Energie
Der Stromdetektiv zeigt , wie Energie und Geld gespart werden können

Sie stecken überall im Haus, die Energieschleudern. Hardy Schröder von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich weiss, wo sie lauern. Unterwegs mit dem Stromdetektiv.

Heinz Zürcher
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Der Elektro-Sherlock Holmes des EKZ gibt für 50 Franken Tipps zum Energieverbrauch.

Der Elektro-Sherlock Holmes des EKZ gibt für 50 Franken Tipps zum Energieverbrauch.

Limmattaler Zeitung

Die Familie Uhr wohnt in einem Reihenhaus oberhalb von Thalwil. Ein normaler Haushalt. Weder hängt ein riesiger Fernsehbildschirm an der Wand noch ist es hell wie in einem Lampengeschäft. Auch in den Zimmern der beiden Kinder –
14 und 16 Jahre alt – sucht man vergebens nach Energieschleudern. Und doch haben die Uhrs im letzten Jahr fast 1000 Franken für Strom ausgegeben. «Unser Kollegenpaar, das ebenfalls in einem Einfamilienhaus wohnt, zahlt etwa die Hälfte», sagt Yvonne Uhr. Um den Kostentreiber zu ermitteln, haben die Uhrs Hardy Schröder an den Tatort bestellt. Er ist einer von sieben Stromdetektiven der EKZ. Zwischen 700- und 1000-mal pro Jahr rücken sie aus, besuchen Mieter und Eigentümer, die sich über hohe Stromrechnungen ärgern oder aus ökologischen Gründen den Verbrauch senken wollen.

Kaum haben die Uhrs dem Detektiv einen Kaffee gereicht, fragt dieser, ob die Maschine von alleine abstelle. «Ja», antwortet Yvonne Uhr überrascht – und nach einer kurzen Denkpause: «Aber erst nach einer Weile. Man könnte sie auch gleich selber abstellen.» Der Energieberater lächelt anerkennend und nimmt einen Schluck aus der Tasse.

Der Fall ist gelöst

Als Erstes schaut sich Hardy Schröder immer die Stromrechnung seiner Kunden an. Schnell wird klar, weshalb die Uhrs weitaus mehr zahlen als ihre Kollegen. Vom Jahresenergieverbrauch von 6518 Kilowattstunden pro Jahr beansprucht allein der Warmwasserboiler 3000 kWh. «Ihre Kollegenpaar lässt das Wasser vielleicht mit Öl heizen, hat einen Wärmepumpenboiler oder eine Solaranlage. Deshalb der grosse Unterschied.»

Abzüglich der 3000 kWh verbleiben noch 3518 kWh für Beleuchtung und Geräte. «Damit liegen Sie unter dem durchschnittlichen Verbrauch», lobt Schröder. «Siehst du, ist ja gar nicht so schlimm bei uns», sagt Andreas Uhr und schielt zu seiner Frau. Der grösste Kostentreiber wäre damit gefunden, der Fall eigentlich gelöst. Doch Hardy Schröder wäre kein Stromdetektiv, wenn er nicht das ganze Haus unter die Lupe nehmen würde, um jedes unnötige Kilowatt aufzuspüren.

Wie und wo sich Energie sparen lässt

Beleuchtung: Mit LED- und Sparlampen lassen sich gegenüber Halogenglühlampen bei gleicher Helligkeit rund 80 Prozent Strom sparen.
Geräte: Wer PC, Drucker, Router respektive TV, Settop-Box, DVD etc. auf je einer gemeinsamen Steckerleiste zusammenfasst, kann bei Nichtgebrauch den unerwünschten Standby-Verbrauch vermeiden.
Kochen: Mit geschlossenen Pfannen auf passend grossen Herdplatten ist der Energieverbrauch am geringsten. Wasser für Tee und Suppen kocht man am sparsamsten und schnellsten im Wasserkocher.
Kühlen und Gefrieren: Ein auf 6 statt auf 4 Grad eingestellter Kühlschrank benötigt 12 Prozent weniger Strom. 5 bis 7 Grad sind ideal. Ein Tiefkühler benötigt im Keller weniger Strom als in der Wohnung, da die Temperatur im Keller tiefer ist.
Waschen: Moderne Waschmaschinen und -mittel reinigen die Kleider auch bei 30 Grad hygienisch und sauber. Der Energieverbrauch pro Waschgang ist 40 Prozent
tiefer als bei 60 Grad. Oft reichen gar 20 Grad.
Wasser: Mit einer Wasser sparenden Duschbrause kann der Wasserverbrauch halbiert werden. Solche Brausen gibt es auch für Küche und Lavabo.
Raumklima: Die ideale Raumtemperatur für Wohnräume beträgt während der Heizperiode rund 20 Grad. Dies entspricht bei einem Thermostatventil in der Regel der Position 3. In Schlafräumen reichen 17 Grad (Pos. 2). Pro Grad tieferer Raumtemperatur sink der Heizenergieverbrauch um jeweils 6 Prozent.
Lüften: Statt dauerhaft Fenster zu kippen oder zu
öffnen, sollte man die Wohnung mehrmals täglich während 5 bis 10 Minuten gut durchlüften.

Es geht in den Keller. Da ist er, der Energie fressende Boiler. «Als Mieter können Sie da nicht viel machen», sagt der Fachmann, um dann doch ein paar Tipps loszuwerden: Kürzer duschen, Wasser beim Einseifen abstellen – oder einen Sparhahn benutzen. Das Beispiel zeigt, nach welchem Muster der Detektiv jeweils vorgeht. Zunächst prüft er, ob Anpassungen am Gerät oder eine Neuanschaffung Potenzial bieten. Wenn nicht, klärt er, ob sich durch besseres Nutzerverhalten oder Verzicht ein Spareffekt erzielen lässt.

Gleiches Vorgehen mit der Waschmaschine. Schröder prüft den Verbrauch mit seinem Messgerät. Die Maschine ist neu. «Es hat eine 20-Grad-Taste», sagt Schröder. «Damit lassen sich mit den heutigen Waschmitteln problemlos
T-Shirts waschen.» Weiter zum Gefrierschrank. Der Stromschnüffler öffnet ihn und sagt: «Sehr gut, weder schwarze Stellen auf der Innenseite der Tür noch Eisbildung. Der Schrank ist dicht.» Eine Truhe sei allerdings stromsparender, weil beim Öffnen weniger Kälte entweiche. «Aber dann muss man den Inhalt gut organisieren, so, dass man nicht jedes Mal alles umstapeln muss.»

Raum um Raum arbeitet sich Schröder vor. Im Unterhaltungszimmer haben die Uhrs Spielkonsole, DVD und Fernsehgerät mit einem Standbykiller verbunden. Per Knopfdruck lassen sich damit alle Geräte gleichzeitig ganz abschalten. «Klar, da gehen nicht viele Kilowatt verloren. Aber aufs Jahr rechnet sich das», erklärt Schröder. «Am besten, man geht mal im Dunkeln durchs Haus. Dann sieht man alle Lämpchen, die leuchten und auf unnötigen Stromverbrauch hinweisen.»

Empfehlenswert sei es zudem, die Halogenglühlampen durch LED-Leuchten zu ersetzen. Schröder öffnet einen Koffer mit Mustern, die zeigen, dass heute auch LED warmes Licht erzeugen kann.

Schock unter der Dusche

Nach eineinhalb Stunden ist der Stromdetektiv durch. Viel zu beanstanden hatte er nicht. Potenzial sieht er bei den Uhrs vor allem im Nutzerverhalten. Seine Kunden sehen das genauso. «Ich denke, vieles machen wir gut», sagt Yvonne Uhr. «Aber ich bin schockiert, wie viel Strom beim Duschen verbraucht wird.» Andreas Uhr wiederum erwägt, mit neuen Leuchtmitteln einen Spareffekt zu erzielen. «Ist gut, in einem halben Jahr komme ich zur
Kontrolle vorbei», sagt Hardy Schröder trocken, um gleich loszulachen und sich von den Uhrs zu verabschieden.

Die Analyse des EKZ-Energieberaters dauert je nach Haushalt 45 bis 90 Minuten und kostet 50 Franken. www.ekz.ch.