Schutzverordnung
Der Uetliberg soll vor neuen Bauten und Anlagen freigehalten werden

Der Kanton definiert, was auf Zürichs Hausberg erlaubt und verboten ist. Natur und Erholung haben dabei Vorrang.

Matthias Scharrer
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Aussicht Üetliberg.JPG

Aussicht Üetliberg.JPG

Keystone

Die Nutzung des Uetlibergs ist seit Jahren umstritten. Der Streit zwischen Naturschützern, dem Hotelier Giusep Fry, der das Hotel Uto Kulm auf dem Gipfel von Zürichs Hausberg betreibt, und dem Kanton ging bis vor Bundesgericht. Auch zwischen Wanderern und Bikern gab es oft böses Blut. Jetzt hat der Kanton Zürich in einer Schutzverordnung zusammengefasst, was auf dem Uetliberg künftig gelten soll.

Unter den Schutzzielen der kantonalen Verordnung sticht eines besonders hervor: «Die Landschaft soll vor neuen Bauten und Anlagen freigehalten werden.» Ein deutlicher Wink an Fry, der zuletzt einen illegal erstellten Glaspavillon auf seiner Aussichtsterrasse abbrechen musste.

«Sanfter Tourismus»

Eine komplette Konservierung des Istzustands strebt der Kanton indes nicht an. an. Darauf deutet schon der nächste Satz der Verordnung hin: «Die zeitgemässe land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung, ein sanfter Tourismus und eine schonende Erholungsnutzung bleiben gewährleistet.» Ein paar Seiten weiter wird das Bauverbot ausdrücklich relativiert. So heisst es im Abschnitt über die Erholungszonen, es beziehe sich auf «Bauten und Anlagen aller Art, ausser solchen, welche für den extensiven Erholungsbetrieb notwendig sind.»

Natur Üetliberg
8 Bilder
Personen betrachten den Blick auf die Stadt Zuerich vom Zuercher Hausberg Uetliberg (871 m)
Menschen geniessen das Wetter im Wald
Nebel haengt zwischen den Huegeln Richtung Zufikon
Ein Mann fotografiert die Aussicht
Blick vom Uetliberg
Die Uetlibergbahn
Blick vom Uetliberg

Natur Üetliberg

Keystone

Lässt die Baudirektion unter Führung von Regierungsrat Markus Kägi (SVP), die die Schutzverordnung erarbeitet hat, so eine Hintertür für Fry offen? Dessen Hotel Uto Kulm liegt nämlich in einer der zwei Erholungszonen auf dem Uetliberg. Doch Baudirektionssprecher Markus Pfanner entwarnt: Mit Bauten, die für «extensiven Erholungsbetrieb» nötig sind, seien etwa Feuerstellen oder ein Waldspielplatz gemeint. Pfanner verweist auch darauf, dass erst der noch ausstehende Gestaltungsplan im Detail klären werde, was rund ums Hotel Uto Kulm künftig möglich ist. Dies gelte auch für die umstrittenen Autofahrten vom und zum Hotel. Generell gilt im Uetlibergwald ein Fahrverbot. Der Uto-Kulm-Gestaltungsplan wird laut Pfanner «in den nächsten Tagen und Wochen» publiziert.

Die gestern veröffentlichte kantonale Schutzverordnung unterteilt den Uetliberg in fünf Kategorien:

Gebiete mit Schwerpunkt Erholung: Hier gibt es Spiel-, Lager- und Rastplätze, Sportanlagen und Restaurants. Zur Erholungszone zählt neben dem Uto Kulm ein Teil der Allmend am Fusse des Uetlibergs auf Stadtzürcher Gebiet.

Schutzzone Uetliberg: Landwirtschaft, Wald und Tourismus auf engem Raum.ZVG

Schutzzone Uetliberg: Landwirtschaft, Wald und Tourismus auf engem Raum.ZVG

zvg

Wald mit Schwerpunkt Naturschutz: Hierzu zählt der Grossteil der steilen Hänge nördlich und südlich des Berggrats. Spazieren, Joggen, Wandern, Velofahren und Reiten auf Wegen ist hier möglich, Pflanzen und Pilze pflücken untersagt. Für Hunde gilt Leinenpflicht.

Naturnaher Wirtschaftswald: Diese Zone umfasst die weniger steile nördliche Bergflanke zwischen Uto Kulm, Ringlikon, Uitikon und Zürich Albisrieden. Erholungsnutzungen wie Picknicken, Spazieren, Wandern, Joggen, Velofahren und Reiten auf Wegen, Waldkindergarten sind erlaubt; ebenso rückbaubare Infrastrukturen wie etwa Bike-Trails (gibts schon) oder Seilpärke. Voraussetzung ist eine Bewilligung.

Naturschutzgebiete: Betreten ist nur auf markierten Wegen erlaubt, Pflanzen und Pilze pflücken verboten, für Hunde gilt Leinenpflicht. Das grösste Uetliberg-Naturschutzgebiet befindet sich oberhalb des Südportals des Uetlibergtunnels auf Stadtzürcher Gebiet. Ausserdem sind in der Schutzverordnung diverse kleinere und kleinste Naturschutzgebiete markiert, mehrheitlich auf Reppischtaler Seite.

Blick vom Üetliberg

Blick vom Üetliberg

Keystone

Offene Landschaft: Hier sind Erholungsnutzungen und Landwirtschaft möglich. Die grössten dieser Gebiete sind in Zürich Leimbach sowie auf der Stalliker Seite des Uetliberggrats, bei Ringlikon und beim Albisgüetli.

«Ziemlich gummig»

Erste Reaktionen auf die Schutzverordnung Uetliberg fallen durchmischt aus: Andreas Hasler, Geschäftsleiter von Pro Natura Zürich, der als Vertreter der Naturschutzverbände ins Erarbeiten der Verordnung einbezogen war, findet sie «grundsätzlich in Ordnung». Die Naturschutzverbände hätten sich aber ausgedehntere Waldgebiete mit Schwerpunkt Naturschutz gewünscht. Margrith Gysel, Präsidentin des Vereins Pro Uetliberg, moniert: «Die Schutzformulierungen sind ziemlich gummig. Es kommt darauf an, wie sie gehandhabt werden.» Hotelier Fry lässt über seinen Mediensprecher ausrichten, er werde sich «allen konstruktiven und zeitgemässen Beiträgen dieser Schutzverordnung fügen und weiterhin aktiver Teil der neuen Verordnung sein.»

Die Schutzverordnung liegt ab heute bis 10. Dezember öffentlich auf. Danach wird sie überarbeitet und rekursfähig. Sollten keine Rekurse eingehen, könnte sie laut Pfanner Mitte 2016 rechtskräftig werden.