Zürich
Der Traum einer Metro soll nicht platzen: Verkehrsplaner fordert unterirdischen Verkehr

Die Politik hat die Idee einer U-Bahn ins Zürcher Hochschulquartier eigentlich begraben. Ein Verkehrsplaner will nun verhindern, dass die Pläne in der Schublade verschwinden.

Michel Wenzler
Merken
Drucken
Teilen
Ein Hauch von U-Bahn: Schon heute verlaufen in der Stadt gewisse Linien zumindest teilweise unter­irdisch – hier die Tramstation Schörlistrasse in Schwamendingen.

Ein Hauch von U-Bahn: Schon heute verlaufen in der Stadt gewisse Linien zumindest teilweise unter­irdisch – hier die Tramstation Schörlistrasse in Schwamendingen.

Keystone

Sie ist eine jener Visionen, die im Jahr 2020 fast endgültig im Untergrund verschwunden wäre: die Idee einer Mini-Metro. Der unterirdische Shuttle hätte vom Hauptbahnhof ins Hochschulquartier geführt, das in den nächsten Jahren zu grossen Teilen neu gebaut und deshalb wachsen wird. Von dort wäre die Linie weiter bis zum Bahnhof Stadelhofen verlaufen.

Pläne für unterirdische Linien wie diese wälzen Verkehrsplaner und Politiker schon seit Jahren. Anfang Dezember gaben jedoch die Verantwortlichen von Stadt und Kanton bekannt, dass man die Mini-Metro ins neue Hochschulquartier verworfen habe. Gesamtprojektleiter Peter Bodmer bezeichnete sie als Idee, die «eigentlich ganz lustig gewesen wäre» – und technisch durchaus auch ­machbar.

Tram statt U-Bahn

Die Option sei sorgfältig untersucht worden. Aber zu Spitzenzeiten würden die Kapazitäten nicht reichen, sagen die Planer des Hochschulquartiers. Und die voraussichtlichen Kosten von rund einer halben Milliarde wären schlicht zu hoch.

Stattdessen soll nun der Tramverkehr ausgebaut werden. Zudem sind neue Velorouten und Fusswege ins Hochschulquartier vorgesehen. Das soll reichen, um auch all die ­Personen ins Gebiet zu bringen, die künftig zusätzlich ins Hochschulquartier pendeln.

Ganz vom Tisch ist die Idee der U-Bahn aber noch nicht. Denn nur einen Tag, nachdem Stadt und Kanton die Metro verworfen haben, hat der ehemalige Verkehrsplaner und Ustermer Gemeinderat Paul Stopper eine Einzelinitiative im Kantonsrat eingereicht – eine Möglichkeit, die nicht nur Parlamentariern vorbehalten ist, sondern allen Zürcher Stimmberechtigten offen steht.

Stopper begleitete schon die Durchmesserlinie, nun will er eine U-Bahn

Stopper, früher selbst einmal Kantonsrat, macht davon ab und zu Gebrauch. Der 74-Jährige setzt sich seit Jahren mit viel Verve für den öffentlichen Verkehr ein. In seiner Berufskarriere hat er zahlreiche ÖV-Projekte in Stadt und Kanton Zürich begleitet und mitgeprägt, unter anderem auch die Durchmesserlinie. Nun fordert er mit seinem Vorstoss, dass der Regierungsrat einen Projektierungskredit für eine U-Bahn ausarbeitet.

Ihm schwebt eine andere Linienführung vor, als jene, die die Planer des Hochschulquartiers ursprünglich im Kopf hatten. Auch sie ist schon oft in der ­öffentlichen Diskussion auf­getaucht: Die Sihltal-Zürich- Üetliberg-Bahn (SZU), die heute im Hauptbahnhof endet, soll verlängert werden und über das Hochschulquartier im Zentrum bis zur Uni Irchel und zur ETH Hönggerberg verlaufen.

Sein Vorstoss im Kantonsrat habe nicht direkt mit dem Verzicht der Hochschulquartier-Planer auf eine Mini-Metro zu tun, sagt Stopper. «Ich hatte schon länger vor, eine Initiative einzureichen», sagt der pen­sionierte Verkehrsplaner. Jetzt, wo die neuen Bauten im Hochschulquartier konkreter würden, sei der richtige Zeitpunkt, die Möglichkeit einer unterirdischen Bahn nochmals anzuschauen.

Tunnelstummel als Ausgangspunkt

Gemäss Stopper reicht es nicht, das zunehmende Verkehrsvolumen mit dem Ausbau des Tramverkehrs und mit zusätzlichen Velorouten und Fusswegen aufzufangen. Die Verlängerung der SZU biete sich als mögliche Lösung an.

Denn die unterirdischen SZU-Bahnhöfe Selnau und Hauptbahnhof waren einst so geplant worden, dass die Linie ausgebaut und unter dem Stadtzentrum hätte verlängert werden können – unter der Limmat hindurch in Richtung Central und Milchbuck. 1973 sprachen sich die Zürcher Stimmberechtigten allerdings gegen eine U-Bahn aus.

Übrig geblieben ist ein rund 100 Meter langer Tunnelstummel. Stopper findet, dass sich dieser Tunnel unterhalb der Limmat hindurch verlängern liesse. Der ehemalige Bauingenieur rechnet grob vor, wie es ginge – von den Stromsystemen bis hin zu Bodenneigungen und ungefähren Taktfahrplänen. Sogar eine Verlängerung der Linie bis nach Regensdorf steht für ihn zur Debatte.

«Es ist sinnvoll, Bestehendes auszubauen», sagt Paul Stopper. «Dann bleibt man im gleichen Verkehrssystem und minimiert das Umsteigen.» Sein Haupt­anliegen ist, ähnlich wie es bis vor kurzem auch die Planer des Hochschulquartiers vorgesehen hatten, die Erschliessung des Uni-Zentrums vom Hauptbahnhof aus. Nur soll die Linie dort nicht wenden und zum Stadelhofen führen, sondern zu den weiteren Forschungshotspots ausserhalb des Zentrums.

Stopper beharrt allerdings nicht auf exakt dieser Linienführung. Er sei auch offen für bessere Vorschläge, sagt er. Wichtig ist ihm, dass die Ideen für eine U-Bahn nicht einfach in der Schublade verschwinden.

60 Kantonsräte müssten ihn unterstützen

Allerdings müssten ihn 60 Kantonsräte unterstützen, damit seine Initiative dem Regierungsrat überwiesen wird. Dieser würde dann dem Parlament einen Bericht und Antrag vorlegen. Danach würde der Kantonsrat über die Initiative abstimmen.

Bei einigen Kantonsräten dürfte Stopper auf offene Ohren stossen. So hatte der Hombrechtiker Thomas Wirth (GLP) im Frühling ein Postulat für die unterirdische Verlängerung bestehender Linien eingereicht.

Wie realistisch ist es aber, dass Stopper mehr als nur ein paar vereinzelte Kantonsräte für seine Vision gewinnt? Der frühere Verkehrsplaner macht dazu keine Prognose. Er sagt lediglich: «Sobald die Initiative auf der Traktandenliste steht, werde ich das Gespräch mit den Fraktionen suchen.»