Zürcher Oberland

Der streunende «Schäferhund» kann auch ein Wolf sein

Der letzte Beweis für einen Wolf im Zürcher Oberland: Im Herbst 2015 tappt ein Wolf in eine Fotofalle.

Der letzte Beweis für einen Wolf im Zürcher Oberland: Im Herbst 2015 tappt ein Wolf in eine Fotofalle.

Hat sich der Wolf im Bezirk Pfäffikon niedergelassen? Zwei Sichtungen eines streunenden «Schäferhunds» könnten Hinweise darauf sein. Was nach Schäferhund aussehe, könne auch ein Wolf sein, sagen Wildhüter.

Seit im Herbst 2015 ein Wolf in Gossau in eine Fotofalle tappte, geistert das Raubtier in den Hinterköpfen von Bauern und Wildhütern der Region herum. Nun könnten zwei Sichtungen eines vermeintlichen Schäferhunds in Hittnau und Russikon ein Hinweis darauf sein, dass sich der Wolf längerfristig im Zürcher Oberland niedergelassen hat.

Ruedi Widmer, Obmann der Jagdgesellschaft Burgberg Hittnau, berichtet von einem Fall vor wenigen Tagen, als offenbar ein Hund von einem grösseren Streuner gebissen worden ist. «Der Hund musste danach zum Tierarzt gebracht werden.» Der betroffene Halter habe beim Angreifer von einem Schäferhund gesprochen. «Es könnte aber auch ein Wolf gewesen sein», so Widmer, «die Tiere werden oft verwechselt.»

«So sieht kein Hund aus»

Widmer verweist auf eine mögliche Sichtung im Oktober des letzten Jahrs in Russikon. Damals berichtete Patrick Meier, er habe gleich zweimal am selben Tag in Russikon einen Wolf gesehen. Das zweite Mal schoss er ein Foto aus dem Auto heraus. Der junge Mann sagte damals: «So sieht kein Hund aus.»

Auch das Bild einer Fotofalle in Gossau ist Widmer vor Augen. «Der Radius eines Wolfs ist riesig. Er kann an einem Tag in Weisslingen, am nächsten in Hittnau und dann in Grüningen auftauchen.» Es sei durchaus möglich, dass sich das Tier in der Region Zürcher Oberland niedergelassen habe.

Diese Theorie könnte die zweite, vor kurzem erfolgte Sichtung eines streunenden Vierbeiners, der von Russikon in Richtung Fehraltorf lief, stützen. «Ein Kollege von mir sah das Tier über ein Feld laufen und war der Meinung, es handle sich um einen streunenden Schäferhund. Es kann aber auch sein, dass es ein Wolf war», sagt der Russiker Wildhüter Albert Guyer.

Skepsis beim Kanton

Urs Philipp, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd beim kantonalen Amt für Landschaft und Natur, ist skeptisch. Er hat seit der angeblichen Sichtung vom letzten Oktober in Russikon keine Meldungen mit Indizien auf einen Wolf im Oberland mehr erhalten. «Wir prüften das Foto, das wir erhielten. Aber man konnte das abgebildete Tier leider nicht eindeutig identifizieren.» Seit vor gut anderthalb Jahren ein Wolf in Gossau in die Fotofalle getappt sei, habe es keinen Beweis mehr gegeben, dass er noch im Zürcher Oberland unterwegs sei. «Es gibt keine Risse, keine Spuren, nichts.»

Gäbe es eine neue zuverlässige Wolf-Sichtung, müsste das Amt sofort öffentlich informieren, sagt Philipp. «Absolut ausgeschlossen ist es nicht, dass ein Wolf im Oberland unterwegs ist. Nur ist das Gebiet so dicht besiedelt, dass das Tier eigentlich längst mit einer Fotofalle oder anderen Beweisen hätte ‹dingfest› gemacht werden müssen.»

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