«Dieser Haufen hier stinkt», sagt Pascal Spaar, Projektleiter bei Eberhard Recycling AG und steigt über lose Betonstücke voller Armierungseisen hinweg. Dass sich hier nicht nur sauberer Beton befindet, können die Spezialisten für Altlastenentsorgung sehen und vor allem riechen. Entsprechend trennt ein Bagger den Beton in unterschiedliche Haufen. Im besagten Haufen behindert vor allem Öl die Wiederverwertung des Betons. Das Baumaterial stammt aus der Grube, die seit April auf dem 7300 Quadratmeter grossen Grundstück direkt beim Theater Schiffbau in Zürich West ausgehoben wird. Ursprünglich testete dort das Industrieunternehmen Escher Wyss Turbinen. In den ehemaligen Speditionshallen an der Hardbrücke befanden sich bis vor kurzem die Probebühnen des Opernhauses, ehe diese in einen Neubau an der Hardturmstrasse zogen.

21 Abfallkategorien

«Es ist ein Stück Zürcher Industriegeschichte, das hier verschwindet», sagt Fredy Pfister, Fachbauleiter Altlasten. Pfister ist gegenüber den Behörden und der Bauherrin verantwortlich, dass die Firma Eberhard die Altlasten korrekt saniert. Er füllt zusammen mit Pascal Spaar einen Eimer mit stinkendem Beton. Dieser wird im Labor untersucht und anhand der Analyse in eine von 21 Abfallkategorien eingeteilt. Je nach Kategorie müssen verschiedene Massnahmen getroffen werden, um den Beton zu reinigen.

In einem Teil der Baugrube ist das Grundwasser sichtbar. Darüber feiner Sand, der sich abgelagert hat, und Kies – der natürliche Untergrund der Stadt Zürich. Eine weitere Schicht stammt vom Ausbruch des Tunnels zwischen Letten und Stadelhofen, der Ende des 19. Jahrhunderts hierhin gebracht worden war. Darüber stand das thermische Labor von Escher Wyss.

Der älteste Teil des Grundstücks sei am stärksten belastet, sagt Spaar und weist hinüber zum Hochkamin mit Wasserreservoir. Dieser ist im Inventar schützenswerter Bauten aufgeführt und bleibt stehen. Beim Abbruch der Industriegebäude rundherum ging man gleich vor wie bei einem Neubau, nur in umgekehrter Reihenfolge: Zuerst wurden die Fenster und Innenausbauten entfernt, bis nur der Rohbau blieb. Dabei ist in den Gebäuden Asbest gefunden und von einer Spezialfirma entfernt worden.

Masken wegen Quecksilber

Zuletzt wird jetzt der Untergrund gereinigt. Dabei stiessen die Spezialisten auf Quecksilber. Jedoch nur in geringen Mengen und nicht in seiner reinen Form. «Wichtig ist, dass das Quecksilber nicht in die Luft gerät», sagt Spaar. Deswegen wurde der Aushub mit Wasserschläuchen und einer Schneekanone befeuchtet, um den Staub zu unterbinden. In diesem Teil der Baustelle trugen die Arbeiter zudem Staubmasken. Das Quecksilber könnte von Thermometern und Druckmessern aus dem Labor stammen, sagt Spaar. Wahrscheinlicher sei, dass es mit dem Material vom Lettentunnel aufs Escher-Wyss-Areal gelangt sei.

Auf der anderen Seite der Baustelle kratzt eine Baumaschine rote Farbe von den Wänden der Kellerräume. Diese beinhaltet die giftige Chlorverbindung PCB, die krebserregend und heute verboten ist. Die Farbe wird vom Beton separiert und verbrannt.

«Eine Altlastenbaustelle ist immer für eine Überraschung gut», sagt Spaar und steckt die Nase in den stinkenden Beton des Haufens, der unterdessen ein Schild mit der Nummer 17 erhalten hat. «Man riecht die Belastung kaum mehr. Wohl, weil der Beton einige Tage geruht hat.»

In den nächsten Tagen werden die Eberhard-Lastwagen den sauberen Beton der anderen Haufen abholen und wiederverwerten. Nummer 17 wird nach der Evaluation im Labor zur Bodenwaschanlage gebracht. Im November sollen sämtliche Altlasten saniert und die Baugrube erstellt sein. Dann starten die Bauarbeiten für ein fünf- bis sechsgeschossiges Geschäftshaus. An die industrielle Vergangenheit wird an dieser Stelle nur noch der Hochkamin erinnern, aber nicht mehr der Untergrund.