor allem der Einbruch bei der gewerblich-industriellen Produktion war in Zürich stärker als im Schweizer Durchschnitt», sagt Arber. Trotzdem sei der Anteil des Bereichs an der gesamten Beschäftigung in Zürich im Vergleich mit den anderen Schweizer Grossstädten immer noch überdurchschnittlich hoch.

Boden ist knapp und teuer

Eine wichtige Ursache für die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist der knappe Boden in der Stadt. «Die Flächenkonkurrenz hat vor allem dem produzierenden Gewerbe zugesetzt», sagt Arber. Laut der Studie hat sich die Beschäftigungsentwicklung in der Stadt bis vor kurzem stark in Richtung Dienstleistungssektor (vor allem Finanzmarkt und IT) verlagert. Die gewerblich-industrielle Produktion sei dadurch verdrängt worden. «Es geht nun darum, die noch bestehenden Flächen für Industrie und Gewerbe zu sichern», sagt Arber. Grosse Hoffnungen auf ein Comeback der Produktion gibt es jedoch nicht.

Arber sagt, man könne den Anteil an der Beschäftigung bei der gewerblich-industriellen Produktion und im High-Tech-Bereich bei guten Rahmenbedingungen konstant halten. Eine Trendwende sei nicht realistisch.

Der knappe Boden und die hohen Preise für Wohn- und Geschäftsliegenschaften sind jedoch auch für die Kreativwirtschaft ein Problem. «Ein eher dienstleistungsorientierter Betrieb, der zum Werkplatz zählt, stört zwar die Anwohner in einem Wohngebiet nicht», sagt Arber. Für das Unternehmen sei es aber eventuell ein Problem, die hohe Miete zu bezahlen. Deshalb sei es wichtig, mit den Mitteln der Zonenplanung und der Bewilligungspraxis auch für einen gewissen Preisschutz für Betriebe zu sorgen.