Noch lächeln drei von fünf bürgerlichen Stadtratskandidaten. Zumindest auf den Plakaten, die gestern vorgestellt worden sind. Zu den zwei bisherigen Gerold Lauber (CVP) und Andres Türler (FDP) haben sich FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger und die beiden SVP-Namen Nina Fehr Düsel und Roland Scheck gesellt. Die Kampagnenmacher rechnen der Einfachheit halber gleich selber vor: «Top 5 für ein liberales Zürich» steht da geschrieben.

Die Umsetzung erinnert an die «Vier gewinnt»-Strategie, mithilfe derer FDP und SVP zweimal ihre Kandidaten in den Regierungsrat gehievt hatten. Doch die Stadt ist nicht der Kanton. Wie viele der fünf Wackeren auch am Wahltag - oder am Tag des zweiten Wahlgangs - noch lächeln werden, ist fraglich.

Einen Zusammenschluss der drei traditionellen bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP hat Zürich schon lange nicht mehr gesehen. FDP-Schwergewicht Martin Vollenwyder, der vor rund einem halben Jahr aus der Stadtregierung ausschied, hatte seinen Parteifreunden eine Partnerschaft mit der SVP jeweils strikt verboten. Nun ist Vollenwyder Geschichte, und mit ihm seine politischen Ideale.

Dass CVP-Mann Gerold Lauber plötzlich auf dem bürgerlichen Ticket auftaucht, ist ebenfalls neu. Gewählt worden war er jeweils dank Stimmen aus dem Mitte-Links-Lager. Ob diese auch nach der Top-5-Kampagne noch ihm gehören, wird sich zeigen.

Mal abgesehen von diesen Vorgeschichten: Dass die drei Parteien nun wissen, dass sie nur gemeinsam Erfolge verbuchen können, ist an sich löblich - ob es nun für einen Sitzgewinn reichen wird oder nicht. Den Ausbruch aus dem bürgerlichen Jammertal der städtischen Politik unternehmen die drei Parteien zusammen mit unzähligen wirtschaftsnahen Organisationen: einem Zusammenschluss, der sich Forum Zürich nennt.

Dieses Forum will die Wende schaffen. Es träumt von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen bürgerlich und Linksgrün. Doch beim genauen Hinsehen werden die Schwächen des Konstrukts augenscheinlich: Im geschäftsleitenden Ausschuss des Forums sitzen etliche Namen, deren Bett nicht in der Stadt, sondern auf dem Lande steht.

Der engagierte Vorsitzende, Robert Gubler, der die Kampagne präsentierte, wohnt in Oberrieden am linken Zürichseeufer. Ruth Enzler, die Präsidentin des Zürcher Automobilclubs, residiert in Zollikon. Thomas Hess, Geschäftsleiter des Kantonalen Gewerbeverbands, ist ein Küsnachter. Markus Hutter, Nationalrat der FDP, wohnt in Winterthur. Thomas Koller vom Komitee «Weltoffenes Zürich» nennt Kloten seine Heimat. Und Hans Rutschmanns Heim steht in Rafz, von wo aus er über den kantonalen Gewerbeverband wacht.

Die einzigen Stadtzürcher dürften Albert Leiser (FDP), Nicole Barandun-Gross (CVP) und Regine Sauter (FDP) sein. Barandun präsidiert den städtischen Gewerbeverband, Sauter ist Direktorin der Zürcher Handelskammer. Leiser ist FDP-Gemeinderat aus Altstetten und Direktor des Hauseigentümerverbandes.

Die herbeigesehnte bürgerliche Wende wird also mehrheitlich von Vorortsbewohnern orchestriert, im Züri-Slang «Agglos» genannt. Ausgerechnet sie, die ihre Wahlzettel in die Urnen ihrer jeweiligen Gemeinden werfen, glauben daran, in der Stadt die Linke vom Thron stossen zu können.

Kein Zweifel, die bürgerlichen Parteien sind - rein arithmetisch gesehen - in der Zürcher Stadtregierung untervertreten. Dass sie die Rückeroberung aber nur mit Unterstützung von aussen angehen können, lässt sie nicht besonders stark erscheinen.

Die Stadtzürcher Bevölkerung ist nicht unbedingt darauf erpicht, politische Ratschläge von Leuten anzunehmen, die ringsum in steuergünstigen Gemeinden leben, die Stadt aber gleichzeitig als ihr Eigentum betrachten.

Die Bürgerlichen in der Stadt Zürich sollten vielleicht etwas mehr auf ihre eigene Kraft vertrauen. Doch ihren Themen mangelt es an Sexappeal: So warnen sie davor, dass Firmen scharenweise aus der Stadt abziehen, während der Durchschnittsbürger einen Boom wahrnimmt. Sie mahnen zum sorgsamen Umgang mit Steuergeldern und möchten mehr Sicherheit in Wohnquartieren. Dabei beklagen sie, dass «Wohnen die politische Debatte prägt». Nun denn, man reichere die Debatte bitte an!