Geld beherrscht die Welt. Vor dem Tod sind alle gleich. Zwei Lebensweisheiten, die unmittelbar einleuchten – ob sie einem gefallen oder nicht. Dann kam Dignitas, die von Ludwig A. Minelli gegründete Sterbehilfeorganisation, und machte daraus einen liberalen Mix, indem sie Wirtschaftsfreiheit einforderte, oder konkret, dass das gewerbsmässige Beisetzen von Urnen ausserhalb von Friedhöfen zulässig sein soll; ebenso das gewerbsmässige Verstreuen von Krematoriums-Asche. Minellis Organisation rekurrierte deswegen gegen die vom Kanton Zürich 2015 erlassene Bestattungsverordnung, die genau dies untersagt. Das Bundesgericht hat die Forderung von Dignitas nun abgelehnt.

Gut so. Der Tod soll kein Geschäft werden. Das entspricht der schweizerischen Gesetzgebung und gilt übrigens auch für die Sterbehilfe, das Hauptbetätigungsfeld von Dignitas. Das heisst nicht, dass ausschliesslich Staat und Kirche dafür zuständig sind, wie wir den Umgang mit dem Tod gestalten. Freiheit ist auch hier durchaus angebracht, sofern dadurch nicht andere wichtige Interessen, etwa die Ermittlung von aussergewöhnlichen Todesumständen durch die Polizei, beeinträchtigt werden. Doch Freiheit ist nicht gleich Wirtschaftsfreiheit. Im Gegenteil: Wenn wir uns der Zwangsvorstellung unterwerfen, dass alles kommerzialisierbar sein muss, geben wir Freiheit auf. Dass Dignitas sich mit dem Rekurs gegen die Bestattungsverordnung für ein Geschäft mit dem Tod einsetzte, gibt zu denken, hatte Minelli sich doch stets als Freiheitskämpfer gegeben, dem es eben nicht um kommerzielle Interessen gehe.